Klimaschutz
Energieberater Andrey Hepting, Projektleiter Dr. Carsten Cuny und der Kaufmännische Geschäftsführer, Sven Axt (von links nach rechts) auf dem Dach des Klinikums. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt – Klinikum
Mit Photovoltaikanlagen, Dämmung, Wärmepumpen und -rückgewinnung spart das Klinikum Darmstadt jährlich 1.186 Tonnen Treibhausgasemissionen und leistet so seinen Beitrag zum KlimaschutzDas Klinikum Darmstadt wird in den kommenden vier Jahren sieben Millionen Euro in den Klimaschutz investieren und dafür auch durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit als nationales Klimaschutzmodellprojekt gefördert.Durch Nutzung erneuerbarer Energien und effizientere Gebäude und Anlagen sollen die von außen zugeführte Energiemenge um 11 Prozent und die Emission von Treibhausgasen um 1.186 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Dazu geplante Maßnahmen sind der Aufbau von Photovoltaikanlagen, Wärmerückgewinnung aus Druckluft- und Kälteanlagen, der Einbau von Wärmepumpen sowie die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden. Die genauen Projektinhalte und -erfolge sollen auf einer eigenen Homepage präsentiert werden.Mit begleitenden nicht geförderten Vorhaben wie dem Austausch von 1.300 Filtern an 108 Lüftungsanlagen, der Optimierung von Anlagensteuerungen und der Anpassung der Regelstrategie seiner Blockheizkraftwerke will das Klinikum weitere 8 % Energie und 475 Tonnen CO2-Emissionen jährlich einsparen.Nach Abschluss des Modellprojekts ist die Transition zur Netto-Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2035 geplant – 15 Jahre vor der Zielsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, vertreten durch das Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung, unterstützt das Modellvorhaben ideell.Dem entsprechenden Förderantrag des Klinikums aus dem Jahr 2024 wurde im Februar stattgegeben.„In Deutschland erfolgt die Krankenhausfinanzierung nach dem dualen Finanzierungssystem, demnach sollen Investitionskosten vom Land übernommen werden, bedauerlicherweise ist die öffentliche Investitionsfinanzierung seit vielen Jahren nicht ausreichend. So haben wir auch unseren Zentralen Neubau großenteils über eigene Betriebsmittel finanziert. Daher sind wir über die Förderung für die Investitionen in den Klimaschutz sehr dankbar“, sagt Sven Axt, Sprecher der Geschäftsführung am Klinikum Darmstadt. Geschäftsführung und Aufsichtsrat haben der Umsetzung der geplanten Maßnahmen bereits zugestimmt. „Wir freuen uns, dass wir in dem zweistufigen Bewerbungsverfahren mit unserem Konzept überzeugen konnten“, so Dr. Carsten Cuny, der das Projekt leiten wird.Der Gesundheitssektor ist einer der großen CO2-Emittenten weltweilt und in einer geradezu zwiegespaltenen Lage: Einerseits ist es sein Ziel, die Versorgung der Menschen sicherzustellen und dabei andere Belange wie wirtschaftliche, technische oder etwa energetische Fragen zurückzustellen und anderseits schädigt er durch Treibhausgase Umwelt und Klima und damit auch die Gesundheit der Bevölkerung. Erst im Oktober 2025 hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft ein Positionspapierdazu herausgegeben.Das Klinikum Darmstadt eignet sich wegen seiner mittleren Größe, der maximalen medizinischen Versorgungsstufe sowie aufgrund seiner geografischen und innerstädtischen Lage im Klima-Hotspot Südhessen als Modell für andere Krankenhäuser im Handlungsfeld Energie- und Ressourceneffizienz. Bereits seit mehr als zehn Jahren wird hier an der Senkung der direkten Treibhausgasemissionen und der Reduktion des Energieverbrauchs gearbeitet.Für Krankenhäuser bedeutet die Transformation der Energieversorgung im laufenden Betrieb, oft auch in gewachsenen Versorgungsstrukturen und immer unter Erhaltung der Versorgungssicherheit und redundanter Versorgungswege zum Schutz von Leib und Leben der Patientinnen und Patienten sowie zur Erfüllung des öffentlichen Versorgungsauftrags ein komplexes Unterfangen und so dürfte das Darmstädter Modell zu einem Beispiel für andere Häuser mit der gleichen Umstellungsproblematik werden, diesem Vorbild zu folgen.Die Energiekosten sind aufgrund des hohen Energiebedarfs wesentlicher Bestandteil der laufenden Ausgaben von Krankenhäusern. „Gerade jetzt, wo wir alle die direkten Auswirkungen von Krisen wie dem Angriff auf den Iran oder den Ukrainekrieg auf die Versorgung und die Kosten von fossilen Energien vor Augen haben“, so Cuny, „wird die Notwendigkeit einer Umstellung auf resiliente und erneuerbare Energiequellen umso deutlicher.“ Die aktuelle Krankenhausreform wird die Finanzierung der Häuser zwar grundlegend verändern, weiterhin aber werden Klimaschutz wohl nicht honoriert und die Mehrkosten durch klimaschonendes Handeln nicht abgedeckt werden.Das Projekt soll mit etablierten und am Markt verfügbaren Lösungen Wege aufzeigen, einen Maximalversorger klimaneutral, nachhaltig und langfristig wirtschaftlicher aufzustellen.Auch die Energiemenge von 3,9 Millionen Kilowattstunden, die im Klinikum jährlich eingespart werden sollen, dürfte auf breites Interesse stoßen. Einerseits als Beispiel im Rahmen der nationalen Einsparziele und andererseits als Ansporn, die eigene Verwendung von Energie effizienter zu gestalten.