Ein Platz für Václav Havel

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Installation zu Ehren Václav Havels wird im Metzlerpark eröffnet

ffm. Im Metzlerpark am Frankfurter Museumsufer neben dem Museum Angewandte Kunst ist am Montag, 5. Oktober, ein „Havel’s Place“ zu Ehren des Schriftstellers, Bürgerrechtlers und ehemaligen Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Václav Havel eröffnet worden. Mit der Installation erhält Frankfurt einen dauerhaften Ort, der an Havel und die Bedeutung von Dialog und demokratischem Austausch sowie an seine besondere Verbindung zu Frankfurt erinnert.

Das Kunstwerk „Havel’s Place“ gibt es weltweit bereits an rund 60 Orten. Es besteht aus zwei aus Holz und Stahl gefertigten Sesseln, die sich an einem Tisch rund um einen Baum gegenüberstehen. Die Gestaltung lädt dazu ein, Platz zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Genehmigt und ermöglicht wurde die Installation von Dagmar Havel, der Witwe Václav Havels und Leiterin der Stiftung „Nadace Dagmar a Václava Havlových VIZE 97“. Die Stiftung fördert das Andenken an Havel und setzt sich dafür ein, dass sein Lebenswerk und seine Philosophie fortgeführt werden.

Oberbürgermeister Mike Josef eröffnete den „Havel’s Place“ gemeinsam mit Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Tomáš Kubíček, Direktor von CZECHIA 2026, sowie Martin Krafl, Programmdirektor von CZECHIA 2026 und ehemaliger Mitarbeiter Havels.

„Václav Havel wäre heute 90 Jahre alt geworden“, sagte Oberbürgermeister Josef. „Wir würdigen heute sein Andenken, indem wir einen ‚Havel’s Place‘ in Frankfurt einweihen, der seine Philosophie des Dialogs, der offenen Debatte fördert.“ Eine Biographie wie die von Havel zeige einerseits, was es bedeute, sich in einem autoritären Regime für Werte wie Menschenrechte und Demokratie einzusetzen, andererseits zeige sie auch, welche Gestaltungskraft die Demokratie habe. „Ein Lebenslauf wie der von Václav Havel, vom Dissidenten zum Präsidenten, war und ist nur in einer demokratischen Gesellschaft möglich“, sagte der Oberbürgermeister.

Kulturdezernentin Hartwig ergänzte: „Wir eröffnen heute diesen kleinen und intimen Ort der Begegnung und des Austauschs – eine Möglichkeit der Begegnung, der Zweisamkeit und der Rast mitten im Grün zwischen dem Museum Angewandte Kunst und dem Weltkulturen Museum und abseits vom Trubel der Buchmesse. Und erinnern damit gleichzeitig an eine wichtige Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Václav Havel war nicht nur Staatspräsident und Dissident, sondern auch – das tritt inzwischen manchmal in den Hintergrund – ein Mann des Wortes und der Literatur; ein ausgezeichneter Dramatiker und Theaterautor. Und damit ein wichtiger Vertreter der reichen, vielfältigen tschechischen Literatur. Ich freue mich sehr über diesen neuen Ort hier am Frankfurter Museumsufer, der den Gastlandauftritt von Václav Havels Heimatland Tschechien bei der Frankfurter Buchmesse sehr gelungen einläutet.“

Ausgehend von Prag, Frankfurts Partnerstadt und Václav Havels Geburtsort, sind inzwischen weltweit rund 60 Installationen als „Havel’s Place“ entstanden, darunter auch in weiteren Frankfurter Partnerstädten Tel Aviv-Yafo, Philadelphia und Mailand. Mit dem Standort im Metzlerpark hat das Kunstwerk nun auch einen dauerhaften Platz in Frankfurt.

„Václav Havel war ein überzeugter Europäer, der sich nach 1989 mit großem Mut für die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen eingesetzt hat. In einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war. In diesen Jahren des Aufbruchs haben auch Frankfurt und Prag ihre Städtepartnerschaft begründet. Seit 1990 ist daraus eine enge Freundschaft gewachsen, die unter anderem Kultur und Wirtschaft umfasst, vor allem aber die Menschen beider Städte verbindet. ‚Havel’s Place' ist ein schönes Zeichen dieser Verbundenheit“, sagte Eileen O’Sullivan, Dezernentin für Bürger:innen, Digitales und Internationales.

Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Václav Havel wurde 1989 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zur Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche konnte er damals nicht persönlich erscheinen. Sein demonstrativ leer gebliebener Stuhl wurde zum sichtbaren Zeichen seiner Abwesenheit. Die neue Installation greift damit auch ein Motiv auf, das eng mit Havels Geschichte in Frankfurt verbunden ist: den Stuhl als sichtbares Zeichen von Anwesenheit und Abwesenheit, Begegnung und Dialog. Während der Stuhl in der Paulskirche 1989 leer blieb, lädt ‚Havel’s Place‘ heute dazu ein, Platz zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“

„Mit ,Havel’s Place‘ schaffen wir nicht nur einen Ort des Gedenkens an Václav Havel mitten in Frankfurt, sondern auch einen Ort, an dem Menschen verweilen und ins Gespräch kommen können“, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Die Installation macht in gewisser Weise den Kern der Buchmesse im Zusammenhang mit dem diesjährigen Ehrengast, Tschechien, am Frankfurter Museumsufer sichtbar: Sie verweist auf die tschechische Literatur, fördert die menschliche Begegnung und steht für den demokratischen Austausch.“

Martin Krafl, Programmdirektor des Gastlandauftritts CZECHIA 2026 und ehemaliger Mitarbeiter von Havel, ergänzte: „Václav Havel war in erster Linie ein Wahrheitssucher. Er brachte die ethische Dimension und die Fähigkeit zum einfühlsamen Zuhören in die Politik. Für ihn war es wichtig, Krisen und Herausforderungen klar zu benennen. Gerade dieses politische Erbe fehlt heute bei vielen Politiker:innen. Am 5. Oktober hätte er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Er würde sich sicher freuen, auf der Bank zu sitzen und mit vielen Autor:innen aus der Delegation CZECHIA 2026 über den Ehrengastauftritt zu sprechen.“

Das Kunstwerk „Havel’s Place“ wurde rund um eine Kastanie im Metzlerpark am Frankfurter Museumsufer installiert. Der Metzlerpark hat eine lange Geschichte und verbindet heute das Museum Angewandte Kunst mit dem Weltkulturen Museum, dient aber auch als „Durchgangsraum“ für die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils Sachsenhausen hin zum Mainufer und wird täglich intensiv von Besucherinnen und Besuchern genutzt. Die Gedenkstätte passt sich harmonisch in diese bestehende Park- und Kulturlandschaft ein.

Das Kunstwerk „Havel’s Place“ ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Frankfurt am Main, der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Auf Seiten der Stadt wird das Projekt vom Kulturamt und dem Referat für Internationale Angelegenheiten getragen.

Über das Kunstprojekt „Havel’s Place“ Das Konzept des „Havel’s Place“ besteht aus zwei Sesseln und einem runden Tisch unter einem Baum, meist einer Linde, dem tschechische Nationalbaum. Das Arrangement steht symbolisch für die Würdigung und das Andenken an Václav Havel. Entworfen wurde die Václav-Havel-Bank von dem Architekten und Designer Bořek Šípek, einem langjährigen Freund Havels. Das Projekt wurde von Šípek gemeinsam mit Petr Gandalovič, tschechischer Botschafter in den USA, initiiert. Der erste „Havel’s Place“ wurde deshalb 2013 auch in Washington D.C. eröffnet und seitdem Anfang von der Stiftung „Nadace Dagmar a Václava Havlových VIZE 97“ begleitet. Inzwischen gibt es sie in über sechzig Orten auf der ganzen Welt. Sie laden dazu ein, Platz zu nehmen und innezuhalten, neue Kontakte zu knüpfen, in den Dialog zu treten und den Ideen anderer zuzuhören. Sie symbolisieren die Offenheit der Demokratie und sollen einen Ort der Begegnung schaffen, der an Präsident Václav Havel und seine demokratischen Überzeugungen erinnert. Die Linde ist der Nationalbaum der Tschechischen Republik. Sie besitzt herzförmige Blätter, was zugleich einen Bezug zu Havels eigener Signatur herstellt. Er unterschrieb stets mit grüner Tinte und fügte ein rotes Herz hinzu.

Über den Metzlerpark Der Park genoss schon früh einen besonderen Ruf aufgrund seiner seltenen Bäume und Pflanzen. Sein Ursprung geht auf die Aktivitäten des Apothekers Peter Salzwedel zurück, der im Jahr 1800 das Grundstück erwarb und auf dem etwa 10.000 Quadratmeter großen Areal Ginkgos, kanadische Eichen, einen Tulpen- sowie Riesenmammutbaum, Rotbuchen und Kastanien pflanzte. Auch Johann Wolfgang Goethe, so heißt es, kannte und schätze den Garten und widmete der Frankfurter Bürgerin und Geliebten Marianne von Willemer 1815 das Baumgedicht „Ginkgo biloba“ – mit einem Blatt vom Salzwedel-Ginkgo.

1851 erwarb Georg Friedrich Metzler, ein Mitglied der Bankiersfamilie Metzler, das Anwesen und die darauf stehende Villa. Er ließ 1855 im Park das sogenannte Schweizerhaus, ein Gartenhaus, errichten, in dem Konzerte und Schauspiele stattfanden. 1961 wurde die Liegenschaft an die Stadt Frankfurt am Main verkauft. Die Bäume von damals sind inzwischen sehr alt und noch immer zu bewundern – aus den Wurzeln des einstigen Ginkgos sind neue Bäume erwachsen, weitere wurden 1971 im Zuge der Rekonstruktion des Parks wieder angepflanzt. Als Zeichen der Dankbarkeit für den steten Einsatz der Familie Metzler für das kulturelle Leben und insbesondere für die Museen der Stadt Frankfurt am Main wurde die Grünfläche 2013 in Metzlerpark umbenannt. Heute ist der Park, der das Museum Angewandte Kunst und das Weltkulturen Museum verbindet, Teil des Frankfurter Museumsufers. Fotos

Einweihung des „Havel’s Place“, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Sie waren bei der Einweihung des „Havel’s Place“ (v.l.): Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Oberbürgermeister Mike Josef, Martin Krafl, Programmdirektor CZECHIA 2026, Tomáš Kubíček, Direktor CZECHIA 2026, und Jürgen Boos, Geschäftsführer der Buchmesse, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Bei der Einweihung im Metzlerpark (vorne v.l): Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, und Oberbürgermeister Mike Josef, (zweite Reihe v.l.): Tomáš Kubíček, Direktor CZECHIA 2026, Jürgen Boos, Geschäftsführer der Buchmesse, und Martin Krafl, Programmdirektor CZECHIA 2026, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Im Gespräch (v.l.): Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Tomáš Kubíček, Direktor CZECHIA 2026, Jürgen Boos, Geschäftsführer der Buchmesse, Oberbürgermeister Mike Josef und Martin Krafl, Programmdirektor CZECHIA 2026, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Weitere Bilder zur Eröffnung sind unter „Havel’s Place“  zu finden.