Jüdisches Museum Frankfurt restituiert Tora-Schmuck an die Jüdische Gemeinde
Historische Ritualobjekte werden erstmals seit den Novemberpogromen 1938
wieder gemeinsam gezeigt
ffm. Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt. Zusammen mit dem zugehörigen Anhänger, der sich bereits im Besitz der Gemeinde befand, wird der Silberschmuck einer Torarolle aus der zerstörten Börneplatz-Synagoge künftig in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums als komplettes Set gezeigt. Damit sind die Ritualobjekte 88 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 erstmals wieder als Einheit zu sehen.
Restitution an die Jüdische Gemeinde Frankfurt
Der Tora-Schmuck gehörte ursprünglich zur Börneplatz-Synagoge, die am 12. September 1882 als zweite große Synagoge der Israelitischen Gemeinde eingeweiht wurde und in welcher die Gottesdienste – im Unterschied zur liberalen Hauptsynagoge – dem orthodoxen Ritus folgten. Geprägt von den charismatischen Rabbinern Markus Horovitz und Nechemja Anton Nobel entwickelten sich diese Gottesdienste zum Ausgangspunkt der jüdischen Renaissance zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die nationalsozialistische Machtübernahme und das Novemberpogrom 1938 setzte der religiösen Strahlkraft der Börneplatz-Synagoge ein brutales Ende. Die synagogalen Gegenstände wurden geplündert, das Gebäude in Brand gesetzt und später auf Kosten der Gemeinde abgetragen. Einzelne steinerne Zeugnisse des Baus, darunter Fragmente des marmornen Tora-Schreins, gelangten in den 1980er Jahren in das Depot des Archäologischen Museums Frankfurt, ein Teil der rituellen Gegenstände auf unbekanntem Weg auf den Kunstmarkt. Die Tora-Aufsätze erwarb das Jüdische Museum bereits in den 1990er Jahren von einem Auktionshaus, das Tora-Schild konnte 2025 mit Mitteln des kommunalen Ankaufsetats der Stadt Frankfurt von einer Privatperson erstanden werden. Beides wird nun an die Jüdische Gemeinde Frankfurt restituiert. [Bild: Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust]
Rückkehr des Tora-Schmucks nach Frankfurt
Das Tora-Schild, der zugehörige Anhänger und die zwei Tora-Aufsätze bildeten ursprünglich den zusammengehörigen Schmuck einer Tora-Rolle, die in der Börneplatz-Synagoge verwahrt und genutzt wurde. Der Anhänger trägt eine Inschrift, die das Set als Stiftung von Rabbiner Markus Horovitz (1844 bis 1910) anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Börneplatz-Synagoge ausweist.
„Es ist ein historischer Moment, dass wir erstmals das Tora-Schild, seinen Anhänger sowie die Tora-Aufsätze aus der Börneplatz-Synagoge hier in Frankfurt wieder zusammenführen können, denn sie wurden 88 Jahre lang an verschiedenen Orten aufbewahrt. Ich freue mich sehr, dass wir das komplette Set nun in unserer Dauerausstellung als Leihgabe der Jüdischen Gemeinde Frankfurt präsentieren können“, sagt Eva Atlan, stellvertretende Direktorin und Oberkustodin am Jüdischen Museum Frankfurt.
Der Tora-Schmuck wurde um 1904 in der Werkstatt von Leo Horovitz angefertigt – im Auftrag von dessen Vater Rabbiner Markus Horovitz. Gestalterisch verbindet das Set traditionelle Symbole zeremonieller jüdischer Kunst wie etwa die Darstellung der Bäume und deren Granatäpfel mit Elementen des Jugendstils wie den geschwungenen organischen Linien am unteren Rand des Tora-Schildes. Der Tora-Schmuck ist daher ein herausragendes Beispiel moderner Judaica aus Frankfurt. Ab Dienstag, 24. März, ist er im Ausstellungsraum „Pracht der Gebote“ der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt zu sehen.
Bedeutung für Stadt und Gemeinde
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, erklärt: „Die Restitution dieses Tora-Schmucks steht exemplarisch für den verantwortungsvollen Umgang der Stadt Frankfurt mit der Geschichte jüdischen Lebens in unserer Stadt. Dass die historisch zusammengehörenden Ritualobjekte heute wieder gemeinsam gezeigt werden können, ist ein wichtiges Zeichen der Erinnerung und zugleich Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Frankfurt, dem Jüdischen Museum und der Jüdischen Gemeinde.“
Marc Grünbaum, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, ergänzt: „Bei der Rückgabe des Tas und der Rimonim – des Tora-Schildes und der Tora-Aufsätze – aus der Frankfurter Silberschmiedewerkstatt Horovitz handelt es sich um eine ganz besondere Restitution. Historisch zusammengehörende Kultusgegenstände sind nach 88 Jahren wieder vereint. Sie kehren zurück zu unserer Gemeinde, zu der sie gehören. Dass die Stadt Frankfurt das Tora-Schild aus eigenen Mitteln erworben hat, um es an unsere Gemeinde zu restituieren, unterstreicht ihre besondere historische Verantwortung für das unserer Gemeinde angetane Unrecht.“
Die Präsentation der Objekte verdeutlicht die enge Zusammenarbeit zwischen dem Jüdischen Museum Frankfurt und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Viele der Ritualgegenstände und Textilien aus Synagogen, die das Museum in seinen Dauerausstellungen zeigt, sind Leihgaben der Gemeinde und bezeugen deren Geschichte vor und nach der Schoa.
Die Familie Horovitz Rabbiner Markus Horovitz (1844–1910) prägte über Jahrzehnte hinweg das religiöse Leben der orthodoxen Gemeinschaft innerhalb der Israelitischen Gemeinde Frankfurt, die in der Börneplatz-Synagoge, auch Horovitz-Synagoge genannt, zusammenfand. Sein Sohn Leo Horovitz (1876–1964) wurde zu einem weithin bekannten Silberschmied jüdischer Zeremonialkunst. Nach seiner Ausbildung zum Ziseleur und seinem Studium an der Frankfurter Kunstgewerbeschule sowie in Paris und München kehrte er nach Frankfurt zurück und betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Felix Horovitz ein Silberwarengeschäft. Neben profanen Arbeiten fertigten die Brüder vor allem jüdische Zeremonialobjekte an.
Fotos Eva Atlan, stellvertretende Direktorin und Oberkustodin am Jüdischen Museum Frankfurt, Marc Grünbaum, Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, und Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft (v.l.) mit den historischen Ritualobjekten im Jüischen Museum Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust
Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust
Börneplatz-Synagoge, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt
Kontakt für die Medien Rivka Kibel, Leitung Kommunikation, Jüdisches Museum Frankfurt, Telefon 069/212-39220, E-Mail
rivka.kibel@stadt-frankfurt.de
ffm. Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt. Zusammen mit dem zugehörigen Anhänger, der sich bereits im Besitz der Gemeinde befand, wird der Silberschmuck einer Torarolle aus der zerstörten Börneplatz-Synagoge künftig in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums als komplettes Set gezeigt. Damit sind die Ritualobjekte 88 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 erstmals wieder als Einheit zu sehen.
Restitution an die Jüdische Gemeinde Frankfurt
Der Tora-Schmuck gehörte ursprünglich zur Börneplatz-Synagoge, die am 12. September 1882 als zweite große Synagoge der Israelitischen Gemeinde eingeweiht wurde und in welcher die Gottesdienste – im Unterschied zur liberalen Hauptsynagoge – dem orthodoxen Ritus folgten. Geprägt von den charismatischen Rabbinern Markus Horovitz und Nechemja Anton Nobel entwickelten sich diese Gottesdienste zum Ausgangspunkt der jüdischen Renaissance zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die nationalsozialistische Machtübernahme und das Novemberpogrom 1938 setzte der religiösen Strahlkraft der Börneplatz-Synagoge ein brutales Ende. Die synagogalen Gegenstände wurden geplündert, das Gebäude in Brand gesetzt und später auf Kosten der Gemeinde abgetragen. Einzelne steinerne Zeugnisse des Baus, darunter Fragmente des marmornen Tora-Schreins, gelangten in den 1980er Jahren in das Depot des Archäologischen Museums Frankfurt, ein Teil der rituellen Gegenstände auf unbekanntem Weg auf den Kunstmarkt. Die Tora-Aufsätze erwarb das Jüdische Museum bereits in den 1990er Jahren von einem Auktionshaus, das Tora-Schild konnte 2025 mit Mitteln des kommunalen Ankaufsetats der Stadt Frankfurt von einer Privatperson erstanden werden. Beides wird nun an die Jüdische Gemeinde Frankfurt restituiert. [Bild: Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust
Das Tora-Schild, der zugehörige Anhänger und die zwei Tora-Aufsätze bildeten ursprünglich den zusammengehörigen Schmuck einer Tora-Rolle, die in der Börneplatz-Synagoge verwahrt und genutzt wurde. Der Anhänger trägt eine Inschrift, die das Set als Stiftung von Rabbiner Markus Horovitz (1844 bis 1910) anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Börneplatz-Synagoge ausweist.
„Es ist ein historischer Moment, dass wir erstmals das Tora-Schild, seinen Anhänger sowie die Tora-Aufsätze aus der Börneplatz-Synagoge hier in Frankfurt wieder zusammenführen können, denn sie wurden 88 Jahre lang an verschiedenen Orten aufbewahrt. Ich freue mich sehr, dass wir das komplette Set nun in unserer Dauerausstellung als Leihgabe der Jüdischen Gemeinde Frankfurt präsentieren können“, sagt Eva Atlan, stellvertretende Direktorin und Oberkustodin am Jüdischen Museum Frankfurt.
Der Tora-Schmuck wurde um 1904 in der Werkstatt von Leo Horovitz angefertigt – im Auftrag von dessen Vater Rabbiner Markus Horovitz. Gestalterisch verbindet das Set traditionelle Symbole zeremonieller jüdischer Kunst wie etwa die Darstellung der Bäume und deren Granatäpfel mit Elementen des Jugendstils wie den geschwungenen organischen Linien am unteren Rand des Tora-Schildes. Der Tora-Schmuck ist daher ein herausragendes Beispiel moderner Judaica aus Frankfurt. Ab Dienstag, 24. März, ist er im Ausstellungsraum „Pracht der Gebote“ der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt zu sehen.
Bedeutung für Stadt und Gemeinde
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, erklärt: „Die Restitution dieses Tora-Schmucks steht exemplarisch für den verantwortungsvollen Umgang der Stadt Frankfurt mit der Geschichte jüdischen Lebens in unserer Stadt. Dass die historisch zusammengehörenden Ritualobjekte heute wieder gemeinsam gezeigt werden können, ist ein wichtiges Zeichen der Erinnerung und zugleich Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Frankfurt, dem Jüdischen Museum und der Jüdischen Gemeinde.“
Marc Grünbaum, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, ergänzt: „Bei der Rückgabe des Tas und der Rimonim – des Tora-Schildes und der Tora-Aufsätze – aus der Frankfurter Silberschmiedewerkstatt Horovitz handelt es sich um eine ganz besondere Restitution. Historisch zusammengehörende Kultusgegenstände sind nach 88 Jahren wieder vereint. Sie kehren zurück zu unserer Gemeinde, zu der sie gehören. Dass die Stadt Frankfurt das Tora-Schild aus eigenen Mitteln erworben hat, um es an unsere Gemeinde zu restituieren, unterstreicht ihre besondere historische Verantwortung für das unserer Gemeinde angetane Unrecht.“
Die Präsentation der Objekte verdeutlicht die enge Zusammenarbeit zwischen dem Jüdischen Museum Frankfurt und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Viele der Ritualgegenstände und Textilien aus Synagogen, die das Museum in seinen Dauerausstellungen zeigt, sind Leihgaben der Gemeinde und bezeugen deren Geschichte vor und nach der Schoa.
Die Familie Horovitz Rabbiner Markus Horovitz (1844–1910) prägte über Jahrzehnte hinweg das religiöse Leben der orthodoxen Gemeinschaft innerhalb der Israelitischen Gemeinde Frankfurt, die in der Börneplatz-Synagoge, auch Horovitz-Synagoge genannt, zusammenfand. Sein Sohn Leo Horovitz (1876–1964) wurde zu einem weithin bekannten Silberschmied jüdischer Zeremonialkunst. Nach seiner Ausbildung zum Ziseleur und seinem Studium an der Frankfurter Kunstgewerbeschule sowie in Paris und München kehrte er nach Frankfurt zurück und betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Felix Horovitz ein Silberwarengeschäft. Neben profanen Arbeiten fertigten die Brüder vor allem jüdische Zeremonialobjekte an.
Fotos Eva Atlan, stellvertretende Direktorin und Oberkustodin am Jüdischen Museum Frankfurt, Marc Grünbaum, Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, und Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft (v.l.) mit den historischen Ritualobjekten im Jüischen Museum Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust
Das Jüdische Museum Frankfurt restituiert ein historisches Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätze aus der Werkstatt des Frankfurter Silberschmieds Leo Horovitz an die Jüdische Gemeinde Frankfurt, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Michael Faust
Börneplatz-Synagoge, Copyright: Jüdisches Museum Frankfurt
Kontakt für die Medien Rivka Kibel, Leitung Kommunikation, Jüdisches Museum Frankfurt, Telefon 069/212-39220