Elisabeth Abendroth erhält die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Manche Menschen prägen eine Stadt nicht durch große Gesten, sondern durch beharrliches, verlässliches Wirken. Zu ihnen gehört Elisabeth Abendroth. Am Freitag, 16. Januar, hat die Sozialwissenschaftlerin und Autorin die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main für ihr jahrzehntelanges, außergewöhnliches Engagement für eine aktive Erinnerungsarbeit erhalten. Oberbürgermeister Mike Josef überreichte ihr die Auszeichnung im Kaisersaal des Römers.

„Elisabeth Abendroth hat früh erkannt, dass Erinnern mehr ist als das Bewahren von Fakten“, sagte Josef. „Es geht um Verantwortung. Um Haltung. Und um die Frage, was wir aus der Geschichte für unsere Gegenwart und unsere Zukunft lernen.“ Er wies darauf hin, dass Erinnerungskultur heutzutage ebenso wichtig sei wie in der Vergangenheit: „Weil wir erleben, wie Geschichte relativiert, verzerrt oder instrumentalisiert wird. Und weil demokratische Werte ohne historisches Bewusstsein nicht bestehen können.“

Elisabeth Abendroth, 1947 in Potsdam geboren, setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass die Geschichte des Nationalsozialismus in Frankfurt und der Region aufgearbeitet wird, etwa mit Gedenktafeln, die an die Opfer und Tatorte erinnern. Aufgewachsen ist sie in Marburg, als Tochter des Politologen und Widerstandkämpfers gegen den Nationalsozialismus Wolfgang Abendroth. Es war eine Zeit, in der viele Menschen von den Verbrechen der Nazi-Herrschaft noch nichts wissen wollten. Nach dem Studium zog es die ausgebildete Lehrerin zunächst zu der Hilfsorganisation Medico International, wo sie an Forschungsprojekten in Tansania und Kenia arbeitete. Doch ihre Berufung fand sie 1987 bei der Besetzung des Börneplatzes in Frankfurt. Sie gehörte zu den Aktivistinnen und Aktivisten, die den Bauplatz des geplanten Stadtwerke-Zentrums belagerten. So wollten sie eine Überbauung der Relikte des jüdischen Ghettos verhindern. Das ist nicht gelungen. Aber die Stadt richtete dort die Gedenkstätte Börneplatz und eine Dependance des Jüdischen Museums ein.

Seitdem war Abendroth Mitinitiatorin verschiedener Einrichtungen, die für die Erforschung der Ursachen und Wirkungen des Holocausts gegründet worden sind. Hierzu zählt unter anderem die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank. Zudem war sie über viele Jahre Beraterin und Redenschreiberin für politische Verantwortungsträger – in Frankfurt, aber auch auf Landesebene. Gemeinsam mit der 2022 verstorbenen Holocaustüberlebenden und Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt, Trude Simonsohn, schrieb sie das Buch „Noch ein Glück“.

„Elisabeth Abendroths Wirken hat Frankfurt geprägt“, sagte der Oberbürgermeister. „Es hat dieser Stadt Glaubwürdigkeit verliehen und gezeigt, dass Erinnerungsarbeit dann besonders stark ist, wenn sie menschlich bleibt.“

Die Laudatio hielt der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler. In seiner Rede würdigte er den „unermüdlichen und kräftezehrenden Einsatz Abendroths für eine aktive Erinnerungsarbeit in Frankfurt und Hessen“. Dabei sei es ihr immer um die Sache gegangen. Sie selbst sei immer im Hintergrund geblieben. Heute sei nun der Tag, sie „auf die Bühne zu holen“ und ihr zu danken. „Bei allen Projekten in Frankfurt zur Erinnerung an die Nazi-Verbrechen und zur Würdigung des Widerstands gegen ihn war Elisabeth Abendroth engagiert – mit ihrem Einsatz, mit ihrer Fähigkeit, Menschen zu gewinnen und zu begeistern, mit ihrer Unermüdlichkeit“, sagte von Schoeler.

Elisabeth Abendroth betonte während der Veranstaltung, welcher Leitsatz ihr persönlich in ihrer Arbeit und ihrem Engagement besonders wichtig ist: „Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft für die Demokratie.“

Die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt wird seit 1952 an Persönlichkeiten verliehen, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet besondere Verdienste erworben und durch ihr Wirken das Ansehen der Stadt Frankfurt in besonderer Weise gemehrt haben.

Fotos Oberbürgermeister Mike Josef begrüßt die Geehrte Elisabeth Abendroth, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Oberbürgermeister Mike Josef überreicht der Sozialwissenschaftlerin und Autorin Elisabeth Abendroth die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Der ehemalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler hält die Laudatio, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel