Magistrat beschließt Kauf des Petrihauses in Rödelheim

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Stadt Frankfurt und Förderverein Petrihaus sichern gemeinsam die Zukunft des Kultur- und Begegnungsortes

ffm. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat den Ankauf des Petrihauses in Rödelheim am Freitag, 4. September, beschlossen. Die Stadt erwirbt das Erbbaurecht – und damit das Gebäudeensemble einschließlich des vorhandenen Inventars – vom Förderverein Petrihaus. Damit sichern Stadt und Förderverein gemeinsam die Zukunft eines kulturhistorisch bedeutenden Ortes, den der Verein über Jahrzehnte erhalten, saniert und mit Leben gefüllt hat.

Ein Plan für das Denkmal der Romantik

Das heute denkmalgeschützte Petrihaus ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Romantik in Frankfurt. Es liegt gegenüber dem Brentanopark an der Nidda und geht auf Georg Brentano zurück, der das Anwesen 1819 erwarb. Der Ort wurde zu einem Treffpunkt des kulturellen Lebens seiner Zeit. Unter anderem hielten sich Clemens Brentano, Bettine von Arnim und Friedrich Carl von Savigny dort auf. Und Johann Wolfgang von Goethe beschrieb in einem Brief einen „ungezogen lustigen Mittag“, den er bei Georg Brentano in Rödelheim zugebracht habe.

Das Gebäude liegt auf einem Grundstück der Stadt Frankfurt, auf dem auch ein etwa 260 Jahre alter Ginkgo steht, der als der älteste Ginkgo-Baum Europas gilt und heute als Naturdenkmal geschützt ist. Er wird auch als „Goethe-Ginkgo“ bezeichnet, weil er Goethe möglicherweise zu seinen Ginkgo-Versen im „West-östlichen Divan“ inspiriert hat.

Das Petrihaus war nach langem Leerstand durch den Förderverein umfassend saniert und 2003 wieder zugänglich gemacht worden. Heute finden dort unter anderem Konzerte, Lesungen, Führungen und museale Veranstaltungen statt.

„Der Kauf des Petrihauses ist eine gute Investition in unsere Stadt. Dieses Ensemble ist identitätsstiftend für Frankfurt, steht für ein wichtiges Kapitel unserer Kulturgeschichte und ist zugleich ein lebendiger Begegnungsort für Rödelheim. Wenn ein solcher Ort in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, darf die Stadt nicht einfach zuschauen“, sagt Wolfgang Siefert, Dezernent für Bauen, Liegenschaften und Kliniken. „Ich danke dem Förderverein für seinen jahrzehntelangen Einsatz und dafür, dass er sich um das langfristige Fortbestehen des Projektes gekümmert hat. Mein Dank gilt außerdem meinen Kolleginnen Dr. Ina Hartwig und Sylvia Weber, die sich dafür eingesetzt haben, dass wir dieses Engagement in einer neuen Konstellation weiterführen können.“

Engagement des Fördervereins macht Petrihaus mit neuem Atelierhaus zum charmanten Veranstaltungsort

Prof. Wilhelm Bender, Rödelheimer Bürger und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Fraport, hatte den Förderverein Petrihaus 1998 gegründet und den endgültigen Verfall des Gebäudes verhindert. Die umfassende, denkmalgerechte Sanierung des Hauses wurde ausschließlich aus Mitteln der Fraport sowie zahlreicher privater Spenderinnen und Spender finanziert.

Der Förderverein mit 200 aktiven Mitgliedern machte das historische Gebäude anschließend als Museum und Veranstaltungsort öffentlich zugänglich. Zwischen 2017 und 2019 errichtete der Verein mit dem „Atelierhaus Wolfgang Steubing“ zudem ein modernes Veranstaltungsgebäude für rund 200 Personen. Auch dieses Haus wurde ausschließlich durch private Spenderinnen und Spender sowie die ausführenden Firmen finanziert – an der Spitze der Frankfurter Mäzen Wolfgang Steubing.

„Dieser Ort ist ein besonderer Teil meiner Heimat, der mir am Herzen liegt“, sagt Bender, Vorsitzender des Fördervereins. „Wir haben mit dem Verein über viele Jahre dafür gearbeitet, das Petrihaus zu retten und wieder zu einem lebendigen Ort für die Menschen zu machen. Dafür haben uns zahlreiche Unternehmen sowie viele Frankfurterinnen und Frankfurter großzügig unterstützt. Ich bin der Stadt dankbar, dass sie dieses Engagement würdigt und nun Verantwortung für die Zukunft übernimmt. Entscheidend ist: Der Ort bleibt erhalten, und seine Geschichte und sein kulturelles Leben können – auch dank des aktiven Fördervereins – weitergehen.“

Konstruktive Zusammenarbeit zwischen Stadt Frankfurt und Förderverein

Die wirtschaftliche Situation des Fördervereins hatte sich zuletzt deutlich verschärft. Nach den Belastungen der Corona-Pandemie und angesichts steigender Unterhaltskosten drohte eine wirtschaftlich nicht mehr tragfähige Situation. Wilhelm Bender hatte sich an die Stadt Frankfurt am Main gewandt, die seit 2023 gemeinsam mit dem Förderverein nach einer langfristigen Lösung gesucht hatte. Umfangreiche Prüfungen waren notwendig, bevor nun die Einigung zustande kam.

Wie geht es weiter?

Nach dem Magistratsbeschluss wird der M-Vortrag nun den Stadtverordneten vorgelegt. Parallel sucht die Stadt mit dem zuständigen Amt für Bau und Immobilien einen umsichtigen Betreiber für das Atelierhaus, der einen langfristigen, wirtschaftlich tragfähigen Veranstaltungsbetrieb ermöglicht. Verein und Betreiber sollen dabei zusammenarbeiten. Ziel ist, das Petrihaus als Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort für Rödelheim und ganz Frankfurt dauerhaft zu sichern.

Der Förderverein kann seine kulturellen Aktivitäten am Petrihaus auch künftig fortsetzen. Die getroffene Vereinbarung sieht dafür eine unentgeltliche Nutzung des Petrihauses an bis zu 20 Tagen im Jahr und des Atelierhauses an bis zu zehn Tagen im Jahr vor.

Kontakt für die Medien  Wiebke Lang, Pressesprecherin, Dezernat für Bauen, Liegenschaften und Kliniken, Telefon 069/212-31482 , Mobil 0170/1814611 , E-Mail wiebke.lang@stadt-frankfurt.de