Frankfurt empfängt Familien ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Eine Woche der Begegnung: Nachkommen ehemaliger jüdischer Frankfurter Familien zu Gast

ffm. Rund 40 Nachkommen ehemaliger jüdischer Frankfurter Familien waren vom 26. Mai bis 2. Juni im Rahmen des Jüdischen Besuchsprogramms der Stadt Frankfurt am Main in der Heimat ihrer Vorfahren zu Gast. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den USA, Israel, Argentinien und Frankreich, um den Spuren ihrer Familiengeschichte nachzugehen und Frankfurt heute kennenzulernen.

Seit 1980 ist das Jüdische Besuchsprogramm fester Bestandteil der Frankfurter Erinnerungskultur. Es richtet sich an Nachkommen jüdischer sowie politisch oder religiös verfolgter ehemaliger Frankfurter Bürgerinnen und Bürger.

„Als ein wichtiger Baustein der Erinnerungsarbeit lädt die Stadt Frankfurt seit 1980 ehemalige Frankfurterinnen und Frankfurter und ihre Nachkommen, die während des Nationalsozialismus emigrieren mussten, in ihre frühere Heimatstadt ein. Die Geschichte von Menschen jüdischen Glaubens, die während der NS-Diktatur verfolgt und vertrieben wurden, lebt weiter, in ihren Familien und Angehörigen, sie hinterlässt Spuren. Das jüdische Besuchsprogramm der Stadt Frankfurt bietet Menschen die Möglichkeit, diesen Spuren zu folgen. Fester Programmbestandteil des Aufenthalts in Frankfurt sind Besuche in Frankfurter Schulen. Hier treffen verschiedene Generationen aufeinander. Die Gäste des Besuchsprogramms geben ihre Lebensgeschichten und die ihrer Eltern und Großeltern weiter an Frankfurter Schülerinnen und Schüler. Das ist aktive Erinnerungskultur, gelebt als lebendiger, intergenerationeller und interkultureller Austausch“, sagt Oberbürgermeister Mike Josef.

Den Abschluss der Besuchswoche bildete ein Empfang am 1. Juni im Kaisersaal des Römers, bei dem die Gäste offiziell verabschiedet wurden. Eileen O’Sullivan, Dezernentin für Bürger:innen, Digitales und Internationales, betonte in ihrer Ansprache die Bedeutung des Programms als Ort der Begegnung und Erinnerung: „Dieses Programm ist ein zentraler Bestandteil unserer Erinnerungskultur. Es geht dabei nicht nur um Rückblick, sondern um Begegnung. Um die Verbindung persönlicher Geschichten mit dem heutigen Frankfurt. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Grundwerte weltweit unter Druck stehen, sind solche Begegnungen wichtiger denn je. Sie schaffen Austausch statt Abschottung und erinnern uns daran, dass Geschichte immer auch Verantwortung für die Gegenwart bedeutet.“

Beim Abschiedsempfang berichteten Alice Domar und ihr Cousin David Rosenthal in einer gemeinsamen Rede von ihren Eindrücken der vergangenen Woche. „Vor meinem Besuch in Frankfurt habe ich erwartet, vor allem Schmerz und Trauma zu erleben. Umso mehr haben mich die Offenheit und Zugewandtheit der Menschen berührt, denen wir begegnet sind – insbesondere beim Besuch des Hauses, in dem meine Mutter aufgewachsen ist. Für meine Tochter und mich war diese Reise eine lebensverändernde Erfahrung“, sagte Domar.

Das Programm wird vom Referat für Internationale Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main organisiert und vom Verein Jüdisches Leben in Frankfurt seit vielen Jahren mitgestaltet, insbesondere durch ehrenamtliche Recherchearbeit und persönliche Begleitung der Gäste. Schülerinnen und Schüler Frankfurter Schulen sind ebenfalls Teil des Programms und kommen bei gemeinsamen Begegnungen mit den Gästen ins Gespräch.

Während ihres Aufenthalts besuchten die Gäste außerdem das Jüdische Museum, die Europäische Zentralbank, den Hochbunker der Initiative 9. November sowie die Jüdische Gemeinde Frankfurt.

Der Besuch zeigt die Verbindung von Familiengeschichte, Erinnerungsarbeit und Gegenwart der Stadt Frankfurt im direkten Austausch der Beteiligten.

Kontakt für die Medien Rahel Berhanu, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dezernat für Bürger:innen, Digitales und Internationales, Telefon 069/212-35956 , E-Mail rahel.berhanu@stadt-frankfurt.de