200. Geburtstag der Fischerhallen: Geschichtsträchtiges Gewölbe an der Alten Brücke wird temporärer Veranstaltungsort
Stadt Frankfurt und „making frankfurt“ in Kooperation mit
Umwelt-Exploratorium unterzeichnen Vertrag für Zwischennutzung
ffm. Die Alte Brücke ist nicht nur eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Sachsenhausen, sondern die älteste und bis ins 19. Jahrhundert auch die einzige Brücke der Stadt. Was viele Frankfurterinnen und Frankfurter nicht wissen: Unter der Rampe zur Alten Brücke, direkt am nördlichen Mainufer, liegen 200 Jahre alte, etwa 400 Quadratmeter große Gewölbehallen, die „Fischerhallen“. 1826 erbaut, lagen die vier Gewölbe damals im Wasser und waren durch schmale Kanäle mit dem Main verbunden. Hier legten Fischer mit ihren Kähnen an, reparierten sie, lagerten Netze und Werkzeug. Außerdem gab es einen direkten Ausgang Richtung Große Fischergasse, deren Straßenname noch heute auf die für die Fischer wichtige Verbindung zwischen der Stadt und ihrem Arbeitsort am Main hinweist.
Mittlerweile sind die Gewölbe trockengelegt und – direkt neben dem vorgelagerten Fuß- und Radweg – nur durch eine unscheinbare Stahltür nahe des westlichen Brückenaufgangs zugänglich. Die bis zu 4,50 Meter hohen, gemauerten Tonnengewölbe mit unebenem Sandboden und ohne Fenster, werden seit etwa den 1950er Jahren nicht mehr genutzt und sind nur sehr selten, zum Beispiel im Rahmen historischer Stadtführungen, zugänglich.
Das ändert sich nun. Die Stadt Frankfurt am Main unter der Federführung des Mobilitätsdezernates macht den Ort gemeinsam mit den Vereinen „making frankfurt“ und Umwelt-Exploratorium noch 2026 für Veranstaltungen zugänglich. Ziel ist es, hier schon im Sommer in einer Pilot-Nutzung Workshops, Kulturveranstaltungen und andere kurzfristige Events mit überschaubarem Publikum stattfinden zu lassen. Mit einem gemeinsamen Aufräumtag in und vor den Fischerhallen nahmen „making frankfurt“ und Umwelt-Exploratorium am Donnerstag, 23. April, ihre Aktivitäten auf.
Zwischennutzung animiert zum Experimentieren
„Die Alte Brücke ist ein geschichtsträchtiges Wahrzeichen Frankfurts, das zur Identität der Stadt gehört. Diesen außergewöhnlichen Ort im Brückenkopf für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, birgt viel Potenzial für eine lebendige Innenstadt, für Austausch, Lernen und Kultur. Erfahrungsgemäß entwickeln unfertige, rohe Orte wie diese eine Eigendynamik, besonders wenn Bürgerinnen und Bürger diese selbst mitgestalten können. Ich freue mich, dass das Interesse an den Fischerhallen so groß ist, dass es schon jetzt – trotz des aktuellen Zustands – Nutzungskonzepte gibt, die sofort umgesetzt werden können“, erklärt Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert. „Eine Stadtplanungs- und eine Bildungsinitiative mit einem Kinderangebot, das einen direkten Bezug zum Wasser hat, sind dafür die idealen Kooperationspartner.“
Siefert hat gemeinsam mit Urbanist Tobias Krauch, Vorstand des Vereins „making frankfurt“, sowie Designer Uwe Tischer, Vorstand des Vereins Umwelt-Exploratorium und zuständig für das Bildungsangebot „Aquanauten“, einen Gestattungsvertrag unterzeichnet, der eine Zwischennutzung der Fischerhallen ab sofort ermöglicht. Nachdem ein Umbau aufgrund fehlender politischer Mehrheiten 2025 nicht angestoßen werden konnte, überlässt die Stadt Frankfurt die Räumlichkeiten den Kooperationspartnern nun in der Bestandssituation, mit der authentischen Atmosphäre der vorindustriellen Gewölbehallen und ihren Eigenheiten.
Kooperationspartner mit großen Ideen
„making frankfurt“ koordiniert das Vorhaben mit dem Ziel, die Fischerhallen perspektivisch für ein breites Publikum zu öffnen. Die Initiative lädt Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen ein, ab sofort Konzepte für passende Veranstaltungen einzureichen, die neben dem Programm auch den verantwortungsvollen Umgang mit der Infrastruktur aufzeigen und eine eigenständige Versicherung zusagen. „Die Fischerhallen sind ein idealer Ort, um ergänzende Qualitäten für das nördliche Mainufer zu entwickeln. Wir freuen uns, dass sich die Stadt flexibel zeigt, auch unkonventionelle Lösungen unterstützt – und dass wir in diesem Jahr kurzfristig beginnen können“, sagt Krauch.
Tischer ergänzt: „Gerade für Kinder und Jugendliche bieten die Fischerhallen viel Platz und ein besonderes Ambiente zum explorativen Lernen und Spielen – die ideale Location für unsere Schulworkshops. Wir freuen uns, direkt am Main und mitten in der Stadt Workshops zum Thema Wasser anbieten zu können – analog zu unseren Veranstaltungen zum Thema Luft am Alten Flugplatz.“ Nachdem Umwelt-Exploratorium die Aquanauten-Werkstatt am Niederräder Ufer / NU2 räumen musste, findet sie nun den Sommer über ein neues Zuhause in den Fischerhallen.
Wann geht’s los?
In einem nächsten Schritt richtet „making frankfurt“ die Hallen her und entwickelt ein Programm, um die Potenziale der Hallen auszuloten. Der außergewöhnliche Ort mit seinem improvisierten, rohen Charakter wird dabei im Mittelpunkt des Raumprogramms stehen. Die ersten Veranstaltungen sollen Ende Mai stattfinden. Wenn die ersten Erfahrungen gesammelt und ausgewertet sind, wird entschieden, wie es weitergehen kann. „Das Potenzial des Unfertigen, Experimentellen wird von Stadtgesellschaften immer mehr geschätzt und weckt deutlich mehr Interesse als noch vor einigen Jahren. Aber wenn wir einen solchen Ort beleben wollen, müssen wir eben erstmal ohne Strom-, Wasser- und Sanitärinfrastruktur auskommen und mit dem unebenem Boden sowie dem feuchten Klima umgehen“, sagen Krauch und Tischer. „Aber genau dieser Möglichkeitsraum spornt uns an.“
Informationen zu Veranstaltungen finden sich unter makingfrankfurt.com, instagram.com/umweltexploratorium und
u-x.de .
Foto
Sie haben den Vertrag unterschrieben (v.l.): Tobias Krauch, Vorstand von making frankfurt, Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert und Uwe Tischer, Vorstand von Umwelt-Exploratorium und zuständig für das Bildungsangebot „Aquanauten“, Copyright: Stadt Frankfurt am Main
ffm. Die Alte Brücke ist nicht nur eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Sachsenhausen, sondern die älteste und bis ins 19. Jahrhundert auch die einzige Brücke der Stadt. Was viele Frankfurterinnen und Frankfurter nicht wissen: Unter der Rampe zur Alten Brücke, direkt am nördlichen Mainufer, liegen 200 Jahre alte, etwa 400 Quadratmeter große Gewölbehallen, die „Fischerhallen“. 1826 erbaut, lagen die vier Gewölbe damals im Wasser und waren durch schmale Kanäle mit dem Main verbunden. Hier legten Fischer mit ihren Kähnen an, reparierten sie, lagerten Netze und Werkzeug. Außerdem gab es einen direkten Ausgang Richtung Große Fischergasse, deren Straßenname noch heute auf die für die Fischer wichtige Verbindung zwischen der Stadt und ihrem Arbeitsort am Main hinweist.
Mittlerweile sind die Gewölbe trockengelegt und – direkt neben dem vorgelagerten Fuß- und Radweg – nur durch eine unscheinbare Stahltür nahe des westlichen Brückenaufgangs zugänglich. Die bis zu 4,50 Meter hohen, gemauerten Tonnengewölbe mit unebenem Sandboden und ohne Fenster, werden seit etwa den 1950er Jahren nicht mehr genutzt und sind nur sehr selten, zum Beispiel im Rahmen historischer Stadtführungen, zugänglich.
Das ändert sich nun. Die Stadt Frankfurt am Main unter der Federführung des Mobilitätsdezernates macht den Ort gemeinsam mit den Vereinen „making frankfurt“ und Umwelt-Exploratorium noch 2026 für Veranstaltungen zugänglich. Ziel ist es, hier schon im Sommer in einer Pilot-Nutzung Workshops, Kulturveranstaltungen und andere kurzfristige Events mit überschaubarem Publikum stattfinden zu lassen. Mit einem gemeinsamen Aufräumtag in und vor den Fischerhallen nahmen „making frankfurt“ und Umwelt-Exploratorium am Donnerstag, 23. April, ihre Aktivitäten auf.
Zwischennutzung animiert zum Experimentieren
„Die Alte Brücke ist ein geschichtsträchtiges Wahrzeichen Frankfurts, das zur Identität der Stadt gehört. Diesen außergewöhnlichen Ort im Brückenkopf für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, birgt viel Potenzial für eine lebendige Innenstadt, für Austausch, Lernen und Kultur. Erfahrungsgemäß entwickeln unfertige, rohe Orte wie diese eine Eigendynamik, besonders wenn Bürgerinnen und Bürger diese selbst mitgestalten können. Ich freue mich, dass das Interesse an den Fischerhallen so groß ist, dass es schon jetzt – trotz des aktuellen Zustands – Nutzungskonzepte gibt, die sofort umgesetzt werden können“, erklärt Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert. „Eine Stadtplanungs- und eine Bildungsinitiative mit einem Kinderangebot, das einen direkten Bezug zum Wasser hat, sind dafür die idealen Kooperationspartner.“
Siefert hat gemeinsam mit Urbanist Tobias Krauch, Vorstand des Vereins „making frankfurt“, sowie Designer Uwe Tischer, Vorstand des Vereins Umwelt-Exploratorium und zuständig für das Bildungsangebot „Aquanauten“, einen Gestattungsvertrag unterzeichnet, der eine Zwischennutzung der Fischerhallen ab sofort ermöglicht. Nachdem ein Umbau aufgrund fehlender politischer Mehrheiten 2025 nicht angestoßen werden konnte, überlässt die Stadt Frankfurt die Räumlichkeiten den Kooperationspartnern nun in der Bestandssituation, mit der authentischen Atmosphäre der vorindustriellen Gewölbehallen und ihren Eigenheiten.
Kooperationspartner mit großen Ideen
„making frankfurt“ koordiniert das Vorhaben mit dem Ziel, die Fischerhallen perspektivisch für ein breites Publikum zu öffnen. Die Initiative lädt Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen ein, ab sofort Konzepte für passende Veranstaltungen einzureichen, die neben dem Programm auch den verantwortungsvollen Umgang mit der Infrastruktur aufzeigen und eine eigenständige Versicherung zusagen. „Die Fischerhallen sind ein idealer Ort, um ergänzende Qualitäten für das nördliche Mainufer zu entwickeln. Wir freuen uns, dass sich die Stadt flexibel zeigt, auch unkonventionelle Lösungen unterstützt – und dass wir in diesem Jahr kurzfristig beginnen können“, sagt Krauch.
Tischer ergänzt: „Gerade für Kinder und Jugendliche bieten die Fischerhallen viel Platz und ein besonderes Ambiente zum explorativen Lernen und Spielen – die ideale Location für unsere Schulworkshops. Wir freuen uns, direkt am Main und mitten in der Stadt Workshops zum Thema Wasser anbieten zu können – analog zu unseren Veranstaltungen zum Thema Luft am Alten Flugplatz.“ Nachdem Umwelt-Exploratorium die Aquanauten-Werkstatt am Niederräder Ufer / NU2 räumen musste, findet sie nun den Sommer über ein neues Zuhause in den Fischerhallen.
Wann geht’s los?
In einem nächsten Schritt richtet „making frankfurt“ die Hallen her und entwickelt ein Programm, um die Potenziale der Hallen auszuloten. Der außergewöhnliche Ort mit seinem improvisierten, rohen Charakter wird dabei im Mittelpunkt des Raumprogramms stehen. Die ersten Veranstaltungen sollen Ende Mai stattfinden. Wenn die ersten Erfahrungen gesammelt und ausgewertet sind, wird entschieden, wie es weitergehen kann. „Das Potenzial des Unfertigen, Experimentellen wird von Stadtgesellschaften immer mehr geschätzt und weckt deutlich mehr Interesse als noch vor einigen Jahren. Aber wenn wir einen solchen Ort beleben wollen, müssen wir eben erstmal ohne Strom-, Wasser- und Sanitärinfrastruktur auskommen und mit dem unebenem Boden sowie dem feuchten Klima umgehen“, sagen Krauch und Tischer. „Aber genau dieser Möglichkeitsraum spornt uns an.“
Informationen zu Veranstaltungen finden sich unter makingfrankfurt.com
Foto
Sie haben den Vertrag unterschrieben (v.l.): Tobias Krauch, Vorstand von making frankfurt, Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert und Uwe Tischer, Vorstand von Umwelt-Exploratorium und zuständig für das Bildungsangebot „Aquanauten“, Copyright: Stadt Frankfurt am Main