Die Aufarbeitung einer Epoche: Der Frankfurter Zoo und die „Völkerschauen“

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. In der Zeit von 1878 bis 1931 fanden im Zoo Frankfurt die sogenannten „Völkerschauen“ statt. Gemeinsam mit dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft lässt der Zoo dieses unrühmliche Kapitel nun wissenschaftlich aufarbeiten. Mit der Untersuchung wurden die Historikerin Franziska Jahn und der Historiker Clemens Maier-Wolthausen beauftragt, die bereits das koloniale Erbe des Zoo Hannover erforscht haben.

Der Zoo Frankfurt wurde 1858 von Bürgern der Stadt gegründet. Er ist damit – nach Berlin – der zweitälteste Zoo Deutschlands. Ein bekanntes, aber bislang nicht kritisch eingeordnetes Thema seiner langen Geschichte, sind die sogenannten „Völkerschauen“: Zurschaustellungen von Menschen aus anderen Regionen und Kulturen, die Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1930er Jahre dort gastierten.

Eine solche Einordnung war seit langem der Wunsch des Zoos sowie des zuständigen Dezernats für Kultur und Wissenschaft, die den Aufarbeitungsprozess gemeinsam vorantrieben. Im Sommer 2023 beschloss die Stadtverordnetenversammlung ein Budget dafür bereitzustellen. Daraufhin konnte der Zoo damit beginnen, nach Expertinnen und Experten für die wissenschaftliche Aufarbeitung der „Völkerschauen“ zu suchen. Die Wahl fiel auf Jahn und Maier-Wolthausen aus Berlin. Im Dezember 2025 schlossen die beiden ihre Vorstudie ab.

„Ich bin froh, dass wir nach gründlicher Suche gleich zwei renommierte Expertisen für die Aufarbeitung der Geschichte der sogenannten ‚Völkerschauen‘ im Zoo Frankfurt gewinnen konnten. Die rassistischen und exotisierenden Stereotypen, die mit solchen Unterhaltungsformaten geradezu kultiviert wurden, wirken bis heute fort und als Teil der Kolonialgeschichte nach. Solche Phänomene müssen wir uns unbedingt und in verschiedenen Zusammenhängen bewusst machen. Daher fördern und unterstützen wir gezielt Projekte und Prozesse stadtweit, die sich mit dem Thema Erinnerungskultur befassen“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

Die Vorstudie umfasste die Sichtung der Forschungsliteratur sowie der Quellenlage zu den insgesamt 36 Schauen, die im Zoo nach aktuellem Forschungsstand stattfanden. Sie blickt aber auch über den Zoo hinaus, denn auch an anderen Orten in Frankfurt gastierten die seinerzeit populären und weit verbreiteten Schauen, etwa im Café an der Neuen Börse, im Palmengarten und am Ausstellungsplatz an der Forsthausstraße. Unter dem Deckmantel von Bildung und Wissenschaft wurden Menschen – oft begleitet von Tieren – einem zahlenden Publikum vorgeführt. Der Frankfurter Zoo richtete die Schauen zwar nicht selbst aus, nahm aber die Angebote der entsprechenden Impresarios an.

Für den Zoo ist die Vorstudie erst der Beginn der Aufarbeitung. „Ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Geschichte ist auch mit Blick auf die Weiterentwicklung und Gestaltung des Zoos im Rahmen unseres Masterplans bedeutsam. Wir sind sehr froh, dass wir nun auf diesen fundierten Erkenntnissen aufbauen und in einem weiteren Schritt die Hauptstudie angehen können. Am Ende dieser Hauptstudie möchten wir die Ergebnisse so aufbereiten, dass sie unseren Besucherinnen und Besuchern und allen Interessierten zugänglich sind“, sagt Sabrina Linn, stellvertretende Zoodirektorin.

Foto Ein historisches Plakat, Copyright: Archiv Zoo Frankfurt 

Die Nutzung des angefügten Fotos im Rahmen der Veröffentlichung zur Aufarbeitung der Vöklerschauen ist hiermit kostenfrei gestattet. Jede weitere Verwendung muss im Vorfeld vom Zoo Frankfurt genehmigt werden. Eine Weitergabe des Fotos an Dritte ist nicht erlaubt. Der Name des Bildautoren ist in angemessener Weise zu nennen.

Kontakt für die Medien Christine Kurrle, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Zoo Frankfurt, Telefon 069/212-32683 , E-Mail christine.kurrle@stadt-frankfurt.de