Frankfurter Nachtrat im Dialog mit Krakauer Nachtbürgermeister

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

„Sister Cities Dialogue“ bringt Akteurinnen und Akteure der Nachtkultur aus beiden Partnerstädten zusammen

ffm. Der Frankfurter Nachtrat hat sich im Zuge des „Sister Cities Dialogue“ mit Jacek Jordan, Nachtbürgermeister der polnischen Partnerstadt Krakau, ausgetauscht. Bei dem digitalen Treffen im Portal an der Hauptwache standen vor allem die aktuellen Herausforderungen für Nachtleben und Nachtökonomie in beiden Städten im Mittelpunkt: Wie lässt sich eine vielfältige Club- und Gastronomieszene erhalten? Welche Rahmenbedingungen braucht sie? Und wie können die Interessen von Nachtleben, Anwohnerinnen und Anwohnern sowie einer lebenswerten Stadt miteinander in Einklang gebracht werden?

„Frankfurt und Krakau sind sehr unterschiedliche Städte, stehen beim Nachtleben aber vor erstaunlich ähnlichen Fragen“, stellt Eduard M. Singer, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing, fest. „Genau deshalb war der direkte Austausch so wertvoll: Wir haben erfahren, welche Lösungswege eine andere europäische Großstadt verfolgt, und daraus konkrete Impulse für Frankfurt mitgenommen.“

Weniger Clubs – in beiden Städten

Eine zentrale Herausforderung verbindet Frankfurt und Krakau: In beiden Städten ist die Clublandschaft in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Krakau. Dort gab es 2019 rund 30 Clubs, heute sind es nur noch zehn. Vor allem die Corona-Pandemie hat der Szene zugesetzt.

Auch Frankfurt beschäftigt der Verlust von Clubs und Veranstaltungsorten. Vor allem hohe Mieten und Nutzungskonflikte erschweren den Betrieb bestehender sowie die Eröffnung neuer Angebote. Zugleich unterscheiden sich die Rahmenbedingungen beider Städte deutlich. In Krakau sind die Hürden für Neueröffnungen geringer, unter anderem aufgrund niedrigerer Mieten und weniger regulatorischer Vorgaben.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Öffnungszeiten. Während in Frankfurt insbesondere der Lärmschutz Grenzen setzt, verfügt die Gastronomie in Krakau über größere zeitliche Spielräume.

Längere Öffnungszeiten für einzelne Frankfurter Viertel?

Gerade dieser Unterschied lieferte dem Frankfurter Nachtrat einen konkreten Impuls. Das Gremium möchte zur Diskussion stellen, ob für ausgewählte Ausgehviertel eigene Regelungen für längere Öffnungszeiten der Gastronomie geschaffen werden könnten. Denkbar wären solche Zonen im Bahnhofsviertel oder in Alt-Sachsenhausen: Dort könnten Gastronomien auch unter der Woche bis 24 Uhr geöffnet bleiben.

Dabei geht es aus Sicht des Nachtrats nicht allein darum, längere Ausgehzeiten zu ermöglichen. Gastronomische Angebote, die bis in die Nacht geöffnet sind, können dazu beitragen, öffentliche Räume länger zu beleben. „Eine stärkere Nutzung der Quartiere am späten Abend kann positive Effekte auf Sicherheit und Sauberkeit haben“, erklärt Nachtratsmitglied James Ardinast.

Magnus Welkerling ergänzt: „Der Blick nach Krakau hat gezeigt, wie unterschiedlich Städte mit ihrem Nachtleben umgehen können. Für Frankfurt heißt das nicht, Lösungen eins zu eins zu übernehmen. Aber wir sollten prüfen, wo mehr Flexibilität möglich ist und ob passgenaue Regelungen für einzelne Quartiere zu einer lebendigeren und zugleich sicheren Nachtstadt beitragen können.“

Nachtökonomie als Standortfaktor

Wie wichtig ein vielfältiges Nachtleben für Frankfurt ist, zeigt auch die 2025 vorgestellte Studie zur Nachtökonomie. Deren Ergebnisse zeigten, dass Gastronomie, Clubs und Kulturorte eine zentrale Rolle für das urbane Lebensgefühl, das internationale Image sowie die Standortattraktivität spielen, und belegten die hohe wirtschaftliche Relevanz des Nachtlebens für die Mainmetropole. „Eine lebendige Nacht ist für Frankfurt Kultur-, Wirtschafts- und Standortfaktor zugleich“, fasst Singer zusammen. „Umso wichtiger ist es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen und dabei auch Sicherheit, Sauberkeit und die Interessen der Quartiere mitzudenken.“

Zwei unterschiedliche Modelle für die Nacht

Interessant ist der Vergleich mit Krakau auch deshalb, weil beide Städte nahezu zeitgleich neue Strukturen für die Nachtkultur geschaffen haben. Der Frankfurter Nachtrat und der Krakauer Nachtbürgermeister nahmen im August 2024 ihre Arbeit auf. Während Krakau auf einen Nachtbürgermeister mit eigenen Befugnissen und mit Unterstützung einer 35-köpfigen Kommission setzt, hat sich Frankfurt für ein ehrenamtlich tätiges Gremium entschieden, zusammengesetzt aus Expertinnen und Experten sowie Akteuren aus verschiedenen Bereichen der Stadtgesellschaft.

Am Austausch mit Krakau nahmen Ardinast, Welkerling, Singer und Dierk Fröhlich von der Geschäftsstelle Nachtrat teil. Neben Krakaus Nachtbürgermeister Jordan beteiligten sich auch Vertreterinnen und Vertreter der Krakauer Kommission am Gespräch. Dieses fand während des „Sister Cities Dialogue“ statt, einem Projekt des Frankfurter Referates für Internationale Angelegenheiten. Zwei Wochen lang verband es Frankfurt über ein digitales, begehbares Portal an der Hauptwache in Echtzeit mit Krakau und ermöglichte es Menschen aus Frankfurt und Krakau, miteinander ins Gespräch kommen. Die Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Krakau besteht seit 1991.

Fotos

Vor dem digitalen, begehbaren Portal nach Krakau an der Hauptwache (v.l.): Susanne Gehrling von SharedStudios, Dierk Fröhlich von der Geschäftsstelle Nachtrat, Vincent Hanrahan von SharedStudios, Magnus Welkerling vom Nachtrat,  Eduard M. Singer von der Geschäftsstelle Nachtrat, James Ardinast vom Nachtrat und Mridula Singh von SharedStudios, Copyright: Stadtmarketing Frankfurt 

Magnus Welkerling und James Ardinast im Austausch mit dem Krakauer Nachtbürgermeister Jacek Jordan, Copyright: Stadtmarketing Frankfurt 

Kontakt für die Medien Eduard M. Singer, Stabsstelle Stadtmarketing, Telefon 069/212-71481 , E-Mail eduard.singer@stadt-frankfurt.de