Hitzewelle macht Handlungsbedarf deutlich

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Klima- und Umweltdezernentin Zapf-Rodríguez: Frankfurt muss schneller klimaresilient werden, hessisches Klimagesetz setzt falsche Signale

ffm. Angesichts der seit mehr als einer Woche anhaltenden Hitzewelle mit Temperaturen deutlich über 30 Grad und teils drohenden Spitzen nahe 40 Grad fordert Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, mehr Tempo bei Klimaanpassung und Klimaschutz auf allen politischen Ebenen.

„Seit Tagen erleben wir eine stabile, extrem belastende Wetterlage – eine sogenannte Heatdome-Situation, die zeigt, wie sich der Klimawandel in Europa bereits heute auswirkt. Diese bereits zweite Hitzewelle in diesem frühen Sommer zeigt unmissverständlich: Die Klimakrise ist keine Zukunftsfrage mehr. Sie ist längst Realität“, sagt Zapf-Rodríguez. „Und sie wird sich in den kommenden Jahren nicht in einzelnen heißen Tagen zeigen, sondern zunehmend in länger anhaltenden, häufigeren und intensiveren Hitzeperioden.“

Hitze und Trockenheit belasten nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch die städtische Infrastruktur: Stadtbäume litten unter Trockenstress, Böden verlören zunehmend ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, und längere Trockenperioden setzten Ökosysteme und Wasserhaushalt spürbar unter Stress. „Unsere natürlichen Lebensgrundlagen stehen unter Druck – darauf müssen wir konsequenter als bisher reagieren“, sagt die Dezernentin.

Klimaanpassung sei deshalb keine Frage der Stadtgestaltung, sondern eine zentrale Aufgabe der Daseinsvorsorge. Mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Wasser in der Stadt und weniger Versiegelung seien notwendige Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Stadt – und nicht bloße Verschönerungsmaßnahmen.

Besonders deutlich werde auch die soziale Dimension der Klimakrise: Der Zugang zu Schatten, Grünflächen, Trinkwasser und kühlen öffentlichen Räumen dürfe nicht vom Einkommen oder Wohnort abhängen. Hitzeschutz sei eine Frage der Gerechtigkeit und der öffentlichen Infrastruktur. Öffentliche Räume, Plätze, Schulhöfe und Verkehrsflächen müssten deshalb konsequent entsiegelt, begrünt und beschattet werden.

Frankfurt habe in den vergangenen Jahren bereits wichtige Maßnahmen umgesetzt – von Platzentsiegelungen über Baumpflanzungen bis hin zum Schwammstadt-Prinzip. Doch angesichts der sich verschärfenden Klimakrise reicht das Tempo dieser Entwicklungen nicht aus. „Wir müssen bei Begrünung, Entsiegelung, Verschattung und blau-grüner Infrastruktur deutlich schneller werden und auch in die Lage versetzt werden, kurzfristig wirksame Maßnahmen umsetzen zu können“, sagt Zapf-Rodríguez.

Vor diesem Hintergrund hat sich die künftige Römer-Koalition auf eine deutliche Verstärkung der klima- und hitzeangepassten Stadtentwicklung und auf mehr Klimaschutz verständigt. Dazu gehören insbesondere zusätzliche Investitionen in die Dekarbonisierung von Energie und Wärme, der weitere Ausbau von Entsiegelung und Begrünung sowie der konsequente Schutz bestehender Grünräume wie Grüngürtel und Wallanlagen.

Zudem soll die energetische Sanierung städtischer Gebäude beschleunigt werden – einschließlich der Umstellung auf fossilfreie Wärmeversorgung. Auch die Modernisierung des Gebäudebestands wird intensiviert, unter anderem durch Photovoltaik, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Stromspeicher.

„Die Folgen der Klimakrise sind schneller spürbar, als wir unsere Städte anpassen können. Jede entsiegelte Fläche, jeder Baum und jeder beschattete Platz zählt – genauso wie jeder zusätzliche Ausbau von Photovoltaik auf unseren Gebäuden“, sagt die Dezernentin.

Gleichzeitig fordert Zapf-Rodríguez eine deutlich stärkere Unterstützung durch das Land Hessen: „Die Kommunen dürfen mit den Folgen von Hitze, Dürre und Extremwetter nicht allein gelassen werden.“

Vor diesem Hintergrund bewertet Zapf-Rodríguez auch die geplante Reform des Hessischen Klimagesetzes kritisch. Eine mögliche Abschwächung von Verpflichtungen, flexiblere Zielsetzungen oder stärkere Spielräume für Kompensation könnten die notwendige Verbindlichkeit untergraben. „So stellt sich die Frage, wie angesichts dieser Änderungen die dringend notwendige Handlungsfähigkeit bei Klimaanpassung und Klimaschutz gesichert werden soll. Ein Abbau von Klarheit und Verbindlichkeit wäre der falsche Weg.“ Neben der Anpassung an die Klimafolgen müsse der Klimaschutz konsequent weiter vorangetrieben werden – durch den Ausbau erneuerbarer Energien, klimafreundliche Mobilität und eine nachhaltige Energieversorgung.

Abschließend betont die Dezernentin: Frankfurt verfüge mit Stadtwald, Grüngürtel und Parks über starke natürliche Ressourcen. Diese zu schützen und gleichzeitig dicht bebaute Quartiere widerstandsfähiger zu machen, bleibe eine zentrale Zukunftsaufgabe für ein gutes Leben in der Stadt: „Diese Hitzewelle ist kein Ausnahmefall, sondern ein Vorgeschmack auf das, was kommt: längere, heißere und häufigere Extremphasen. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, wird die Anpassung an die Klimakrise selbst zur Überforderung. Deshalb gilt: Wir müssen gleichzeitig in Klimaanpassung und Klimaschutz investieren. Die wichtigste Infrastruktur im Klimawandel ist die Stadtnatur – Bäume, Grünflächen und Gewässer. Sie kühlen, sie speichern Wasser, sie schützen Leben. Und ebenso entscheidend ist der schnelle Ausstieg aus fossilen Energien: Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, klimafreundlicher Wärmeversorgung und nachhaltiger Mobilität. Hier müssen wir jetzt massiv investieren – schneller, konsequenter und verbindlicher als bisher.“

Kontakt für die Medien

Susanne Schierwater, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, Dezernat für Klima, Umwelt und Frauen, Telefon 069/212-33362 , E-Mail susanne.schierwater@stadt-frankfurt.de