Stadt Frankfurt trauert um Josef Buchmann

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ffm. Die Stadt Frankfurt trauert um Josef Buchmann. Der Unternehmer und Mäzen ist am Samstag, 19. September, im Alter von 96 Jahren gestorben. Seit 1945 lebte Buchmann in Frankfurt. Hier baute er sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Leben auf, wurde als Unternehmer erfolgreich und setzte sich über viele Jahrzehnte für andere Menschen ein. Er förderte Wissenschaft und Medizin, unterstützte jüdisches Leben und half dabei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. Die Stadt Frankfurt spricht seiner Familie, seinen Freunden und all denjenigen, die ihm nahestanden, ihre Anteilnahme aus.

„Der Tod von Jossy Buchmann hat mich persönlich tief betroffen. Wir waren – unsere Familien waren – seit Jahrzehnten eng befreundet“, sagt Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Korenke. „Doch auch für unsere Stadt Frankfurt ist der Tod des Bauherrn, Investors und Mäzens ein unermesslicher Verlust. Wen er schätzte, den bedachte Jossy Buchmann mit zugewandter Großzügigkeit. Seiner Frau und den Töchtern wünsche ich viel Kraft. Ich werde Jossy Buchmann nicht vergessen, Frankfurt wird Jossy Buchmann nicht vergessen.“

Oberbürgermeister Mike Josef sagt: „Josef Buchmann hat sich in und für Frankfurt verdient gemacht. Er war beteiligt an der Errichtung bedeutender Wolkenkratzer der städtischen Skyline. Ich habe ihn vor allem als einen Mann erlebt, der immer auch großzügig Projekte in seiner Heimatstadt förderte. Er unterstützte in Frankfurt, aber auch unserer Partnerstadt Tel Aviv kulturelle und wissenschaftliche Projekte sowie Institutionen. Für diese Verdienste erhielt er bereits 2011 die Ehrenplakette. Frankfurt verliert einen großen Unternehmer, der seine Wahlheimat geliebt und geprägt hat.“

Josef Buchmann wurde 1930 im polnischen Lodz geboren. Die Nationalsozialisten verschleppten ihn und seine Familie zunächst in das Ghetto Lodz, später nach Auschwitz und Bergen-Belsen. Seine Eltern, zwei seiner vier Geschwister und nahezu alle Verwandten kamen während des Holocausts ums Leben. Buchmann selbst überlebte und kam 1945 nach Frankfurt.

Im Bahnhofsviertel betrieb er in den 1950er Jahren zunächst Bars und Varietés. Später wechselte er ins Immobiliengeschäft. Mit seinen Projekten prägte er auch das Frankfurter Stadtbild. So ließ er 1966 für den Shell-Konzern das sogenannte Shell-Hochhaus am Alleenring errichten, damals mit etwa 90 Metern das höchste Gebäude der Stadt. Auch die Vorgeschichte der beiden Deutschen-Bank-Glastürme ist mit Buchmanns Namen verbunden:  Er besaß das Grundstück und plante dort zunächst ein Hochhausprojekt, bevor er das Areal verkaufte. 1985 erwarb er zudem das Nordwestzentrum, ließ es umbauen und erweitern.

Seinen wirtschaftlichen Erfolg nutzte Buchmann über Jahrzehnte, um anderen etwas zurückzugeben. So unterstützte er unter anderem den Neubau des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt sowie den Aufbau des Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität. Zudem finanzierte er zahlreiche Projekte des Jüdischen Museums Frankfurt. In seiner Geburtsstadt Lodz förderte er Projekte, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Besonders eng war Buchmann mit der Universität in Tel Aviv verbunden. Bereits 1984 rief er den Josef-Buchmann-Doktorandenstipendienfonds ins Leben, der den Austausch zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University fördert. 1994 wurde die juristische Fakultät der Universität in Tel Aviv seinen Eltern Eliezer und Haya Sara Buchmann gewidmet und trägt seitdem den Namen Buchmann Faculty of Law.

2005 gründete er zudem gemeinsam mit dem Dirigenten Zubin Mehta die Buchmann-Mehta School of Music an der Universität. Die Hochschule arbeitet eng mit dem Israel Philharmonic Orchestra zusammen und bildet junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt aus. Auch musikalisch brachte Buchmann Frankfurt und Tel Aviv zusammen: Zum 100. und 110. Geburtstag der Goethe-Universität ermöglichte er Konzerte der Buchmann-Mehta School of Music unter der Leitung von Zubin Mehta in Frankfurt.



Buchmanns Hilfe galt aber nicht nur Institutionen. Er stand auch einzelnen Menschen zur Seite. Zu ihnen gehörte Oskar Schindler, der nach dem Krieg zeitweise in Frankfurt unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen lebte. Buchmann unterstützte ihn über viele Jahre.

Die Stadt Frankfurt zeichnete Josef Buchmann 2011 mit der Ehrenplakette aus. Sie zählt zu den bedeutenden Ehrungen der Stadt und wird an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise um Frankfurt verdient gemacht haben. 2013 ernannte ihn die Goethe-Universität zum Ehrensenator. Auch seine Geburtsstadt Lodz ehrte Buchmann und ernannte ihn 2020 zum Ehrenbürger. 2023 erhielt er zudem das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehörte das Komturkreuz mit Stern des Verdienstordens der Republik Polen sowie der vom Land Hessen verliehene Ehrentitel „Professor“.

Die Stadt Frankfurt wird Josef Buchmann und sein Wirken in dankbarer Erinnerung behalten.