Stadtverordnetenversammlung beschließt kommunale Wärmeplanung 

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Stadträtin Zapf-Rodríguez: „Anspruchsvoller Weg für Frankfurts Wärmewende“

ffm. Die Stadtverordnetenversammlung hat am Donnerstag, 1. Oktober, die kommunale Wärmeplanung (KWP) für Frankfurt beschlossen. Sie ist ein strategischer Fahrplan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung und zeigt, welche Lösungen in den verschiedenen Teilen der Stadt grundsätzlich möglich sind.

Bei einer Pressekonferenz am Freitag, 2. Oktober, erläuterte Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt, Stadtsauberkeit, Frauen, Diversität und Migration, was die Wärmeplanung für Frankfurt bedeutet, wie die Gebiete eingeteilt werden und welche Orientierung die KWP für Eigentümer, Wohnungsunternehmen und die weitere Planung bietet: „Die kommunale Wärmeplanung schafft Orientierung. Sie soll helfen, heute gute Entscheidungen für morgen zu treffen. Wer heute oder in den nächsten Jahren über eine neue Heizung, eine Sanierung oder größere Investitionen entscheidet, soll besser einschätzen können, welche Lösungen langfristig sinnvoll sind.“

Die Wärmeplanung betrachtet den Wärmebedarf, den Gebäudebestand, bestehende Netze und mögliche Wärmequellen. Auf dieser Grundlage unterscheidet sie beispielsweise Gebiete, in denen künftig Fernwärme eine wichtige Rolle spielen kann oder Gebiete, die dezentral beheizt werden. In dicht bebauten Quartieren mit hohem Wärmebedarf kommen vor allem Fernwärmenetze in Betracht. In weniger dicht bebauten Stadtteilen werden dezentrale Lösungen wie zum Beispiel Wärmepumpen eine Rolle spielen.

Dabei macht die KWP keine Vorgabe für einzelne Gebäude. Aus der Einteilung zu einem Gebiet ergibt sich weder die Pflicht, eine bestimmte Heizung einzubauen, noch ein Anspruch auf eine bestimmte Versorgung. Die Planung zeigt vielmehr, welche Entwicklungen für ein Gebiet absehbar sind. Damit hilft sie Eigentümerinnen und Eigentümern oder Wohnungsunternehmen bei der Entscheidung über eine Sanierung oder eine neue Wärmeversorgung.

Marc Gasper, stellvertretender Leiter des Klimareferats, sagte: „Für die Wärmeplanung haben wir viele Informationen zusammengeführt: Wie hoch sind die Wärmeverbräuche in den Quartieren? Wie sieht der Gebäudebestand aus? Welche Netze gibt es bereits? Und welche Wärmequellen können genutzt werden? Daraus lässt sich ableiten, welche Formen der Wärmeversorgung in einem Gebiet grundsätzlich infrage kommen.“

Mit der Erstellung des Planes hatte das Klimareferat die Unternehmen e-think, IREES, Fraunhofer IFAM und Mainova beauftragt. Neben einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe waren im Rahmen von Stakehol­der-Workshops außerdem verschiedene Verbände, lokale Initiativen, die Wohnungswirtschaft, Mieterinnen- und Mietervertretungen, Ortsbei­räte, Expertinnen und Experten sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger beteiligt.

Unterschiedliche Lösungen für unterschiedliche Gebiete

Frankfurt setzt in der Wärmeplanung auf unterschiedliche klimafreundliche Wärmequellen. Dazu gehören Umgebungsluft, Abwärme aus Rechenzentren und Industrie, Wärme aus Klärwasser und Geothermie.

Die Wärmeversorgung ist dabei mehr als die Frage, welche Heizung in einem einzelnen Gebäude steht. Es geht auch um Gebäudeenergiestandards, um Wärme­netze, Energiequellen und Stromnetze, um Sanierung und Infrastruktur, Investitionen und Fachkräfte. Auch die sozialen Auswirkungen des Umbaus müssen berücksichtigt werden. „Die Wärmewende wird nicht mit einer einzigen Technik gelin­gen“, sagte Zapf-Rodríguez. „Frankfurt braucht einen klugen Mix aus Netzen, erneuerbaren Wärmequellen, Wärmepumpen und deutlich effizienteren Gebäuden. Eine klimaneutrale Wärmeversorgung muss dabei sowohl versorgungssicher als auch bezahlbar sein.“

Die Stadt bündelt die Umsetzung in neun Handlungsfeldern. Dazu gehören der Ausbau und die Digitalisierung des Stromnetzes, die Erweiterung und Dekarbonisierung der Fernwärme, die geordnete Transformation des Gasnetzes, Energiewendeviertel, eine höhere Sanierungs­rate, schnellere Verfahren, Finanzierung und Sozialverträglichkeit, Controlling sowie Kommu­nikation und Beteiligung.

Eine besondere Rolle sollen Energiewendeviertel spielen. In räumlich definierten Quartieren werden der Umbau der Wärmeversorgung, der Ausbau notwendiger Netze und Maßnahmen zur Klimaanpassung möglichst gemeinsam geplant und zeitlich aufeinander abgestimmt. So können Arbeiten besser zusammengedacht und Investitionen gezielt eingesetzt werden. „Wir wollen vermeiden, dass jede Infrastruktur für sich geplant wird und Straßen mehrfach aufgerissen werden“, sagte Gasper. „Wo es möglich ist, müssen Wärmewende und Klimaanpas­sung zusammengedacht werden – vom Netz bis zur Begrünung und Starkregenvorsorge.“

Umbau der Wärmeversorgung ist langfristige Gemeinschaftsaufgabe

Im Rahmen der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung muss die Stadtgesellschaft aktiv einbezogen werden und auch selbst tätig werden. Eine wichtige Basis sind die knapp 100 Stellungnahmen, die im Rahmen der Offenlegung des Planentwurfs beim Klimareferat eingegangen sind. Viele der Stellungnahmen werden in die weitere Ausgestaltung der Maßnahmen einfließen. Die kommunale Wärmeplanung ist kein statisches Dokument, sondern ein dynamischer Prozess, der regelmäßig alle fünf Jahre überprüft und angepasst werden muss. Neue technische Entwicklungen, veränderte Rahmenbedingungen und Erfahrungen aus der Umsetzung werden in den Prozess einfließen. Ziel ist, die Transformation zu so gestalten, dass sie sozialverträglich, wirtschaftlich tragfähig und ökologisch wirksam ist.

„Der Wärmeplan ist kein Schlussstrich, sondern der Startpunkt für die Umsetzung“, sagte Zapf-Rodríguez. „Dafür müssen wir jetzt konkrete Projekte auf den Weg bringen. Gemeinsam mit Energieversorgern, Wohnungswirtschaft, Unter­nehmen, Handwerk, Verwaltung und Stadtgesellschaft.“

Das Klimareferat informiert Bürgerinnen und Bürger zur kommunalen Wärmeplanung im städtischen Wärmeportal unter geoportal.frankfurt.de/waermeportal-frankfurt/. Die nächste Informationsveranstaltung wird am Montag, 2. Novem­ber, im Saalbau Bornheim, Arnsburger Straße 24, stattfinden.

Fotos Marc Gasper vom Klimareferat, Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt, Stadtsauberkeit, Frauen, Diversität und Migration, Hanna Jaritz vom Klimareferat, Jan Steinbach von IREES, Andreas Müller von e-think, Karen Janßen von Fraunhofer IFAM, Marcus Hummel von e-think und Christoph Tries von Mainova erläuterten den Journalistinnen und Journalisten den Beschluss der kommunalen Wärmeplanung, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Felix Wachendörfer 

Bei der Pressekonferenz am Freitag, 2. Oktober, erläuterte Zapf-Rodríguez, was die Wärmeplanung für Frankfurt bedeutet, Copyright: Stadt Frankfurt am Main Foto: Felix Wachendörfer 

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