Prestige und Aufstieg in den römischen Provinzen

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Internationales Kolloquium zur sozialen Mobilität im Imperium Romanum startet im Archäologischen Museum Frankfurt

ffm. Wie veränderte die römische Herrschaft das Leben der Menschen in den Provinzen? Welche Möglichkeiten sozialen Aufstiegs eröffneten sich durch Militärdienst, Handel oder neue politische Strukturen? Und wie spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen in Grabmälern, Weihesteinen oder repräsentativer Architektur wider? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das internationale Kolloquium „Soziale Mobilität“, das von Montag, 1., bis Sonntag, 7. Juni, in Frankfurt, Mainz und auf der Saalburg stattfindet.

Die Tagung beginnt am ersten Veranstaltungstag im Archäologischen Museum Frankfurt und versammelt rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, wird diese Internationale Tagung eröffnen und die Gäste begrüßen.

Es handelt sich um die 19. Ausgabe des renommierten Colloquium on Roman Provincial Art (CRPA), das zu den wichtigsten internationalen Fachveranstaltungen zur Erforschung der Steindenkmäler der römischen Provinzen zählt.

Welche Veränderungen brachte das römische Reich mit sich?

Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung steht die Frage, wie sich gesellschaftliche Veränderungen im Imperium Romanum materiell ausdrückten. Die römische Expansion brachte tiefgreifende Umbrüche mit sich: Neue Siedlungsformen entstanden, Handelsnetzwerke erweiterten sich, kulturelle Einflüsse verbreiteten sich über große Entfernungen hinweg. Alte Eliten mussten ihre Stellung neu definieren, neue gesellschaftliche Gruppen gewannen an Bedeutung. Bürgerrechtsverleihungen und wirtschaftliche Vernetzungen eröffneten auch Angehörigen niedrigerer sozialer Gruppen neue Aufstiegsmöglichkeiten.

Gerade in den nördlichen Provinzen des Römischen Reiches boten die neuen mediterranen Medien Bild, Schrift und Architektur neue Möglichkeiten, gesellschaftlichen Status sichtbar zu machen. Besonders Grab- und Weihedenkmäler, aber auch repräsentative Wohnraumausstattungen geben Einblicke in die sozialen Dynamiken dieser Zeit und erlauben neue Perspektiven auf Identität, Prestige und gesellschaftliche Teilhabe im römischen Reich.

Internationale Kolloquien alle zwei Jahre an wechselnden Orten

Die Kolloquien zum provinzialrömischen Kunstschaffen finden seit 1989 alle zwei Jahre an wechselnden Orten des ehemaligen Römischen Reiches statt. Sie zeichnen sich durch ihre besondere internationale und interdisziplinäre Ausrichtung aus und verbinden wissenschaftliche Diskussionen mit der direkten Begegnung mit archäologischen Denkmälern, Museen und historischen Stätten.

Für die diesjährige Ausgabe haben sich fünf Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen: die Goethe-Universität Frankfurt, die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz, das Römerkastell Saalburg sowie das Archäologische Museum Frankfurt. Als Mitglieder des Verbunds Archäologie Rhein-Main (VARM) stehen sie beispielhaft für die enge Zusammenarbeit von Universitäten, Museen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Denkmalpflege in der Rhein-Main-Region.

Archäologisches Museum Frankfurt macht 2026 den Auftakt

Mit dem Auftakt im Archäologischen Museum Frankfurt wird zugleich die Bedeutung Frankfurts als international sichtbarer Standort für Archäologie und Altertumswissenschaften unterstrichen. Forschende Museen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie bewahren nicht nur kulturelles Erbe, sondern tragen aktiv zur wissenschaftlichen Forschung bei. In Nida wurden bedeutende und teils herausragende Zeugnisse provinzialrömischen Kunstschaffens entdeckt, darunter eindrucksvolle Mithras-Kultbilder, Jupitergigantensäulen sowie Darstellungen von Gottheiten wie Dea Candida und Mercur. Viele dieser Funde sind heute im Archäologischen Museum Frankfurt ausgestellt, das als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit archäologische Forschung sichtbar macht und zugleich anschaulich die kulturelle Vielfalt und religiöse Welt der römischen Provinzgesellschaft vermittelt.

Dezernentin Hartwig freut sich, dass das Archäologische Museum den Anfang der diesjährigen Reihe macht: „Frankfurt und die Rhein-Main-Region sind heute ein bedeutender Standort für Archäologie und Altertumswissenschaften, mit einer institutionellen Vielfalt und wissenschaftlichen Dichte, die weit über Deutschland hinaus ausstrahlt“. 

Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind eingeladen, am Auftakt der Tagung im Archäologischen Museum Frankfurt teilzunehmen. Der Abendempfang bietet die Möglichkeit zu zwanglosen Gesprächen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Interviewmöglichkeiten mit den Veranstaltenden und internationalen Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern können auf Anfrage gern vermittelt werden. Weitere Informationen zum Programm finden sich unter CRPA XIX – Soziale Mobilität 

Einen öffentlichen Abendvortrag während des Kolloquiums hält Henner von Hesberg, langjähriger Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Roms, am Montag, 1. Juni. Unter dem Titel „Soziale Mobilität – die Aussage archäologischer Zeugnisse aus dem Westen des römischen Reiches“ spricht er ab 19 Uhr im Archäologischen Museum in der Karmelitergasse 1 über die Veränderungen, die römische Eroberungen in die eroberten Gebiete brachten. 

Kontakt für die Medien Holger Kieburg, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation, Archäologisches Museum, Telefon 069/212-36747 , E-Mail holger.kieburg@stadt-frankfurt.de