Eine Frankfurter Stimme für Dialog und Demokratie
Saba-Nur Cheema erhält die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main
ffm. Schon als Schülerin setzte sich Saba-Nur Cheema mit der Geschichte Anne Franks auseinander und führte andere junge Menschen durch die Bildungsstätte Anne Frank. Viele Jahre später forscht, schreibt und diskutiert sie über Fragen, die unsere Gesellschaft bewegen: über Antisemitismus und Rassismus, über Zugehörigkeit und darüber, wie Menschen trotz unterschiedlicher Sichtweisen miteinander im Gespräch bleiben können. Für ihre Arbeit hat die Stadt Frankfurt am Main Saba-Nur Cheema am Dienstag, 29. September, mit der Ehrenplakette ausgezeichnet. Oberbürgermeister Mike Josef überreichte ihr die Auszeichnung bei einer Feierstunde im Kaisersaal des Römers.
„Saba-Nur Cheemas Arbeit zeigt, dass politische Bildung mehr ist als die Vermittlung von Fakten“, sagte Josef. „Sie schafft die Grundlage dafür, dass Menschen sich eine Meinung bilden, einander zuhören und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können.“ Gerade beim Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus sei dies entscheidend. „Beide Probleme verlangen unsere Aufmerksamkeit. Sie haben unterschiedliche Geschichten und Erscheinungsformen. Wir müssen sie jeweils erkennen, benennen und ihnen wirksam entgegentreten.“
Cheema wurde 1987 in Frankfurt geboren. Ihre Eltern kamen als Geflüchtete aus Pakistan nach Deutschland. Sie studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität Frankfurt. Fast zwei Jahrzehnte war sie mit der Bildungsstätte Anne Frank verbunden. Dort begann sie als junge Teamerin, arbeitete später als Bildungsreferentin und leitete von 2015 bis 2021 die pädagogischen Programme und Projekte. In dieser Zeit entwickelte sie zahlreiche Angebote der politischen Bildung.
Von 2020 bis 2023 gehörte Cheema dem Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit der Bundesregierung an. Heute forscht sie zu Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und politischer Bildung. Zudem arbeitet sie im Präsidium des Goethe-Instituts mit und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat des Fritz Bauer Instituts an.
Josef betonte, dass Cheema wissenschaftliche Genauigkeit mit der Fähigkeit verbinde, Menschen auch außerhalb der Wissenschaft zu erreichen. „Saba-Nur Cheema kann ein schwieriges Thema erklären, ohne es zu vereinfachen. Und sie kann eine klare Position vertreten, ohne das Gespräch abzubrechen.“ Dies gelte auch für ihre Arbeit als Publizistin. In Texten und öffentlichen Gesprächen setze sie sich mit Fragen auseinander, bei denen viele lieber ausweichen würden. „Sie fragt nach, widerspricht und hält aus, dass andere eine andere Sicht auf die Dinge haben“, sagte der Oberbürgermeister.
Für Josef braucht eine offene Gesellschaft genau diese Haltung. Cheema mache deutlich, dass eine klare Position und ein offenes Gespräch zusammengehören. „Antisemitismus und Rassismus müssen wir entschieden entgegentreten“, sagte der Oberbürgermeister. „Zugleich brauchen wir die Fähigkeit, über schwierige Fragen zu sprechen, Menschen zu erreichen und Veränderungen möglich zu machen. Eine demokratische Stadt braucht Menschen, die widersprechen können und trotzdem im Gespräch bleiben. Saba-Nur Cheema ist einer dieser Menschen.“
Für ihre Arbeit erhielt Cheema bereits mehrere Auszeichnungen. 2024 verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihr und ihrem Ehemann Meron Mendel das Bundesverdienstkreuz am Bande. Damit würdigte er ihren Einsatz gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit sowie für ein demokratisches und friedliches Miteinander.
2025 erhielten Cheema und Mendel zudem die Buber-Rosenzweig-Medaille. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zeichnete beide für ihren Einsatz für Verständigung und gegen Antisemitismus und Rassismus aus.
Cheema bringt sich auch als Autorin in gesellschaftliche Debatten ein. Gemeinsam mit Mendel schreibt sie seit 2021 die monatliche Kolumne „Muslimisch-Jüdisches Abendbrot“ für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ihr aktuelles gemeinsames Buch trägt den Titel „Die Empörungsfalle – Wie wir wieder streiten lernen“. Darin beschäftigen sich beide damit, wie gesellschaftlicher Streit gelingen kann, auch wenn unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen.
Die Laudatio hielt Sandra Kegel, Ressortleiterin des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie würdigte Cheema auch als Autorin: „Ihre Texte sind empathisch, komisch auch und von sprachlicher Virtuosität, wenn sie den komplizierten, sich widersprechenden und mitunter unergründlichen politischen Weltläufen schreibend Stück für Stück nachgeht.“
Saba-Nur Cheema selbst sagte: „Als gebürtige Frankfurterin bedeutet mir diese Auszeichnung besonders viel. Frankfurt ist nicht nur meine Heimatstadt, sondern auch der Ort, an dem meine Familie lebt, meine Kinder aufwachsen und an dem ich mich seit vielen Jahren für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander engagiere.“
Die Stadt Frankfurt verleiht die Ehrenplakette an Persönlichkeiten, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet besondere Verdienste erworben und mit ihrem Wirken zum Ansehen der Stadt beigetragen haben.
Fotos
Saba-Nur Cheema wurde von Oberbürgermeister Mike Josef mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Sandra Kegel, Ressortleiterin des Feuilletons bei der FAZ, hielt die Laudatio, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Saba-Nur Cheema mit Ehemann Meron Mendel bei der Feierstunde zur Verleihung der Ehrenplakette an Cheema, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Saba-Nur Cheema wurde mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
ffm. Schon als Schülerin setzte sich Saba-Nur Cheema mit der Geschichte Anne Franks auseinander und führte andere junge Menschen durch die Bildungsstätte Anne Frank. Viele Jahre später forscht, schreibt und diskutiert sie über Fragen, die unsere Gesellschaft bewegen: über Antisemitismus und Rassismus, über Zugehörigkeit und darüber, wie Menschen trotz unterschiedlicher Sichtweisen miteinander im Gespräch bleiben können. Für ihre Arbeit hat die Stadt Frankfurt am Main Saba-Nur Cheema am Dienstag, 29. September, mit der Ehrenplakette ausgezeichnet. Oberbürgermeister Mike Josef überreichte ihr die Auszeichnung bei einer Feierstunde im Kaisersaal des Römers.
„Saba-Nur Cheemas Arbeit zeigt, dass politische Bildung mehr ist als die Vermittlung von Fakten“, sagte Josef. „Sie schafft die Grundlage dafür, dass Menschen sich eine Meinung bilden, einander zuhören und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können.“ Gerade beim Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus sei dies entscheidend. „Beide Probleme verlangen unsere Aufmerksamkeit. Sie haben unterschiedliche Geschichten und Erscheinungsformen. Wir müssen sie jeweils erkennen, benennen und ihnen wirksam entgegentreten.“
Cheema wurde 1987 in Frankfurt geboren. Ihre Eltern kamen als Geflüchtete aus Pakistan nach Deutschland. Sie studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität Frankfurt. Fast zwei Jahrzehnte war sie mit der Bildungsstätte Anne Frank verbunden. Dort begann sie als junge Teamerin, arbeitete später als Bildungsreferentin und leitete von 2015 bis 2021 die pädagogischen Programme und Projekte. In dieser Zeit entwickelte sie zahlreiche Angebote der politischen Bildung.
Von 2020 bis 2023 gehörte Cheema dem Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit der Bundesregierung an. Heute forscht sie zu Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und politischer Bildung. Zudem arbeitet sie im Präsidium des Goethe-Instituts mit und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat des Fritz Bauer Instituts an.
Josef betonte, dass Cheema wissenschaftliche Genauigkeit mit der Fähigkeit verbinde, Menschen auch außerhalb der Wissenschaft zu erreichen. „Saba-Nur Cheema kann ein schwieriges Thema erklären, ohne es zu vereinfachen. Und sie kann eine klare Position vertreten, ohne das Gespräch abzubrechen.“ Dies gelte auch für ihre Arbeit als Publizistin. In Texten und öffentlichen Gesprächen setze sie sich mit Fragen auseinander, bei denen viele lieber ausweichen würden. „Sie fragt nach, widerspricht und hält aus, dass andere eine andere Sicht auf die Dinge haben“, sagte der Oberbürgermeister.
Für Josef braucht eine offene Gesellschaft genau diese Haltung. Cheema mache deutlich, dass eine klare Position und ein offenes Gespräch zusammengehören. „Antisemitismus und Rassismus müssen wir entschieden entgegentreten“, sagte der Oberbürgermeister. „Zugleich brauchen wir die Fähigkeit, über schwierige Fragen zu sprechen, Menschen zu erreichen und Veränderungen möglich zu machen. Eine demokratische Stadt braucht Menschen, die widersprechen können und trotzdem im Gespräch bleiben. Saba-Nur Cheema ist einer dieser Menschen.“
Für ihre Arbeit erhielt Cheema bereits mehrere Auszeichnungen. 2024 verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihr und ihrem Ehemann Meron Mendel das Bundesverdienstkreuz am Bande. Damit würdigte er ihren Einsatz gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit sowie für ein demokratisches und friedliches Miteinander.
2025 erhielten Cheema und Mendel zudem die Buber-Rosenzweig-Medaille. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zeichnete beide für ihren Einsatz für Verständigung und gegen Antisemitismus und Rassismus aus.
Cheema bringt sich auch als Autorin in gesellschaftliche Debatten ein. Gemeinsam mit Mendel schreibt sie seit 2021 die monatliche Kolumne „Muslimisch-Jüdisches Abendbrot“ für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ihr aktuelles gemeinsames Buch trägt den Titel „Die Empörungsfalle – Wie wir wieder streiten lernen“. Darin beschäftigen sich beide damit, wie gesellschaftlicher Streit gelingen kann, auch wenn unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen.
Die Laudatio hielt Sandra Kegel, Ressortleiterin des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie würdigte Cheema auch als Autorin: „Ihre Texte sind empathisch, komisch auch und von sprachlicher Virtuosität, wenn sie den komplizierten, sich widersprechenden und mitunter unergründlichen politischen Weltläufen schreibend Stück für Stück nachgeht.“
Saba-Nur Cheema selbst sagte: „Als gebürtige Frankfurterin bedeutet mir diese Auszeichnung besonders viel. Frankfurt ist nicht nur meine Heimatstadt, sondern auch der Ort, an dem meine Familie lebt, meine Kinder aufwachsen und an dem ich mich seit vielen Jahren für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander engagiere.“
Die Stadt Frankfurt verleiht die Ehrenplakette an Persönlichkeiten, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet besondere Verdienste erworben und mit ihrem Wirken zum Ansehen der Stadt beigetragen haben.
Fotos
Saba-Nur Cheema wurde von Oberbürgermeister Mike Josef mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Sandra Kegel, Ressortleiterin des Feuilletons bei der FAZ, hielt die Laudatio, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Saba-Nur Cheema mit Ehemann Meron Mendel bei der Feierstunde zur Verleihung der Ehrenplakette an Cheema, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Saba-Nur Cheema wurde mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler
Die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Salome Roessler