Ein Leben für den Römer

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Brigitte Palmowsky, Leiterin des Büros der Stadtverordnetenversammlung, geht nach 46 Jahren im Dienst der Stadt Frankfurt in den Ruhestand

ffm. Mit fünf Jahren steht sie im Frankfurter Rathaus, an der Hand ihrer Mutter, und weiß plötzlich ganz genau, wohin ihr beruflicher Weg sie später einmal führen soll. Genau dorthin. In den Römer. Dort will sie arbeiten, wenn sie groß ist. Heute ist Brigitte Palmowsky 65 Jahre alt, leitet das Büro der Stadtverordnetenversammlung und geht nach 46 Jahren im Dienst der Stadt Frankfurt Ende März in den Ruhestand.

„Der Römer, der war für mich Liebe auf den ersten Blick“, sagt Brigitte Palmowsky. Die langen Gänge, die hohen Regale gefüllt mit Aktenordnern, die Füller und Stempelrädchen – all das habe es ihr schon von klein auf angetan. „Nach dem Besuch im Rathaus mit meiner Mutter bat ich sie, mich umgehend dort anzumelden, so wie ich es vom Kindergarten kannte, damit auch sicher ein Platz frei ist, wenn ich so weit bin“, erzählt Palmowsky weiter. Mit ihrem Frankfurterisch kann sie nicht leugnen, in welcher Stadt sie geboren ist. „Ich bin stolz darauf, Frankfurterin zu sein“, sagt sie. Aufgewachsen ist sie in der Altstadt, unweit des Römers, in einem Haus mit Blick auf die Kämmerei. [Bild: Brigitte Palmowsky, Leiterin des Büros der Stadtverordnetenversammlung, weiß bereits mit fünf Jahren, dass sie im Rathaus Römer arbeiten will, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler ] „Bis heute nie bereut“

Tatsächlich fing Palmowsky dann nach dem Abitur an der Ziehenschule im Oktober 1980 bei der Stadt Frankfurt an („Ununterbrochen und in Vollzeit.“) und machte ein Duales Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin – eine Chance, die nur 40 der damals 2000 Bewerberinnen und Bewerber bekamen. „Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut“, sagt die leitende Magistratsdirektorin. Die Stadt biete als Arbeitergeberin jede Menge Möglichkeiten. Niemand müsse jahrzehntelang an ein und demselben Arbeitsplatz bleiben. Jeder könne sich immer wieder weiter entwickeln und in unterschiedlichen Bereichen tätig sein. „Für mich war dies genau das Richtige. Bürotäterin zu sein, ist meins.“

Palmowsky selbst hat in all den Jahren viele unterschiedliche Ämter und Dezernate kennengelernt. Mal war sie als Personalsachbearbeiterin tätig. Mal hat sie in Dezernatsbüros dafür gesorgt, dass Beschlussvorlagen ihren Weg gehen. Mal war sie in der Stadtkämmerei für die Haushaltsplanung zuständig („Der Haushaltsplan ist neben dem Handbuch der Stadtverordnetenversammlung eins der schönsten Bücher der Welt.“). Und mal hat sie die Büros von Dezernenten geleitet. Bis sie dann vor 18 Jahren die Leitung des Büros der Stadtverordnetenversammlung übernommen hat – als erste Frau in dieser Position. „Da musste ich mir den Respekt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter natürlich erst erarbeiten“, sagt sie und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Ich glaube, das ist mir gelungen.“ Ohne Zweifel. Brigitte Palmowsky wird sehr geschätzt im Römer. Ihre Expertise. Ihr Fachwissen. Ihr Faible für Zahlen, für den städtischen Haushalt und nicht zuletzt für politische und parlamentarische Abläufe. Ihre Gewissenhaftigkeit. Ihre Loyalität und politische Neutralität. Ihr Pragmatismus. Jede und jeder weiß: Auf diese Frau ist Verlass. Palmowsky selbst jedoch sagt: „Jede Amtsleiterin und jeder Amtsleiter ist nur so gut wie sein Team. Und mein Team ist großartig.“

Zuständig für den reibungslosen Ablauf des parlamentarischen Betriebs

Gemeinsam mit ihrem 40-köpfigen Team sorgt Palmowsky dafür, dass der parlamentarische Betrieb im Rathaus reibungslos und rechtssicher funktioniert. Denn das Büro der Stadtverordnetenversammlung ist die zentrale Geschäftsstelle für das Stadtparlament und die 16 Ortsbeiräte. Die Mitarbeiterinnen bereiten die Sitzungen der Gremien vor und nach, erstellen Tagesordnungen und Sitzungsprotokolle, bearbeiten Anträge, dokumentieren das politische Geschehen im Parlamentsinformationssystem (Parlis) und betreuen die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger – immerhin 93 Stadtverordnete und 284 Ortsbeiratsmitglieder sowie derzeit zehn Fraktionen und vier Fraktionslose. Zudem ist Palmowsky qua Amt Geschäftsführerin der Heinrich-Kraft-Stiftung und des Fördervereins, die sich seit 55 Jahren für Kinder und Jugendliche in Frankfurter Heimen und Pflegefamilien engagieren.

Nach Feierabend um 17 Uhr klingt das nicht. Da blieb in der Vergangenheit kaum Zeit für Familie und Freunde. „Bisher war mein Beruf mein Hobby“, sagt sie. Deshalb hätte sie eigentlich arbeiten wollen, bis sie 70 Jahre alt ist. Aber es sei doch an der Zeit, sich um die Familie und um sich selbst zu kümmern. „Die Wahlperiode endet am 31. März. Das ist ein guter Zeitpunkt, um den aktiven Dienst zu beenden.“ In Zukunft wolle sie reisen und Freundschaften pflegen. „Ich habe mir sagen lassen, da gibt es auch noch ein Leben außerhalb des Büros. Dem will ich jetzt nachgehen.“

Doch bis dahin wird Brigitte Palmowsky ihre letzten, durchaus arbeitsintensiven Tage in ihrem Römer noch genießen. Wenn die 65-Jährige Ruhe sucht, geht sie übrigens gerne in den leeren Plenarsaal, also jenen holzgetäfelten Raum, in dem die Stadtverordnetenversammlung einmal im Monat tagt, und atmet tief ein. „Der Plenarsaal hat einen ganz besonderen Geruch – nach Würde und Historie.“ Ein Duft, den sie nie vergessen wird und in ihrem Herzen mit in den Ruhestand nimmt – ebenso wie ihre Liebe zum Römer.

Fotos

Brigitte Palmowsky, Leiterin des Büros der Stadtverordnetenversammlung, weiß bereits mit fünf Jahren, dass sie im Rathaus Römer arbeiten will, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler 

Nach 46 Jahren im Dienst der Stadt Frankfurt geht Brigitte Palmowsky in den Ruhestand, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler