Erinnerungsort im Park Schöntal
Bild: © Stadt Aschaffenburg
Ausschreibung des Erinnerungsorts im Park Schöntal geht auf die Zielgerade
Nach der Messerattacke im Park Schöntal am 22. Januar 2025 kam in der Aschaffenburger Bevölkerung schnell der Wunsch nach einem Gedenkort auf. Die Stadt Aschaffenburg hat diesem Wunsch Rechnung getragen und eine interdisziplinäre Kommission gegründet, die sich intensiv damit auseinandergesetzt hat, wie eine respektvolle, öffentliche Erinnerung aussehen könnte.
Im Planungs- und Verkehrssenat des Stadtrats wurde am 10. Februar 2026 vorberatend einstimmig die Durchführung eines nichtoffenen Kunstwettbewerbs zur Errichtung eines Erinnerungsortes im Park Schöntal beschlossen. Nach Zustimmung des Stadtrat-Plenums am 23. Februar kann die Ausschreibung des Erinnerungsorts veröffentlicht werden.
Grundlage für den Stadtratsbeschluss war ein von einer Kommission erarbeitetes Leitbild, das den inhaltlichen Rahmen für das weitere Vorgehen festlegt. Geplant ist kein klassisches Mahnmal, sondern ein offener Ort, der Gedenken, Begegnung, Bildung und Hoffnung miteinander verbindet, wie Oberbürgermeister Jürgen Herzing erklärt: „Wir wollen einen Ort schaffen, der die Opfer würdigt und zugleich unsere Verantwortung als Stadtgesellschaft sichtbar macht. Es geht um Menschlichkeit, Zusammenhalt und Zivilcourage. Dafür haben wir uns bewusst Zeit genommen, um die bestmögliche Lösung zu finden.“
Die interdisziplinäre Kommission wurde von Oberbürgermeister Jürgen Herzing und der Leiterin der Aschaffenburger Volkshochschule, Katja Fröhlich geleitet. Dem Gremium gehörten zunächst unter anderem der Museumsdirektor der städtischen Museen Aschaffenburg, regionale Künstler und Ausstellungsmacher, der Leiter des Aschaffenburger Kulturamts und der Leiter des Aschaffenburger Stadt- und Stiftsarchivs an. In mehreren Sitzungen, in denen sich Unterkommissionen für einzelne Themenbereiche bildeten, wurde das Leitbild eines Erinnerungsortes erarbeitet, das, so Katja Fröhlich, kein Symbol der Angst oder Trauer sein soll, sondern ein Zeichen unserer gemeinsamen Haltung, ein Ort, an dem man sich begegnen kann. Der Erinnerungsort soll zeigen, dass Gewalt uns nicht spaltet, sondern dass wir als Stadt zusammenstehen.“
Bevor das Leitbild und die geplante Ausschreibung des Erinnerungsortes im Stadtrat beraten wurden, war es Oberbürgermeister Herzing wichtig, die Planungen zunächst den Angehörigen der Opfer vorzustellen. Es sei der Stadt eine Verpflichtung, mit diesem Thema sensibel und respektvoll umzugehen, sagt Herzing: „Es ist uns wichtig, den Opfern und Angehörigen anzubieten, dass sie einbezogen und transparent informiert werden, und die Angehörigen haben dieses Angebot dankbar angenommen.
Im nächsten Schritt soll nach dem Stadtratsbeschluss Ende Februar ein Künstler-Wettbewerb ausgeschrieben werden, der in drei Phasen ablaufen wird und im Spätherbst 2026 zum Ergebnis führen soll. Begleitend zu diesem Prozess geht eine Website online.
Daneben laufen vereinzelte Aktionen, die den Entstehungsprozess des Erinnerungsortes begleiten. Als nächstes ist ein Workshop zum Thema „Zivilcourage“ mit Jugendlichen geplant. Er ist als Beginn eines längerfristigen Bildungs- und Beteiligungsprozesses rund um Zivilcourage, Zusammenhalt und Verantwortung in Aschaffenburg gedacht.
Webseite Erinnerungsort Schöntal