Museum für Moderne Kunst erweitert seine Sammlung um drei bedeutende Neuerwerbungen
ffm. Das Museum für Moderne Kunst (MMK) kann, dank des Ankaufsetats
für die städtischen Museen, drei neue Werke für seine Sammlung
erwerben: „On the way to the studio“ von Jana Euler aus dem Jahr
2025, „Akkordarbeiterin“ von Azade Köker aus dem Jahr 1987 sowie
„Massacre at Wounded Knee I“ von Fritz Scholder aus dem Jahr 1970.
Der Ankauf von Jana Eulers großformatigem, rund 2,80 Meter mal 2 Meter umfassenden Ölgemäldes „On the way to the studio“ wurde kürzlich vom Kulturausschuss der Stadt Frankfurt bewilligt.
Alle drei Ankäufe vertiefen zentrale künstlerische Positionen innerhalb der Sammlung und führen bestehende Werkzusammenhänge konsequent fort. Zugleich eröffnen sie neue Perspektiven und Dialoge im Sammlungsbestand.
Jana Euler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main
Eulers Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und Figuration, Text und Form, Ernsthaftigkeit und Humor. „On the way to the studio“ setzt diese Entwicklung fort und reagiert auf die seltsamen, oft komischen und bisweilen dunklen Seiten unserer Gegenwart. Mit dieser Arbeit betont die Künstlerin ihren Antrieb, weiterzuarbeiten und die Welt selbst unter schwierigen Bedingungen zu verstehen – dargestellt in ihrem charakteristisch satirischen Stil. Das Gemälde zeigt die Straßen, an der sich der Tower MMK befindet und besitzt so eine besondere Bedeutung für das MMK, das Eulers Werk seit mehreren Jahren verfolgt und bereits zwei Arbeiten der Künstlerin – „GWF 10“ (2020) und „MMK Triptychon“ (2019) – besitzt.
Azade Köker zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Ihr Werk ist tief in den sozialen und politischen Fragestellungen einer Zeit verwurzelt, in der die Bundesrepublik Deutschland zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren maßgeblich durch Flucht, Exil und Migration geprägt war. Als Bildhauerin setzt sich Köker intensiv mit der Rolle der Frau in patriarchalen Strukturen sowie mit den Auswirkungen kapitalistischer Ökonomien auf individuelle und gesellschaftliche Identitäten auseinander. Ein monumentales Beispiel hierfür ist die Skulptur „Akkordarbeiterin“ (1987), die mit über zwei Metern Höhe ein kraftvolles Denkmal aus Terrakotta für die in der Bundesrepublik in Fabriken tätigen Frauen – insbesondere für Migrantinnen aus der Türkei – setzt. Kökers Skulpturen waren 2024 in der Ausstellung „There is no there there“ im MMK zu sehen. Schon zu diesem Zeitpunkt erwarb das Museum die Werke „Leben und Tod“ (1987) und „Two Figures Wrapping Wool“ (1982 bis 1983). Dank Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung kommt nun auch „Akkordarbeiterin“ in die Sammlung.
Fritz Scholder nimmt mit seiner Malerei „Massacre at Wounded Knee I“, die in seine bekannteste Schaffensphase fällt, in der er die Serie der „Indian Paintings“ (1967 bis 1980) entwickelte, Bezug auf das Massaker an fast 300 Lakota durch Truppen der US-Armee am 29. Dezember 1890 im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota – ein Ereignis im Kontext der gewaltsamen Unterdrückung Indigenen Widerstands. Der Künstler erzeugt durch die abstrakte Komposition, die intensive Farbpalette und die kraftvollen Pinselstriche ein körperlich spürbares Gefühl von Gewalt. Die für sein Werk charakteristischen Verzerrungen – ein verschwommenes, deformiertes Gesicht und ein abstrahierter Körper– evozieren psychisches und emotionales Trauma. Wie andere Werke der Serie ist auch dieses Gemälde ein eindringliches Statement gegen die von den USA sanktionierte Gewalt gegenüber Indigenen Völkern.
Kulturdezernentin: Ankäufe sind auch eine Investition in kommende Generationen
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, sagt: „Mit diesen Ankäufen setzt das MMK seine klare sammlungspolitische Linie fort. Wir fördern gezielt künstlerische Positionen, die relevante gesellschaftliche Diskurse spiegeln und Frankfurt als internationalen Kunststandort kontinuierlich profilieren. Die Erweiterung der Sammlung ist immer auch eine Investition für kommende Generationen.“
Mit diesen Erwerbungen bekräftigt das MMK seinen Anspruch, die Sammlung kontinuierlich weiterzuentwickeln und maßgebliche Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst langfristig zu sichern.
Informationen zum städtischen Ankaufsetat Seit 2019 haben die städtischen Museen wieder ein Budget, um ihre Sammlungen zu erweitern. Zum ersten Mal seit 2004 wurde damit wieder ein Ankaufsetat für die Museen eingeführt. Eingeführt wurde er zunächst für das MMK mit 500.000 Euro pro Jahr. Seit 2020 gibt es ein Zusatzbudget von 600.000 Euro für alle städtischen Museen, inklusive des Instituts für Stadtgeschichte. Insgesamt beträgt der städtische Ankaufsetat damit 1,1 Millionen Euro. Alle Ankäufe über 20.000 Euro müssen vom Kulturausschuss der Stadt Frankfurt bewilligt werden.
Foto Foto vom Kunstwerk „On the way to the studio“, Copyright: Jana Euler und Júlia Standovár
Kontakt für die Medien
Hanna Immich, Pressesprecherin, Dezernat Kultur und Wissenschaft, Telefon 069/212-49232, E-Mail
hanna.immich@stadt-frankfurt.de
Der Ankauf von Jana Eulers großformatigem, rund 2,80 Meter mal 2 Meter umfassenden Ölgemäldes „On the way to the studio“ wurde kürzlich vom Kulturausschuss der Stadt Frankfurt bewilligt.
Alle drei Ankäufe vertiefen zentrale künstlerische Positionen innerhalb der Sammlung und führen bestehende Werkzusammenhänge konsequent fort. Zugleich eröffnen sie neue Perspektiven und Dialoge im Sammlungsbestand.
Jana Euler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main
Eulers Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und Figuration, Text und Form, Ernsthaftigkeit und Humor. „On the way to the studio“ setzt diese Entwicklung fort und reagiert auf die seltsamen, oft komischen und bisweilen dunklen Seiten unserer Gegenwart. Mit dieser Arbeit betont die Künstlerin ihren Antrieb, weiterzuarbeiten und die Welt selbst unter schwierigen Bedingungen zu verstehen – dargestellt in ihrem charakteristisch satirischen Stil. Das Gemälde zeigt die Straßen, an der sich der Tower MMK befindet und besitzt so eine besondere Bedeutung für das MMK, das Eulers Werk seit mehreren Jahren verfolgt und bereits zwei Arbeiten der Künstlerin – „GWF 10“ (2020) und „MMK Triptychon“ (2019) – besitzt.
Azade Köker zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Ihr Werk ist tief in den sozialen und politischen Fragestellungen einer Zeit verwurzelt, in der die Bundesrepublik Deutschland zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren maßgeblich durch Flucht, Exil und Migration geprägt war. Als Bildhauerin setzt sich Köker intensiv mit der Rolle der Frau in patriarchalen Strukturen sowie mit den Auswirkungen kapitalistischer Ökonomien auf individuelle und gesellschaftliche Identitäten auseinander. Ein monumentales Beispiel hierfür ist die Skulptur „Akkordarbeiterin“ (1987), die mit über zwei Metern Höhe ein kraftvolles Denkmal aus Terrakotta für die in der Bundesrepublik in Fabriken tätigen Frauen – insbesondere für Migrantinnen aus der Türkei – setzt. Kökers Skulpturen waren 2024 in der Ausstellung „There is no there there“ im MMK zu sehen. Schon zu diesem Zeitpunkt erwarb das Museum die Werke „Leben und Tod“ (1987) und „Two Figures Wrapping Wool“ (1982 bis 1983). Dank Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung kommt nun auch „Akkordarbeiterin“ in die Sammlung.
Fritz Scholder nimmt mit seiner Malerei „Massacre at Wounded Knee I“, die in seine bekannteste Schaffensphase fällt, in der er die Serie der „Indian Paintings“ (1967 bis 1980) entwickelte, Bezug auf das Massaker an fast 300 Lakota durch Truppen der US-Armee am 29. Dezember 1890 im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota – ein Ereignis im Kontext der gewaltsamen Unterdrückung Indigenen Widerstands. Der Künstler erzeugt durch die abstrakte Komposition, die intensive Farbpalette und die kraftvollen Pinselstriche ein körperlich spürbares Gefühl von Gewalt. Die für sein Werk charakteristischen Verzerrungen – ein verschwommenes, deformiertes Gesicht und ein abstrahierter Körper– evozieren psychisches und emotionales Trauma. Wie andere Werke der Serie ist auch dieses Gemälde ein eindringliches Statement gegen die von den USA sanktionierte Gewalt gegenüber Indigenen Völkern.
Kulturdezernentin: Ankäufe sind auch eine Investition in kommende Generationen
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, sagt: „Mit diesen Ankäufen setzt das MMK seine klare sammlungspolitische Linie fort. Wir fördern gezielt künstlerische Positionen, die relevante gesellschaftliche Diskurse spiegeln und Frankfurt als internationalen Kunststandort kontinuierlich profilieren. Die Erweiterung der Sammlung ist immer auch eine Investition für kommende Generationen.“
Mit diesen Erwerbungen bekräftigt das MMK seinen Anspruch, die Sammlung kontinuierlich weiterzuentwickeln und maßgebliche Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst langfristig zu sichern.
Informationen zum städtischen Ankaufsetat Seit 2019 haben die städtischen Museen wieder ein Budget, um ihre Sammlungen zu erweitern. Zum ersten Mal seit 2004 wurde damit wieder ein Ankaufsetat für die Museen eingeführt. Eingeführt wurde er zunächst für das MMK mit 500.000 Euro pro Jahr. Seit 2020 gibt es ein Zusatzbudget von 600.000 Euro für alle städtischen Museen, inklusive des Instituts für Stadtgeschichte. Insgesamt beträgt der städtische Ankaufsetat damit 1,1 Millionen Euro. Alle Ankäufe über 20.000 Euro müssen vom Kulturausschuss der Stadt Frankfurt bewilligt werden.
Foto Foto vom Kunstwerk „On the way to the studio“, Copyright: Jana Euler und Júlia Standovár
Kontakt für die Medien
Hanna Immich, Pressesprecherin, Dezernat Kultur und Wissenschaft, Telefon 069/212-49232