„Ohne Menschen, die ihrem Gewissen folgen, gibt es keine Freiheit“

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Gedenkstunde mit Kämmerer Bergerhoff in der Paulskirche zum 20. Juli 1944

ffm. In der Frankfurter Paulskirche wurde am Montag, 20. Juli, der Opfer des deutschen Widerstands von 1933 bis 1945 und des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 gedacht. Kämmerer Bastian Bergerhoff begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Frankfurt am Main und hielt die Ansprache.

„Der 20. Juli erinnert uns daran, dass Geschichte niemals nur aus dem besteht, was geschieht. Geschichte besteht ebenso aus den Entscheidungen von Menschen – aus ihrem Handeln, ihrem Schweigen, ihrem Mut und ihrer Angst“, sagte Bergerhoff. Vor 82 Jahren, am 20. Juli 1944, wollten Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Adjutant Oberleutnant Werner von Haeften mit dem Attentat auf Adolf Hitler und einem Staatsstreich dem NS-Regime ein Ende setzen – vergeblich. Bergerhoff würdigte in seiner Rede die Vorbildlichkeit des Widerstandes, der sich durch alle Gesellschafts- und Bildungsschichten gezogen hatte. „Der 20. Juli lehrt uns vor allem eines: Es gibt eine Instanz, die höher steht als Macht, Ideologie und blinder Gehorsam. Es ist das Gewissen. Das Gewissen kann unbequem sein. Es verlangt Mut. Es fordert Entscheidungen. Aber ohne Menschen, die ihrem Gewissen folgen, gibt es keine Freiheit“, mahnte Bergerhoff. „Die Frauen und Männer des Widerstandes haben ihrem Gewissen mehr vertraut als den Befehlen eines verbrecherischen Staates. Dafür bezahlten viele mit ihrem Leben. Ihr Vermächtnis verpflichtet uns.“

Stadtkämmerer Bergerhoff betonte außerdem die Notwendigkeit des Gedenkens: „Mit dem Tod der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verändert sich unsere Erinnerungskultur. Bald wird niemand mehr persönlich berichten können, was Diktatur, Krieg und Verfolgung bedeutet haben. Umso größer wird unsere Verantwortung. Wir müssen erzählen. Wir müssen erklären. Wir müssen widersprechen, wenn Geschichte verfälscht oder verharmlost wird. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Erinnerung lebendig bleibt.“

Nach der jährlichen Gedenkstunde fand eine stille Kranzniederlegung am Mahnmal der Opfer der Gewaltherrschaft an der Paulskirche statt.

Fotos Kämmerer Bastian Bergerhoff begrüßte die Gäste der Gedenkstunde im Namen der Stadt Frankfurt am Main und hielt die Ansprache, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Stille Kranzniederlegung mit Gästen und Kämmerer Bastian Bergerhoff am Mahnmal der Opfer der Gewaltherrschaft an der Paulskirche, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Mahnmal der Opfer der Gewaltherrschaft an der Paulskirche nach der Kranzniederlegung, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes