Stadt Frankfurt trauert um Rosa von Praunheim

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ffm. Er war Filmemacher, Aktivist und Ikone der Schwulenbewegung: Am Dienstag, 17. Dezember, ist Rosa von Praunheim im Alter von 83 Jahren gestorben. Die Stadt Frankfurt spricht seiner Familie, seinen Freunden und all denjenigen, die ihm nah standen, ihre Anteilnahme aus.

Rosa von Praunheim wurde 1942 in Riga als Holger Radke geboren und wuchs in der DDR auf. 1953 flüchtete er gemeinsam mit seiner Familie in den Westen und kam über Umwege nach Frankfurt am Main. Hier besuchte er die Wöhlerschule. Der Stadtteil Praunheim, in dem er seine Jugend verbrachte, inspirierte ihn später auch für seinen Künstlernamen. Seine künstlerische Laufbahn begann er an der Werkkunstschule Offenbach – heute: Hochschule für Gestaltung. Er war Film- und Theaterregisseur, Produzent, Autor, Professor für Regie sowie Aktivist, Wegbereiter und Mitbegründer der LGBTQ-Bewegung in Deutschland. Sein Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ gilt als Meilenstein der deutschen Lesben- und Schwulenbewegung. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt ehrte von Praunheim 2005 mit einer Ausstellung und Retrospektive sowie 2022 mit dem Film „Rosas Theater“.

Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner sagt: „Unsere Stadt darf es als große Ehre betrachten, dass Rosa von Praunheim seinen Künstlernamen nach dem Frankfurter Stadtteil wählte, in dem er aufgewachsen war. Rosa von Praunheim war ein Multitalent als Künstler und ein unermüdlicher und erfolgreicherer Streiter für die Rechte der LGBTQ-Community. Rosa von Praunheim hat entscheidend zur Enttabuisierung von Homosexualität in unserer Gesellschaft beigetragen, er hat mit seinen Filmen notwendigen Debatten angeregt. In den 1980er Jahren hat er sich früh für aidskranke Menschen engagiert und auch hier wieder gesellschaftlich gearbeitet.“

Oberbürgermeister Mike Josef sagt: „Mit dem Tod Rosa von Praunheims verlieren wir einen außergewöhnlichen Künstler, der mit seinem Mut, seiner künstlerischen Radikalität und seinem unermüdlichen Einsatz für Sichtbarkeit und Akzeptanz gesellschaftliche Debatten angestoßen hat, die bis heute nachwirken. Frankfurt verliert eine Persönlichkeit, die unserer Stadt mit ihrem Namen immer verbunden blieb und dessen Wirken weit über ihre Grenzen Bedeutung hatte.“

Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, sagt: „Die Nachricht vom plötzlichen Tod Rosa von Praunheims hat mich sehr getroffen. Er war nicht nur ein besonderer Mensch, ein außergewöhnlicher Filmemacher und eine beeindruckende Persönlichkeit, sondern auch ein wichtiger Fürsprecher für die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Er hat sein Leben lang dafür gekämpft, dass Homosexualität und queere Lebensformen selbstverständlich sein sollten in einer offenen Gesellschaft. Jetzt ist diese wichtige und starke Stimme verstummt. Ich wünsche seinen Angehörigen, seiner Familie und seinem Ehemann, den er erst vor wenigen Tagen geheiratet hat, viel Kraft und Trost in diesen schweren Tagen.“