80 Jahre Darmstädter Ferienkurse
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Im Jagdschloss Kranichstein, vor den Toren der zerstörten Stadt Darmstadt, fanden 1946 die ersten „Ferienkurse für internationale neue Musik“ statt. Unmittelbar nach Kriegsende hatte der Kulturreferent Wolfgang Steinecke mit der Planung begonnen – in einer Stadt, die im September 1944 weitgehend in Trümmern gelegt worden war. Die Ferienkurse waren damit weit mehr als ein musikalisches Ereignis: Sie waren Teil des geistigen und demokratischen Wiederaufbaus. Musik, die im Nationalsozialismus als „entartet“ diffamiert und verboten war, wurde in Darmstadt wieder gespielt, gelehrt und diskutiert. Junge Musikerinnen und Musiker aus Deutschland trafen erstmals wieder auf Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland, die zwölf Jahre lang unerreichbar gewesen waren. Der offene Streit über Ästhetik, das Ringen um neue Ausdrucksformen, das Nebeneinander von Konzert, Unterricht und Diskussion – all das half, Demokratie zu lernen.Aus dieser Gründungsidee entwickelte sich in den folgenden acht Jahrzehnten eine internationale Strahlkraft, die Darmstadt prominent auf der Landkarte der neuen Musik verortete. Kein anderes Ereignis der zeitgenössischen Musik, das Festival, Akademie und Diskussionsraum miteinander verschränkt, hat weltweit eine vergleichbare Bedeutung erlangt.Warum Darmstadt die Ferienkurse bis heute trägtAcht Jahrzehnte später ist Darmstadt immer noch ein Magnet für junge Menschen aus aller Welt. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt fördert und unterhält die Ferienkurse über ihr Kulturinstitut, das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD), aus Überzeugung: Auf kulturellem Gebiet internationale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, war von Beginn an eines der Hauptziele – und es ist heute nicht weniger aktuell als 1946. Die Ferienkurse stehen für eine offene, weltzugewandte Stadt, die Wissenschaft, Technologie und Kunst als zusammengehörig begreift. Sie bringen alle zwei Jahre Menschen aus rund 50 Nationen nach Darmstadt, machen die Stadt für zwei Wochen zum Treffpunkt der internationalen Musikszene und tragen ihren Namen in die Welt. Zugleich öffnen sie sich mit über 50 öffentlichen Konzerten im gesamten Stadtgebiet dem regionalen Publikum. Das Archiv des IMD bewahrt darüber hinaus ein weltweit einzigartiges Gedächtnis der Musik nach 1945 – ein kulturelles Erbe, das die Stadt bewusst pflegt.