Kunst als Mittel zum Überleben
Ausstellung „Bilder aus Theresienstadt“ war für eine Woche in den
Römerhallen zu sehen
ffm. Das Ghetto Theresienstadt war ein Ort des Schreckens und zugleich ein Ort der Kultur. Jüdische Musiker, Maler und Wissenschaftler entfalteten eine enorme Produktivität, Lehrkräfte unterrichteten Kinder in Kellern und auf Dachböden. So gelang es den Menschen, zumindest zeitweise, die Todesangst zu verdrängen und von Normalität wenigstens zu träumen.
Reproduktionen sowie zwei Originale der dort entstandenen Werke zeigt die Ausstellung „Bilder aus Theresienstadt“, die für eine Woche in den Römerhallen zu sehen war. Imrich Donath, Honorarkonsul der Slowakischen Republik, hatte sie initiiert. Bei der Finissage am Donnerstagabend, 29. Januar, sagte er: „In Theresienstadt wurde Kunst zum Akt des Widerstand. Jeder muss heute dazu beitragen, die Demokratie zu erhalten, es ist die Verantwortung der zweiten und dritten Generation, die Erinnerung muss weitergegeben werden.“ [Bild: Honorarkonsul Imrich Donath übergab einen „Tree of Terezin“ an Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß]
„Die Ausstellung stellt die Kunst in den Mittelpunkt – nicht als
ästhetischen Gegenstand, sondern als Zeugnis. Sie führt uns an einen
Ort des Grauens und zeigt zugleich den Überlebenswillen und die
Hoffnung. Sie zeigt Zeugnisse von Menschen, die mit künstlerischen
Mitteln dem Tod, der Entmenschlichung und dem Vergessen widersprochen
haben“, sagte Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, die die
Gäste im Namen der Stadt begrüßte.
Weitere Grußworte sprachen Benjamin Graumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, und Uwe Becker, Antisemitismus-Beauftragter des Landes Hessen. Anschließend erzählte die Zeitzeugin Ruth Haas, die als 15-Jährige aus Theresienstadt flüchten konnte, im Gespräch mit der Autorin Barbara Bišicky von ihren Erfahrungen.
Am Ende übergab Konsul Donath einen „Tree of Terezin“ an die Stadt Frankfurt. Er ist ein Ableger eines Baums, der 1943 im Ghetto Theresienstadt stand. In ihrer Dankesrede sagte Eskandari-Grünberg: „Dieser Baum steht symbolisch für etwas sehr Wesentliches: für das Weiterleben, für Verwurzelung und für Verantwortung über Generationen hinweg. In diesem Sinne kann er zu einem lebendigen Zeichen des Erinnerns werden, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.“
Hintergrund Das Ghetto Theresienstadt, ein ehemaliger Militärstützpunkt in der heutigen Tschechischen Republik, wurde 1941 von den Nationalsozialisten als Sammellager für Jüdinnen und Juden verwendet. Während die äußeren Bedingungen hart und oft unerträglich waren, entwickelte sich innerhalb des Ghettos ein bemerkenswertes kulturelles Leben, das sich in verschiedenen Formen der Kunst ausdrückte. Diese künstlerischen Bestrebungen waren nicht nur ein Akt des Widerstands, sondern auch ein Ausdruck von Hoffnung, Identität und Menschlichkeit in einem undurchdringlichen Abgrund. Mehr als 155.000 Menschen durchliefen das Lager. Etwa 35.000 von ihnen starben dort, 88.000 wurden in Vernichtungslager deportiert.
Fotos
Die Ausstellung zeigt Bilder, auf denen die Menschen im Ghetto Theresienstadt ihren Alltag darstellten, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Honorarkonsul Imrich Donath übergab einen „Tree of Terezin“ an Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Zeitzeugin Ruth Haas (rechts) berichtete im Gespräch mit Autorin Barbara Bišicky von ihren Erfahrungen im Ghetto Theresienstadt, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
ffm. Das Ghetto Theresienstadt war ein Ort des Schreckens und zugleich ein Ort der Kultur. Jüdische Musiker, Maler und Wissenschaftler entfalteten eine enorme Produktivität, Lehrkräfte unterrichteten Kinder in Kellern und auf Dachböden. So gelang es den Menschen, zumindest zeitweise, die Todesangst zu verdrängen und von Normalität wenigstens zu träumen.
Reproduktionen sowie zwei Originale der dort entstandenen Werke zeigt die Ausstellung „Bilder aus Theresienstadt“, die für eine Woche in den Römerhallen zu sehen war. Imrich Donath, Honorarkonsul der Slowakischen Republik, hatte sie initiiert. Bei der Finissage am Donnerstagabend, 29. Januar, sagte er: „In Theresienstadt wurde Kunst zum Akt des Widerstand. Jeder muss heute dazu beitragen, die Demokratie zu erhalten, es ist die Verantwortung der zweiten und dritten Generation, die Erinnerung muss weitergegeben werden.“ [Bild: Honorarkonsul Imrich Donath übergab einen „Tree of Terezin“ an Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Weitere Grußworte sprachen Benjamin Graumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, und Uwe Becker, Antisemitismus-Beauftragter des Landes Hessen. Anschließend erzählte die Zeitzeugin Ruth Haas, die als 15-Jährige aus Theresienstadt flüchten konnte, im Gespräch mit der Autorin Barbara Bišicky von ihren Erfahrungen.
Am Ende übergab Konsul Donath einen „Tree of Terezin“ an die Stadt Frankfurt. Er ist ein Ableger eines Baums, der 1943 im Ghetto Theresienstadt stand. In ihrer Dankesrede sagte Eskandari-Grünberg: „Dieser Baum steht symbolisch für etwas sehr Wesentliches: für das Weiterleben, für Verwurzelung und für Verantwortung über Generationen hinweg. In diesem Sinne kann er zu einem lebendigen Zeichen des Erinnerns werden, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.“
Hintergrund Das Ghetto Theresienstadt, ein ehemaliger Militärstützpunkt in der heutigen Tschechischen Republik, wurde 1941 von den Nationalsozialisten als Sammellager für Jüdinnen und Juden verwendet. Während die äußeren Bedingungen hart und oft unerträglich waren, entwickelte sich innerhalb des Ghettos ein bemerkenswertes kulturelles Leben, das sich in verschiedenen Formen der Kunst ausdrückte. Diese künstlerischen Bestrebungen waren nicht nur ein Akt des Widerstands, sondern auch ein Ausdruck von Hoffnung, Identität und Menschlichkeit in einem undurchdringlichen Abgrund. Mehr als 155.000 Menschen durchliefen das Lager. Etwa 35.000 von ihnen starben dort, 88.000 wurden in Vernichtungslager deportiert.
Fotos
Die Ausstellung zeigt Bilder, auf denen die Menschen im Ghetto Theresienstadt ihren Alltag darstellten, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Honorarkonsul Imrich Donath übergab einen „Tree of Terezin“ an Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
Zeitzeugin Ruth Haas (rechts) berichtete im Gespräch mit Autorin Barbara Bišicky von ihren Erfahrungen im Ghetto Theresienstadt, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß