82. Jahrestag der Zerstörung der Stadt

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Darmstadt

Die Darmstädter Stadtkirche nach der Brandnacht vom 11. September 1944. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt – Stadtarchiv Am Freitag, den 11. September jährt sich die verheerende Darmstädter Brandnacht zum 82. Mal. Bei dem alliierten Luftangriff und dem anschließenden Feuersturm im Jahr 1944 verlor die Stadt ihr historisches Gesicht; fast 12.000 Menschen kamen in jener Nacht ums Leben. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt lädt alle Bürgerinnen und Bürger zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen ein.Das Gedenken gilt den Opfern jener Nacht ebenso wie den Menschen, die die Tragödie miterlebt und überlebt haben – vielen von ihnen wurden in wenigen Stunden Angehörige, Freunde und das eigene Zuhause genommen. Das offizielle Gedenken beginnt daher am Morgen auf dem Waldfriedhof: Um 11 Uhr legt Oberbürgermeister Hanno Benz am Gräberfeld einen Kranz nieder und erinnert an die Opfer der Brandnacht, von denen viele dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.Darmstadt war nach dem 11. September 1944 nicht mehr dieselbe Stadt: Die Narben der Zerstörung sind bis heute im Stadtbild sichtbar und mahnen an das Geschehene. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder mit Ursache und Wirkung dieser Katastrophe auseinanderzusetzen – mit dem vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Krieg und seinen Folgen, die auch Darmstadt mit voller Wucht trafen.Das Gedenken weitet den Fokus dabei gezielt auf die gesamte, diverse Stadtgesellschaft. „Wir gedenken im tiefen Respekt vor jenen Darmstädterinnen und Darmstädtern, die die Katastrophe damals selbst erlebt haben“, erklärt Oberbürgermeister Hanno Benz. „Gleichzeitig ist dieser Tag ein Auftrag an alle Generationen, an Alteingesessene wie auch an junge Menschen, sich aktiv mit den Ursachen dieser menschenverachtenden NS-Politik auseinanderzusetzen. Ein besonderes Anliegen ist es uns, auch die Bürgerinnen und Bürger einzubinden, die neu nach Darmstadt gekommen sind und zum Teil eigene, traumatische Flucht- und Kriegserfahrungen aus ihren Heimatländern mitbringen. Ihr Erlebtes spiegelt die historische Tragödie unserer Stadt. Dieses gemeinsame Erinnern ist wichtig für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft.“Genau diesen Auftrag an die junge Generation greift eine Vormittagsveranstaltung für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse in der Centralstation Darmstadt auf (Saal im 3. Obergeschoss, bestuhlt): Ab 09.30 Uhr (Einlass ab 9 Uhr, Ende gegen 10.30 Uhr) werden die Filme „Brandmale“ und „Running with Mum – Der Weg meiner Mutter“ gezeigt. Im Anschluss ist ein Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geplant, das den jungen Menschen eine unmittelbare Begegnung mit der Geschichte ihrer Stadt ermöglicht. Der Eintritt ist frei.Sichtbarer Ausdruck des Zusammenhalts ist der Ökumenische Friedensgottesdienst, zu dem die Kirchen aus Anlass des 82. Jahrestags der Zerstörung der Stadt am Freitag, den 11. September, um 18.30 Uhr in die Ev. Stadtkirche Darmstadt einladen: Über Konfessionen und Generationen hinweg kommt die Stadtgesellschaft hier zusammen. Eine Ansprache hält Oberbürgermeister Hanno Benz, die Predigt hält Pfarrer Matthias Becker (St. Ludwig). Ferner wirken Dekan Dr. Raimund Wirth, Schülerinnen der Edith-Stein-Schule, das Vocalensemble Darmstadt unter der Leitung von Jorin Sandau sowie Christian Roß an der Orgel an der feierlichen Gestaltung mit.Im Anschluss an den Gottesdienst führt ein Schweigegang von der Stadtkirche zum Mahnmal auf dem Kapellplatz – jenem Ort, der wie kein anderer für die Zerstörung der Stadt steht. Dort klingt der Gedenktag um 20 Uhr mit einem stillen Gedenken und einer Mahnwache aus. Den Abschluss des Gedenktages bildet um 23.55 Uhr das Läuten der Kirchenglocken, das an die Ereignisse der Brandnacht erinnert. Um 23.55 Uhr begann am 11. September 1944 der Luftangriff auf Darmstadt.Zeitgleich mit dem ökumenischen Friedensgottesdienst, ebenfalls um 18.30 Uhr, beginnt am Stadion am Böllenfalltor ein Zweitliga-Pflichtspiel des SV Darmstadt 98. Die Stadt ist sich bewusst, dass diese Terminüberschneidung am Gedenktag bei manchen Bürgerinnen und Bürgern auf Unverständnis stoßen kann, sie teilt diese Bedenken – und hat sich deshalb frühzeitig dagegen eingesetzt: Oberbürgermeister Hanno Benz hatte sich in einem offiziellen Schreiben an die Deutsche Fußball Liga (DFL) gewandt und eindringlich um eine Verlegung des Spiels gebeten, um der Würde des Gedenktages vollumfänglich gerecht zu werden.Obwohl eine Verlegung laut DFL aus terminlichen Gründen nicht mehr möglich war, führte der Vorstoß der Stadt zu einem wichtigen Konsens für die Zukunft: Die DFL versicherte dem Oberbürgermeister schriftlich, bei zukünftigen Spieltagsplanungen Rücksicht auf den 11. September in Darmstadt zu nehmen und an diesem Datum keine Spiele der Lilien am Böllenfalltor mehr anzusetzen. Damit das Gedenken auch die Menschen erreicht, die an diesem Abend im Stadion sind, wird der SV Darmstadt 98 unmittelbar vor Spielbeginn eine offizielle Schweigeminute organisieren – so wird zur selben Stunde in der Stadtkirche wie am Böllenfalltor der Opfer der Brandnacht gedacht.„Die Zerstörung Darmstadts war die direkte Konsequenz des vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Vernichtungskrieges“, so Oberbürgermeister Benz weiter. „Gerade im Angesicht von zunehmendem Nationalismus und Extremismus ist es wichtig, sich dieser Folgen bewusst zu sein – die Brandnacht mahnt uns, wohin Hass, Ausgrenzung und menschenverachtende Ideologien führen. Der 11. September ist für Darmstadt deshalb mehr als ein Datum: Vom Gedenken am Morgen auf dem Waldfriedhof über den gemeinsamen Gottesdienst bis zur Mahnwache am Mahnmal ist er ein Tag, an dem unsere ganze Stadt innehält, erinnert und zusammensteht. Dieses gemeinsame Gedenken bleibt wichtig für den Zusammenhalt unserer heutigen Stadtgesellschaft.“Programmübersicht der Gedenkveranstaltungen am Freitag, 11. September:9.30 Uhr (Centralstation Darmstadt, Saal, 3. OG): Vormittagsveranstaltung für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse (Einlass ab 9 Uhr, Ende ca. 10.30 Uhr) – Filme „Brandmale“ und „Running with Mum – Der Weg meiner Mutter“, im Anschluss Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Der Eintritt ist frei.11 Uhr: Kranzniederlegung durch Oberbürgermeister Hanno Benz am Gräberfeld auf dem Waldfriedhof.18.30 Uhr: Ökumenischer Friedensgottesdienst in der Ev. Stadtkirche Darmstadt (Ansprache: OB Hanno Benz; Predigt: Pfarrer Matthias Becker; Mitwirkung: Dekan Dr. Raimund Wirth, Schülerinnen und Schüler der Edith-Stein-Schule, Vocalensemble Darmstadt unter Jorin Sandau, Christian Roß an der Orgel).18.30 Uhr (Stadion am Böllenfalltor): Offizielle Schweigeminute des SV Darmstadt 98 unmittelbar vor Spielbeginn, im Gedenken an die Opfer der Brandnacht.Im Anschluss an den Gottesdienst: Schweigemarsch von der Ev. Stadtkirche zum Mahnmal auf dem Kapellplatz.20 Uhr: Stilles Gedenken und Mahnwache am Mahnmal auf dem Kapellplatz.20 Uhr (Centralstation Darmstadt, Saal, 3. OG): Öffentlicher Filmabend mit der langen Version von „Brandmale“ und im Anschluss „Running with Mum – Der Weg meiner Mutter“, im Gedenken an die Opfer der Bombennacht vom 11. September 1944. Der Eintritt ist frei.23.55 Uhr: Läuten der Kirchenglocken zur Erinnerung an die Ereignisse der Brandnacht.