Spatenstich für die Neugestaltung der Altstadtanlage
v.l.n.r.: Grünflächendezernent Michael Kolmer, Annette Laute (Leiterin des Stadtplanungsamts), Anke Bosch (Leiterin des Grünflächenamts), Johannes Drayß (Firma Säger), Birgit Gröning (ProjektStadt) und Ulf Schrader (Planorama Landschaftsarchitektur) beim Spatenstich für die Neugestaltung der Altstadtanlage. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt
Mit dem heutigen (29.) Spatenstich wurde der offizielle Start für die Sanierung und Neugestaltung der Altstadtanlage in Darmstadt eingeläutet. Die Baumaßnahme ist ein zentrales Projekt im Städtebaufördergebiet „Kapellplatz/Woogsviertel/Ostbahnhof“ und ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und ökologische Aufwertung im urbanen Raum. Die Bauarbeiten beginnen im August 2026 und sollen bis Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Die Planung wurde mit Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt.In den ersten Bauabschnitten werden Mauern abgerissen, Lampen ausgebaut und Wegebeläge entfernt. Anschließend folgt die Sicherung der Pflanzflächen, der Bau neuer Wege, Beeteinfassungen und Treppen sowie die barrierefreie Erschließung des Altstadtbalkons durch eine neue Rampe. Der Baumbestand kann weitestgehend erhalten bleiben.Die Altstadtanlage liegt zu großen Teilen oberhalb der Justus-Liebig-Tiefgarage und eines städtischen Umspannwerks, sie wurde Ende der 1970er Jahre gebaut und stellt ein Beispiel für eine gelungene nachhaltige Flachdachbegrünung dar. Während der Sanierung ist die Altstadtanlage für die Bevölkerung nicht zugänglich. Es ist jedoch vorgesehen, fertiggestellte Teilbereiche schrittweise freizugeben. Eine abschließende Beurteilung hierüber erfolgt im Zuge der Bauarbeiten.Mit der Neugestaltung der Altstadtanlage werden klimaresiliente und biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt. So werden 1.200 Quadratmeter extensive Staudenflächen sowie 200 Quadratmeter intensive Staudenflächen neu angelegt, die das Erscheinungsbild der Anlage verschönern und Insekten und Vögel Lebensraum bieten sollen. Zudem entstehen 100 Quadratmeter Sandlinsen, die als Nisthabitat für Insekten dienen und so die Artenvielfalt fördern. Ergänzt wird dies durch die Pflanzung von über 150 neuen Sträuchern und einem Baum.Auch die Gestaltungselemente unterstreichen den nachhaltigen Ansatz: 1.700 Quadratmeter Naturstein-Kleinpflaster und rund 300 laufende Meter Sandsteinmäuerchen werden das neue Bild der Anlage prägen, während gute 50 laufende Meter Holz-Sitzbereiche zum Verweilen einladen.Ein Fokus liegt auf der Wiederverwendung von Materialien, um Ressourcen zu schonen. Die historischen Leuchten aus den 1980er Jahren werden zum überwiegenden Teil an Orplid Darmstadt e.V. gespendet und dort weitestgehend wieder aufgebaut. Eine der abgebauten Lampen erhält der Verein Bürgeraktion Bessungen-Ludwigshöhe e.V. Auch Klinkersteine finden eine zweite Verwendung – sie werden durch die Ausbildungsgruppe des Grünflächenamts wiederverwendet. Zudem werden Sandsteinplatten soweit möglich wieder eingesetzt und nur dort durch neue ergänzt, wo es notwendig ist.Im Sinne der Inklusion bestehen alle neuen Wege aus gesägtem Natursteinpflaster (Granit), das für Rollstühle und Rollatoren optimal befahrbar ist. Darüber hinaus dienen erhöhte Einfassungen als Tastkanten für Blinde und Sehbehinderte. Wo dies nicht möglich ist, wird ein Blindenleitsystem aus Rillenplatten und Aufmerksamkeitsfeldern eingebaut.Dazu Grünflächendezernent Michael Kolmer: „Mit der Neugestaltung der Altstadtanlage setzen wir ein klares Zeichen für Klimaresilienz und Artenvielfalt in unserer Stadt. Die extensiven Staudenflächen, Sandlinsen und die Wiederverwendung von Materialien zeigen, wie wir Nachhaltigkeit lebendig machen – für einen attraktiven Aufenthaltsort in der Innenstadt, der für die Bürgerinnen und Bürger zum Lieblingsort werden soll.“Im Zuge der Arbeiten ist insbesondere im Bereich der Altstadtmauer mit historischen Funden zu rechnen. Eine archäologische Baubegleitung unter Leitung der Bezirksarchäologie der hessenARCHÄOLOGIE sichert und dokumentiert eventuelle Funde.Zudem werden Schutzeinhausungen für den Datterichbrunnen und das Bodenrelief mit dem Grundriss der Altstadt errichtet. Eine Fachfirma übernimmt den Abbau, die Reinigung und Einlagerung des Altstadtmodells sowie einer Skulptur von Gottfried Präger, die bisher mittig im Wegebereich stand. Darüber hinaus wurde diese Grünanlage vor Baubeginn in einer denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme fotografisch dokumentiert.Die Planung berücksichtigt auch die Hinweise der Kriminalprävention im Städtebau des Polizeipräsidiums Südhessen. Durch gezielte Entnahme von Grünbestand und die Neugestaltung der Pflanzflächen wird die Übersichtlichkeit erhöht, um Angsträume zu vermeiden.Stadtrat Paul Georg Wandrey erläutert: „Sicherheit und der Erhalt unseres kulturellen Erbes sind uns besonders wichtig. Durch die jeweilige Zusammenarbeit mit der Kriminalprävention und der archäologischen Baubegleitung schaffen wir einen Ort, der schön und sicher ist.“„Mit diesen Bauarbeiten entsteht eine moderne, ökologische und inklusive Grünfläche, die den Anforderungen einer wachsenden Stadt gerecht wird. Die Altstadtanlage wird zu einem Ort, der Aufenthaltsqualität, Naturerlebnis und Klimaschutz vereint – für Menschen jeden Alters und mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Die Sanierung der Altstadtanlage ist ein Projekt, das zeigt, wie wir in Darmstadt Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und Inklusion vereinen. Trotz der komplexen Rahmenbedingungen gelingt es uns, einen Ort zu schaffen, der allen Menschen zugänglich ist und gleichzeitig die Natur fördert“, so Kolmer und Wandrey abschließend.