Seit einem Jahr ist Yulia Carolin Kothe Charlotte-Prinz-Stipendiatin

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Darmstadt

Künstlerin Yulia Carolin Kothe mit Oberbürgermeister Hanno Benz im Atelierhaus in Arheilgen. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt Seit dem 1. Oktober 2025 ist die Künstlerin Yulia Carolin Kothe Charlotte-Prinz-Stipendiatin. Zur Halbzeit ihres Stipendiums hat sie ihren neuen Wohnort, das Atelierhaus in der Emil-Voltz-Straße in Arheilgen, für einen Medienrundgang geöffnet und im Beisein von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz von ihrer bisherigen Zeit in Darmstadt und ihrer aktuellen Schaffensphase berichtet. Noch ein weiteres Jahr lebt und arbeitet sie im Atelierhaus und setzt sich künstlerisch mit der Region und ihren Inspirationsflächen auseinander.Auf den ersten Blick wird beim Besuch im Atelierhaus deutlich, dass Kothe eine Künstlerin ist, die nicht nur mit einem Medium arbeitet, sondern mit vielen Mitteln ihre kreativen Ideen umsetzt. Mit einer Kombination aus Skulptur, Sound, Text, Performance und Installation hatte sie auch die Jury überzeugt. Für ihr aktuelles Kunstprojekt in Darmstadt hat Kothe sich von den Erdschichtungen in direkter Nachbarschaft zum UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel inspirieren lassen. Mit diesem kreativen Anspruch, Ortschaften zu erkunden, deren Material- und Soundeigenschaften sowie verborgene Erzählungen künstlerisch zu erforschen, ist Kothe ihr Stipendium in Darmstadt angetreten und will es weiter nutzen. Sie tritt mit Menschen in Kontakt, die mit dieser Landschaft und den Erdschichten eines nahezu verschwundenen „Schlackehügels“ in Verbindung stehen und bezieht die Geschichten dieses Ortes in ihre künstlerische Auseinandersetzung mit ein.Die Ergebnisse dieses kreativen Arbeitsprozesses sollen sich in einer Gesamtkomposition künstlerisch vereinen und am Ende ihrer Zeit in Darmstadt eine audiovisuelle Installation ergeben, die den Betrachtenden einen besonderen Einblick in diese Erdschichtungen verschafft. Ihre vorläufigen Ergebnisse sind vielfältig: Mit der rotbraunen Erde des „Schlackehügels“ hat Kothe eine eigene Farbmixtur hergestellt und Bilder produziert, weiter hat sie Kompositionen der Erdarbeiten und des Gerölls inszeniert, charaktervolle Interviews mit den Menschen vor Ort geführt und Fotografien der beeindruckenden kraterartigen Landschaft neu interpretiert.Das alles konnte realisiert werden, weil das Charlotte-Prinz-Stipendium Absolventinnen und Absolventen von Kunsthochschulen die Möglichkeit gibt, sich ohne große wirtschaftliche Belastung weiter entwickeln zu können. So sagt Kothe selbst über ihre bisherige Zeit in Arheilgen: „Hier im Atelierhaus von Charlotte Prinz zu leben und zu arbeiten, ermöglicht mir ein befreites Wirken, das kreative Prozesse befördert. Nach einem Jahr kann ich sagen, dieser Lebensort und seine Umgebung haben bei mir Eindruck hinterlassen und diesen setze ich nun in meinem Kunstprojekt um.“Die 16. Stipendiatin des Charlotte-Prinz-Stipendiums hat künstlerisch schon einiges gesehen: Yulia Carolin Kothe lernte an der Kunsthochschule Mainz und der Glasgow School of Art und wurde mit Auszeichnung graduiert. Ihre Arbeiten waren schon in Vilnius, Glasgow, München, Frankfurt am Main oder Wiesbaden zu sehen. Die 35-jährige gebürtige Gießenerin arbeitet nun zum ersten Mal in Darmstadt und lernt auch die hiesige kulturelle Infrastruktur und ihre Akteurinnen und Akteure kennen.Zuletzt war das Kunstarchiv Darmstadt bei ihr zu Gast, nun haben die örtlichen Medien und der Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz ihr einen Besuch abgestattet. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hält trotz finanziell herausfordernden Zeiten an ihrer Förderung für Kunst und Kultur fest. Für Benz zeigt sich vor Ort im Atelierhaus deutlich, warum: „Die Unterstützung der freien Kunst durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt zeigt sich im Charlotte-Prinz-Stipendium ganz konkret. Indem wir jungen Kreativen die Möglichkeit geben, in Darmstadt zu leben und zu arbeiten, wirken sie kulturell in unsere Stadtgesellschaft hinein. Hier in Arheilgen entsteht Kunst und mit diesem künstlerischen Engagement stärken wir die freie Kulturlandschaft in Darmstadt und ihren Mehrwert für unsere Bürgerinnen und Bürger.“Was in Darmstadt lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler bewirken können und welch nachhaltigen Effekt das für eine Stadtgesellschaft haben kann, zeigt die Stifterin des Stipendiums, Charlotte Prinz, selbst. Ihr Nachlass hat die Grundlage für das Charlotte-Prinz-Stipendium geschaffen. Prinz studierte in den 50er-Jahren an der Werkkunstschule Darmstadt und arbeitete fortan als freischaffende Künstlerin in Darmstadt. Vor ihrem Ableben 1993 initiierte sie das Stipendium und stellte der Wissenschaftsstadt Darmstadt ihr Wohn- und Atelierhaus dafür zur Verfügung.Seitdem führt die Wissenschaftsstadt Darmstadt das Stipendium fort und unterstützt die Stipendiaten zudem mit einer monatlichen Zuwendung von 1.100 Euro. Hinter dieser Förderung des künstlerischen Nachwuchses im Bereich der bildenden Kunst steht die Entscheidung einer Fachjury, die sich aus Akteurinnen und Akteuren der Darmstädter Kulturlandschaft zusammensetzt. Dieses Mal bildete sie Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz, die stellvertretende Direktorin des Instituts Mathildenhöhe Sandra Bornemann-Quecke, Katrin Thomschke vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Léon Krempel vom Kunstverein Darmstadt e.V. sowie die freie Künstlerin Johanna Krimmel.Alle zwei Jahre wird das Stipendium neu vergeben. Der nächste Turnus für das Charlotte-Prinz-Stipendium ist 2027 bis 2029. Bis dahin darf Darmstadt gespannt sein, was aus der Wirkungszeit von der aktuellen Stipendiatin Yulia Carolin Kothe noch entsteht.