Familiennachzug: „Hinter jedem Verfahren steht eine Familie“

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Stadt Frankfurt und Hessischer Flüchtlingsrat ziehen Bilanz der Fachstelle Familiennachzug – bereits mehr als 160 Menschen individuell beraten

ffm. Hinter jedem Antrag auf Familiennachzug steht eine Familie, die darauf wartet, wieder zusammenleben zu können. Für viele Menschen mit Fluchtbiografie ist dieser Weg jedoch lang, kompliziert und schwer zu durchschauen. Die Stadt Frankfurt und der Hessische Flüchtlingsrat (HFR) haben deshalb im vergangenen Jahr gemeinsam eine Fachstelle für Familiennachzug eingerichtet. Das Modellprojekt soll Menschen mit Fluchtbiografie Orientierung geben und sie bei den oft komplexen Verfahren unterstützen.

Vertreterinnen und Vertreter des HFR haben jetzt eine erste Bilanz des Modellprojekts an Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt, Stadtsauberkeit, Frauen, Diversität und Migration, übergeben. Die Bilanz zeigt den Bedarf: Seit dem Start im November 2025 wurden mehr als 160 Menschen individuell beraten, dazu kamen mehr als 200 telefonische und schriftliche Beratungen. Die Stadt Frankfurt will das Angebot deshalb zunächst über das Ende des bis zum 31. Dezember laufenden Modellprojekts hinaus fortführen.

„Für die Menschen geht es beim Familiennachzug nicht um einen abstrakten Verwaltungsakt. Es geht um ihre Partner:innen, Kinder oder Eltern, die oft seit Jahren von ihnen getrennt sind. Wenn wir Menschen dabei unterstützen können, ihre Familien wieder zusammenzubringen, dann ist das ganz konkrete Hilfe, die ankommt“, sagt Zapf-Rodríguez. „Gerade weil die Verfahren so komplex sind, ist es essenziell, dass Menschen eine kompetente Anlaufstelle haben. Frankfurt will hier unterstützen. Und an der Bilanz sehen wir, dass dieses Angebot auf einen großen Bedarf trifft.“

Familiennachzug gehört zu den kompliziertesten Bereichen des Aufenthaltsrechts. Die „Fachstelle Familiennachzug für Geflüchtete“ arbeitet diesbezüglich in Kooperation mit dem Frankfurt Welcome and Information Center (FWIC) und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) zusammen. Der Hessische Flüchtlingsrat übernimmt die Beratung. Die Fachstelle unterstützt bei rechtlichen und praktischen Fragen, Anträgen und Unterlagen, begleitet Einzelfälle und vermittelt bei Bedarf den Kontakt zu zuständigen Stellen. Zentrales Angebot ist die wöchentliche offene Sprechstunde. Die Fachstelle wird finanziell von der UNO-Flüchtlingshilfe und dem Förderverein Pro Asyl unterstützt.

„Familiennachzug ist ein zentraler Teil gelingender Integration. Menschen können hier ankommen, Deutsch lernen, arbeiten und sich ein neues Leben aufbauen – und gleichzeitig über Jahre von ihren engsten Angehörigen getrennt bleiben. Die Erfahrungen der Fachstelle zeigen, wie wichtig kompetente Beratung ist“, sagt Günther Burkhardt, Vorsitzender des Hessischen Flüchtlingsrats. „Das Engagement der Stadt Frankfurt und des Hessischen Flüchtlingsrats ist deshalb ein wichtiges Signal: Geflüchtete Menschen und ihre Familien brauchen nicht nur einen rechtlichen Anspruch, sondern auch Unterstützung dabei, ihn tatsächlich wahrnehmen zu können.“

Die Beratung reicht von Fragen zum Visumverfahren und zu notwendigen Dokumenten über die Prüfung von Aufenthaltsrechten bis hin zu konkreter Unterstützung bei Anträgen, Terminregistrierungen und der Kommunikation mit Behörden. In mehr als der Hälfte der Beratungsfälle spielen neben dem Visumverfahren auch aufenthaltsrechtliche Fragen eine Rolle.

Unter den Ratsuchenden sind auch viele deutsche Staatsangehörige, anerkannte Flüchtlinge und Menschen mit Niederlassungserlaubnis. Viele haben ein eigenes Einkommen, arbeiten und sind bereits gut in Frankfurt integriert.

Die häufigsten Herkunftsländer der Ratsuchenden sind Afghanistan (50 Prozent), Iran (8,2 Prozent), Eritrea (5,7 Prozent), Syrien (5,7 Prozent) und die Türkei (3,8 Prozent). Insgesamt kommen die Ratsuchenden aus 28 unterschiedlichen Herkunftsländern.

Der Bericht findet sich unter fr-hessen.de .

Fotos Komplexe Verfahren im Familiennachzug erfordern kompetente Beratung – HFR legt Bilanz des Modellprojekts vor (v.l.): Günther Burkhardt, Stadträtin Tina Zapf-Rodríguez und André Heerling, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

HFR legt Bilanz des Modellprojekts vor (v.l.): André Heerling und Günter Burkhardt vom Hessischen Flüchtlingsrat, Stadträtin Tina Zapf-Rodríguez sowie Timmo Scherenberg und Maliheh Bayat-Tork vom Hessischen Flüchtlingsrat, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes