60. Todestag
Ludwig und Else Meidner bei einer Ausstellungseröffnung 1949 / Quelle: Ludwig Meidner Archiv Frankfurt
Oberbürgermeister Hanno Benz würdigt Ludwig Meidner, der seinen Lebensabend in Darmstadt verbrachte, zu dessen 60. Todestag (14. Mai): „Ludwig Meidner hat als Maler von Weltrang Kunst- und Kulturgeschichte geschrieben – und war Darmstadt im Laufe seines Lebens eng verbunden.“ Meidner habe im positiven Sinne des Worts Eigensinn bewiesen und am Anfang und am Ende seines Lebens enge Tuchfühlung mit Darmstadt gehabt.Der deutsch-jüdische Maler, Dichter und Grafiker Ludwig Meidner, einer der Hauptvertreter des urbanen Expressionismus, kam am 18. April 1884 in Bernstadt an der Weide (Landkreis Oels) zur Welt und starb am 14. Mai 1966 in seiner Wahlheimat Darmstadt.Weidner gehört zu den herausragendsten und facettenreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts: Geprägt durch das Inferno des Ersten Weltkriegs und sein Judentum wirkte er in seinen Gemälden und literarischen Werken wie ein Seismograph seiner Zeit. Meidners Themen waren u.a. die Hektik des Großstadtlebens, der urbane Mensch und die Apokalypse des Krieges. Kennzeichen seiner Bilderkunst: Brennende Städte mit Kometen, Feuersäulen am Himmel, die von panischen Menschenmengen bevölkert sind.Der Darmstädter Schriftsteller Kasimir Edschmid lud Meidner 1919 zur Mitarbeit an der expressionistischen, von Carlo Mierendorff herausgegebenen Darmstädter Zeitschrift „Das Tribunal. Hessische radikale Blätter“ ein. Er gehörte zum engen Künstler- und Intellektuellenzirkel der deutschlandweit beachteten Zeitschrift. Bereits in dieser Zeit wurde Meidner auch Mitglied der Darmstädter Sezession.In der Zeit der Weimarer Republik folgten Meidners berühmte Porträtradierungen. Auch machte Meidner als Feuilleton-Kulturjournalist u.a. fürs Berliner Tageblatt von sich reden. Meidner wandte sich nach seiner Abkehr vom Expressionismus seiner Anfangszeit in den 1920er Jahren verstärkt der jüdischen Religion zu. In der Zeit der NS-Diktatur erfuhr er zunehmende Isolation durch Mal-, Ausstellungs- und Berufsverbot, wurde Opfer einer Rufmordkampagne und gewaltsam ins englische Exil vertrieben. Die Nazis verfemten sein Werk als „entartete Kunst“, beschlagnahmten seine Arbeiten in Museen und öffentlichen Sammlungen, vernichteten viele danach. Im Exil entstand sein erschütternder Zyklus über die Judenverfolgung und -vernichtung, den er schuf, nachdem er dort von der Shoah erfahren hatte.1927 hatte Meidner die Malerin und Grafikerin Else Meidner (1901-1987) geheiratet, die aber im englischen Exil blieb, nicht mit ihm wieder nach Deutschland zurückkehren wollte. Sie starb in London. In den 1950er Jahren kehrte Meidner nach Deutschland zurück, wo er sich im Rhein-Main-Gebiet niederließ. Nach einer kurzen Phase im Jüdischen Altersheim in Frankfurt am Main, erhielt er zunächst eine Atelierwohnung in Marxheim, einem Stadtteil von Hofheim am Taunus. Auf Einladung des damaligen Darmstädter Kulturreferenten und späteren Oberbürgermeisters Heinz-Winfried Sabais zog Meidner 1963 nach Darmstadt, wo er 1966 starb. In Darmstadt erfuhr er noch zu Lebzeiten die Anerkennung seines Lebenswerks. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Bessungen.Meidners Werk erlebte erst in den 1980er Jahren eine internationale Wiederentdeckung. Sein Nachlass befindet sich verstreut in der Städtischen Kunstsammlung, seit 1996 im Stadtarchiv Darmstadt (schriftlicher Nachlass) und Jüdischen Museum Frankfurt/Main (künstlerisches Werk). Seit 1978 erinnert der Meidnerweg in Arheilgen an ihn. Ludwig Meidners Sohn David kehrte, anders als sein Vater, nie mehr nach Deutschland zurück. Er verbrachte sein Leben in einem religiösen Kibbuz in Israel, wo eine Zeitlang die Nachlässe seiner Eltern Ludwig und Else Meidner eine Bleibe fanden.Vielbeachtet war 2016/17 die Ludwig-Meidner-Retrospektive „Begegnungen“ im Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Die Galerie Netuschil würdigt Meidner mit einer Ausstellung „Ludwig Meidner. Der heißeste Krater seiner Zeit“ zum 60. Todestag, die noch bis 30. Mai 2026 zu sehen ist.