Gegen das Vergessen: Gedenkveranstaltung und Ausstellung am Dr. Hoch's Konservatorium Frankfurt

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Die Musikakademie Dr. Hoch's Konservatorium beschäftigt sich mit der eigenen Vergangenheit. Mit einer Veranstaltung und begleitenden Ausstellung gedenkt sie 14 Dozentinnen und Dozenten jüdischer Herkunft, die im Jahr 1933 entlassen worden sind. Die Veranstaltung gedenkt der Verfolgung, sensibilisiert für Vielfalt und Menschenwürde in der Bildung und setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung.

Kulturdezernentin eröffnet Gedenkveranstaltung

„Nicht alle Spuren von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung sind bis heute aufgedeckt und ausreichend erforscht. Es ist daher für mich von besonderer Bedeutung, dass sich das Konservatorium auf den Weg gemacht hat, den Blick auf dieses Kapitel seiner – und damit auch der deutschen Geschichte – zu richten“, sagte Ina Hartwig, die am Donnerstag, 5. Februar, eine lang vorbereitete Gedenkveranstaltung im Clara Schumann Saal des Hoch’schen Konservatoriums eröffnete. Die Kulturdezernentin, zugleich Stiftungsvorsitzende der Musikakademie Dr. Hoch’s Konservatorium, sieht in der Veranstaltung auch ein klares Zeichen: Nie wieder darf Bildung zu einem Spielball von Ausgrenzung und Hass werden.

Im Mittelpunkt des Morgens stand das Musiktheaterstück „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler. Die Frankfurter Sängerin und Schauspielerin Sabine Fischmann führte die Geschichte der jüdischen Künstlerin Lola Blau auf die Bühne – eine Figur, deren Emigration, Flucht und Verlust die reale Biografie von 14 Dozentinnen und Dozenten widerspiegelt, die 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus dem Konservatorium entlassen wurden. Die Inszenierung verzahnt Musik, Theater und Geschichte.

Ausstellung begleitet Gedenken – Namen der Entlassenen erstmals enthüllt

Begleitend zur Aufführung eröffnete eine Ausstellung, die die Biografien der Betroffenen dokumentiert und Archivmaterial zur Geschichte der Vertreibung der Musikerinnen und Musiker zeigt. Erstmals wurden dazu die Namen der Entlassenen auf einer Gedenksäule enthüllt. Die Veranstaltung richtete sich nicht allein an Fachöffentlichkeit oder Studierende des Hauses. Circa 130 Schülerinnen und Schüler von Frankfurter Gymnasien erhielten die Gelegenheit, Zeugen dieser institutionellen Erinnerungskultur zu werden, die sich jenseits von formalen Gedenkreden bewegte. Die junge Menschen sollten spüren, dass es wichtig ist, die Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen.

Holocaust-Überlebende Szepesi mit Schülerinnen und Schülern im Gespräch

Eva Szepesi, eine Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin, war als Gast anwesend und stand den Schülerinnen und Schülern im Anschluss an „Lola Blau“ als Gesprächspartnerin zur Verfügung. „Für das Konservatorium war die Entlassung dieser Lehrenden ein schwerer Verlust“, sagte Caroline Prassel, Mitglied des Direktoriums. „Unsere Aufgabe heute ist es, genau hinzuschauen: Wer war betroffen, warum, und wie können wir aus dieser Geschichte für die Gegenwart lernen?“

Die begleitende Ausstellung bleibt noch bis einschließlich Samstag, 21. Februar, im Dr. Hoch's Konservatorium, Sonnemannstraße 16, geöffnet. Sie präsentiert die Biographien der Entlassenen, eine Gedenksäule mit ihren Namen sowie zeitgenössische Dokumente aus dem Bestand des Instituts für Stadtgeschichte. Die Ausstellung kann am Mittwoch, 11., Freitag, 13., Mittwoch, 18., sowie Freitag, 20. Februar, jeweils von 14 bis 15 Uhr besucht werden.