Frankfurter Software GA-Lotse kommt künftig auch in Köln zum Einsatz

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Gesundheitsämter beider Städte wollen Open-Source-Lösung gemeinsam weiterentwickeln

ffm. Die Stadt Köln nutzt künftig die in Frankfurt am Main entwickelte Software GA-Lotse. Damit kommt die für Gesundheitsämter entwickelte Open-Source-Lösung erstmals in einer Millionenstadt und in einem weiteren Bundesland zum Einsatz. Die beiden größten kommunalen Gesundheitsämter Deutschlands stellen sich gemeinsam auf der derzeit innovativsten technischen Grundlage digital neu auf.

„Mit der Nutzung durch die Stadt Köln geht GA-Lotse den nächsten wichtigen Schritt“, sagt Elke Voitl, Dezernentin für Soziales und Gesundheit. „Das Projekt ist beispielhaft für eine gelungene Zusammenarbeit über die Grenzen Frankfurts und nun auch über die Hessens hinaus. Beide Großstädte arbeiten nun gemeinsam daran, die Prozesse in den Gesundheitsämtern zu erleichtern und zu verbessern. Von der neuen Software profitieren die Mitarbeitenden in den Ämtern und natürlich auch die Bürger:innen, für deren Beratung künftig mehr Zeit ist.“ 

„Die Digitalisierung von Prozessen ist eine große Chance, um die Aufgabenbewältigung im Gesundheitsamt bei Aufgabenwachstum und Stellenkürzungen zu gewährleisten. Digitale Prozesse machen Leistungen einfacher und schneller zugänglich, während persönliche Beratung dort erhalten bleibt, wo sie besonders wichtig ist. So verbinden wir die Vorteile der Digitalisierung mit persönlicher Unterstützung und gehen mit GA-Lotse einen neuen innovativen Weg“, sagt Dr. Harald Rau, Dezernent für Soziales, Gesundheit und Wohnen der Stadt Köln.

GA-Lotse unterstützt Gesundheitsämter dabei, ihre Arbeits- und Verwaltungsprozesse digital abzubilden und zu optimieren. Die Software ist direkt aus der Praxis des Gesundheitsamts Frankfurt entstanden und dort bereits seit Oktober 2024 erfolgreich in Betrieb. Die Software orientiert sich konsequent an den Arbeitsabläufen in Behörden und hat von Beginn an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen unterschiedlichster Gesundheitsämter eng in die Entwicklung einbezogen.

Die Gesamtlösung besteht aus einem Basismodul und verschiedenen Fachmodulen. Statt für unterschiedliche Aufgaben zahlreiche verschiedene Programme einzusetzen, können Prozesse damit künftig auf einer modularen gemeinsamen Plattform abgebildet werden. Offene Schnittstellen erleichtern den Datenaustausch, zugleich unterstützt GA-Lotse unter anderem Verwaltungsaufgaben, fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit und statistische Auswertungen, deren Ergebnisse unmittelbar in die Arbeit und die Angebote der Gesundheitsämter einfließen können. Die Software erfüllt höchste Standards in den Bereichen Privacy, Datenschutz und Usability.

Vom hessischen Projekt zur bundesländerübergreifenden Lösung

Mit dem Einstieg Kölns wird der kollaborative Ansatz von GA-Lotse fortgesetzt: Die Anforderungen aus unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen und Bundesländern werden berücksichtigt und werden gemeinsam in technische Lösungen übersetzt. Das folgt dem Grundgedanken von GA-Lotse: „Public Money, Public Code“. Eine mit öffentlichen Mitteln entwickelte Software soll allen öffentlichen Einrichtungen zugutekommen. Der Quellcode von GA-Lotse ist unter offenen Lizenzen verfügbar. Behörden können so einfach bestehende Module nutzen und anpassen oder sich an ihrer Weiterentwicklung beteiligen. Damit entsteht eine gemeinsame digitale Infrastruktur, ohne dass jede Kommune vergleichbare Lösungen von Grund auf neu entwickeln muss.

Gemeinsam entwickeln statt Insellösungen schaffen

„Unser Ziel war von Anfang an, eine neue Software zu entwickeln, die nicht nur in Frankfurt genutzt und optimiert wird“, sagt Prof. Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. „Dass nun Köln diesen Weg mit uns geht, zeigt das große Potenzial dieses Ansatzes. Die Anforderungen an große Gesundheitsämter ähneln sich in vielen Bereichen. Von unserer Zusammenarbeit können beide Ämter profitieren – und auch weitere kommunale Gesundheitsbehörden in ganz Deutschland.“

„Gerade die Vielfalt der Perspektiven ist wichtig, um die Funktionalität einer Software wie GA-Lotse digital zu gestalten“, sagt Dr. Margot Denfeld, Leiterin des Gesundheitsamts Köln. „Durch den direkten Transfer der Expertise der Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Gesundheitsämtern in die Ausgestaltung der Anwendungsbereiche der Software und der Schnittstellen zu Programmen, Personen und Einrichtungen wird einzigartiger Mehrwert für Mitarbeitende, Bürger:innen, sowie am Prozess beteiligte Fachbereiche wie Labore, medizinische Fachberufe und Einrichtungen durch GA-Lotse zukünftig geschaffen. Für Köln ergeben sich mit der neuen Software neue Möglichkeiten für eine moderne, digitale und vernetzte Zusammenarbeit.“

Die Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz in Köln fließen künftig systematisch in die Weiterentwicklung von GA-Lotse ein. Beide Großstädte können so voneinander lernen und gemeinsam dazu beitragen, digitale Prozesse in den Behörden einfacher, nutzerfreundlicher und effizienter zu gestalten.

Im Rahmen des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst, gefördert mit EU-Mitteln aus NextGenerationEU, hat das Gesundheitsamt der Stadt Köln in den letzten drei Jahren gemeinsam mit einem externen Dienstleister die Software KISO (Kölner Infektionsschutz online) mit den Modulen Hitzeschutz und Infektionsschutz entwickelt. KISO wird bereits in Köln eingesetzt. Aktuell streben die Städte Köln und Frankfurt an, die KISO-Software mit der Anwendung „GA-Lotse“ zu verknüpfen und arbeiten hierzu eng zusammen. Ziel ist es, den modularen Aufbau weiterzuentwickeln und das erweiterte digitale Angebot perspektivisch auch anderen Kommunen zur Verfügung zu stellen.

Die Stadt Köln bezieht GA-Lotse über den Marktplatz Deutschland Digital der govdigital eG. Dieser ermöglicht öffentlichen Einrichtungen, bereits entwickelte digitale Lösungen auf einem geregelten Weg zu beziehen, und macht GA-Lotse für Verwaltungen innerhalb und außerhalb Hessens leicht zugänglich.

Über GA-Lotse GA-Lotse wurde in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege entwickelt. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst mit EU-Mitteln aus NextGenerationEU. Im Jahr 2025 wurde GA-Lotse unter anderem mit dem InfoSec Impact Award, gestiftet vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und dem Verein Next, ausgezeichnet. Der Award honoriert herausragende Leistungen im Bereich der Informationssicherheit in der Verwaltung.

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