Frühe Römer in Höchst: Stadt Frankfurt stellt Ausgrabungen im Palastgarten vor

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Bolongaropalast in Höchst wurden im anliegenden Palastgarten Ausgrabungen vorgenommen. Dabei stießen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege auf beeindruckende Funde: Unter dem Bolongaropalast liegen die Reste einer einzigartigen römischen Fundstelle, genauer gesagt: das Lager der ersten Römer in Frankfurt am Main.

Innerhalb dieses frührömischen Lagers wurden diverse Fundstücke geborgen. Dazu zählen unter anderem Luxusgüter wie Münzen aus Frankreich und Belgien sowie südgallische Keramik. Die gefundenen Gegenstände geben Aufschluss über den inneren Aufbau römischer Kastelle vor Ort.

„Wir freuen uns über ein einzigartiges Zeitzeugnis aus der frührömischen Zeit hier in Höchst. Reste eines Militärlagers um das Jahr 0 sind auch überregional von Bedeutung. Anhand dieses Fundplatzes lässt sich nicht nur die Entwicklung und Ausdehnung des Römischen Reiches in unserem Gebiet nachverfolgen, sondern auch ein Stück Geschichte der Stadt Frankfurt. Das Projekt profitiert von der guten Zusammenarbeit von Hauptamt, Grünflächenamt und Denkmalamt“, sagte Oberbürgermeister Mike Josef am Mittwoch, 18. März, bei der Präsentation der Funde.

Seit 2016 begleitet die Bodendenkmalpflege die Sanierung des Gebäudekomplexes und des Bolongarogartens. Dabei sind die zahlreichen Erdeingriffe mit wissenschaftlichen Ausgrabungen begleitet worden. Neben kleinteiligen Leitungsstrecken wird derzeit eine Flächengrabung im Rahmen der Gartengestaltung durchgeführt. Der Ortsteil Höchst ist dicht bebaut, sodass es ein großer Glücksfall war, dass im Bolongarogarten ein derartiges Kulturdenkmal gefunden wurde. „Wir alle haben Asterix und Obelix oder den Teutoburger Wald im Hinterkopf, wenn wir an die Eroberung Germaniens durch die Römer denken. Die archäologischen Ausgrabungen im Bolongarogarten konnten bislang keine Hinweise auf kämpferische Handlungen oder Zerstörung finden, sondern durch einheimische Keramik und Essgewohnheiten Hinweise auf Kontakt und Kooperation – für Frankfurt am Main müssen wir also unseren Blick auf die Zeit des ersten Kontakts zwischen Römern und ‚Frankfurtern‘ überdenken. Er war vielleicht weit friedvoller und neugieriger als bislang angenommen“, sagte Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts.

Die Ausgrabung wird durchgeführt von der Bodendenkmalpflege, genauer gesagt von Elke Sichert, Archäologin und Leiterin der Bodendenkmalpflege, sowie Denis Neumann und Rolf Skrypzak, Grabungstechniker und örtliche Grabungsleitung.

Frührömische Lager sind ein Zeichen für die römische Eroberungspolitik unter Kaiser Augustus. Archäologisch sind sie häufig kaum nachweisbar, da sie nur kurzfristig bestehen und kaum datierbare Funde liefern. Das Lager in Höchst bildet eine Ausnahme: Hier waren die Römer nicht nur kurzfristig, sondern hatten sich an diesem strategisch klugen Posten für mehrere Jahre eingerichtet. Der Standort bot etwa Zugang zu Nidda und Main, eine Erhöhung für perfekte Sicht, einen Anschluss an das Wegenetz und eine gute Verbindung zu anderen römischen Stationen. Stationiert waren dort Legionäre und Auxiliarsoldaten – also sowohl römische Bürgerinnen und Bürger als auch Truppen von verbündeten Völkern und Bewohnerinnen und Bewohnern ohne Bürgerrecht.

Fotos Ausgrabungsstätte am Bolongaropalast (v.l.): Denis Neumann, Mike Josef, Andrea Hampel, Rolf Skrypzak, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt: Maik Reuß 

Andrea Hampel und Mike Josef während der Vorstellung der Funde, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt: Maik Reuß 

Die Ausgrabungsstätte am Bolongaropalast, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt: Maik Reuß 

Münzen aus Lugdunum, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt: Maik Reuß