Studie bringt neue Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Bedeutung von Rechenzentren für Frankfurt und die Rhein-Main-Region

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Rechenzentren sind die zentrale Infrastruktur der digitalen Transformation in Deutschland – und das Rhein-Main-Gebiet ist dafür ein wichtiger Standort. Mit aktuell 55 von insgesamt 76 Standorten in FrankfurtRheinMain und einer Flächeninanspruchnahme von rund 63 Hektar konzentriert sich fast ein Drittel aller deutschen Rechenzentren in Frankfurt. Während die Zahl der Rechenzentrumsstandorte nahezu linear zunimmt, geht der Trend zu größeren und leistungsstärkeren Anlagen. So ist seit 2020 zu beobachten, dass pro Fläche deutlich mehr Energie benötigt wird als zuvor.

Bis 2030 soll die Zahl der Standorte in der Region um 47 Prozent auf 112 steigen – besonders in den Landkreisen Offenbach, Main-Taunus, Groß-Gerau und Main-Kinzig, wo sich neue Cluster entwickeln. Während im Frankfurter Stadtgebiet auch kleinere Flächen genutzt werden, beanspruchen Standorte in der Region oft größere Grundstücke.

Nun wurde erstmalig eine Studie zur regionalökonomischen Bedeutung der Branche für die Region FrankfurtRheinMain veröffentlicht, die vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult und Detecon International im Auftrag eines Projektkonsortiums aus Hessen Trade and Invest (HTAI), Regionalverband FrankfurtRheinMain, Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt am Main und Wirtschaftsförderung Frankfurt erarbeitet wurde.

Wirtschaftliche Effekte und Hebelwirkung

Aus wirtschaftlicher Perspektive gesehen, ist die Rechenzentrumsbranche klein und zugleich produktiv. Im Jahr 2023 waren etwa 2900 Menschen in der Region dort beschäftigt und erwirtschafteten einen sogenannten Produktionswert von 2,04 Milliarden Euro. Daraus resultierte ein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,25 Milliarden Euro. Damit hat die Rechenzentrumsbranche einen Anteil an der regionalen Wirtschaft von 0,1 Prozent (gemessen an den Arbeitsplätzen), 0,4 Prozent (gemessen am Produktionswert) bzw. 0,5 Prozent (gemessen am BIP-Beitrag). Mit einer Produktivität von rund 430.000 Euro je Erwerbstätigen liegt die Branche deutlich über dem regionalen Durchschnitt von 95.000 Euro. In Summe hängen etwa 4000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Rechenzentrumsbranche.

Neben den direkten Effekten sind die Hebelwirkungen entlang der Wertschöpfungsketten bedeutsam. Für jeden Euro, den Rechenzentren in FrankfurtRheinMain erwirtschaften, werden durch Vorleistungsbezüge im laufenden Betrieb weitere 51 Cent an wirtschaftlicher Leistung angestoßen – davon allein 24 Cent in der Region. Hinzu kommen auch Investitionseffekte: Neue Rechenzentren und Modernisierungen lösen zusätzliche Nachfrage, insbesondere in der Bauwirtschaft, der technischen Gebäudeausstattung und im Dienstleistungssektor, aus. Durchschnittlich führt jeder Euro Produktionswert über Investitionen zu weiteren 31 Cent – davon jedoch nur 1 Cent in der Region.

Steuerschätzmodell zeigt hohe Steuerintensität der Rechenzentrumsbranche

Die Gesamtbranche zeichnete im Jahr 2023 für ein Steueraufkommen von 405 Millionen Euro verantwortlich. Davon entfielen 287 Millionen Euro direkt auf die Branche und weitere 117 Millionen Euro auf Zulieferer.

Besonders ins Gewicht fällt die Umsatzsteuer, die mit 239 Millionen Euro knapp 59 Prozent des Steueraufkommens der Branche ausmacht. Die Lohnsteuer trägt 19 Prozent bei, während die Gewerbesteuer mit 41 Millionen Euro rund 10 Prozent beisteuert. Körperschaftsteuer (30 Millionen Euro; 7 Prozent) und Einkommensteuer auf Personengesellschaften (19 Millionen Euro; 5 Prozent) runden das Bild ab.

Bei den Standortkommunen der Rechenzentren in der Region verbleiben dem Schätzmodell zufolge etwa zehn Prozent des verursachten Steueraufkommens. Der Großteil hiervon ist auf die Gewerbesteuer zurückzuführen.

Spillover-Effekte der Rechenzentrumsbranche in Stadt und Region

Die Studie zeigt, dass die Rechenzentrumsbranche in der Metropolregion FrankfurtRheinMain im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft klein ist, aber wichtige Spillover-Effekte auslöst. Auf Kreisebene sind keine signifikanten Auswirkungen auf Produktivität oder BIP messbar, da der Sektor im Vergleich zu anderen Branchen klein ist. Es deutet sich jedoch eine Verschiebung der Wirtschaftsstruktur zugunsten dienstleistungsorientierter Branchen sowie eine erhöhte Gründungsdynamik an, insbesondere bei High-Tech-Startups im digitalen Ökosystem der Region.

Relevante Effekte zeigen sich im Innovationsumfeld: Rund 20 Prozent der befragten Unternehmen sehen das digitale Ökosystem in Frankfurt als entscheidenden Standortfaktor, 12 Prozent bewerten die Nähe zu Rechenzentren als erfolgsrelevant. Diese Unternehmen weisen überdurchschnittlich hohe Innovationsleistungen in Produkt-, Dienstleistungs- und Prozessinnovationen auf. Rechenzentren tragen zudem zum positiven Digitalimage der Mainmetropole bei und fördern die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen.

Rechenzentren wirken auch indirekt auf die regionale Infrastruktur: Sie treiben den Ausbau von Energie- und Netzinfrastruktur voran, erzeugen aber gleichzeitig Flächen- und Ressourcenkonkurrenzen. Eine differenzierte Betrachtung ist wichtig, zumal solche Konkurrenzen nicht nur in Frankfurt, sondern auch in weiteren Teilräumen der Region auftreten. Potenzielle Vorteile einer Rechenzentrumsansiedlung kommen vor allem dort stärker zum Tragen, wo Flächenkonkurrenzen weniger ausgeprägt sind. Solche Ansiedlungen können für Kommunen unter verschiedenen Gesichtspunkten attraktiv sein – etwa durch regelmäßige Gewerbesteuereinnahmen und eine geringe Verkehrsbelastung. Sie stärken die lokale Wirtschaftsstruktur und die Rolle Deutschlands als Rechenzentrumsstandort.

Wachstumspotenziale und regionale Unterschiede

In den letzten fünf Jahren ist die Rechenzentrumsbranche deutlich stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Das Branchen-BIP in FrankfurtRheinMain hat sich seit 2019 etwa verdoppelt, in Frankfurt am Main stieg es um knapp 90 Prozent. Die Gesamtwirtschaft der Region und der Stadt legte jeweils um rund 16 Prozent zu. Bis 2029 wird ein Anstieg des Branchen-BIP um 175 Prozent in der gesamten Region erwartet, davon etwa 53 Prozent in Frankfurt.

Die Wachstumspotenziale unterscheiden sich innerhalb der Region: Die Zahl der Rechenzentren in Frankfurt am Main wird bis 2030 zwar auf 68 Standorte steigen, doch ist der weitere Ausbau durch hohen Flächenverbrauch und begrenzte Stromkapazitäten stark eingeschränkt. Im hessischen Teil der Metropolregion FrankfurtRheinMain verläuft das Wachstum dynamischer: Bis 2030 wird die beanspruchte Fläche für Rechenzentren in der Region um 137 Prozent auf rund 268 Hektar anwachsen.

Es zeichnet sich eine Verschiebung ab: Während Frankfurt am Main mit dem Internetknoten DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange) weiterhin das Zentrum der Branche bleibt, werden die Umlandkreise an Bedeutung gewinnen. Dort stehen weitere Flächen und Stromkapazitäten für den Bau neuer Rechenzentren zur Verfügung, sodass Rechenzentren vermehrt zu einem regionalen Thema werden. Methodenmix

Bei der Erarbeitung der Studie kam ein breites Methodenspektrum zum Einsatz, das der Vielschichtigkeit und Komplexität der Fragestellungen Rechnung trägt. Hierzu zählen etwa Literaturanalysen, Experteninterviews mit Rechenzentrumsbetreibern, -nutzern und -beratern sowie eine Unternehmensbefragung unter 320 Betrieben in FrankfurtRheinMain. Darüber hinaus wurden Analysen im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, von Sekundärstatistiken sowie zu Kaufpreisen ausgeführt.

Stimmen zu den Ergebnissen

Stephanie Wüst, Dezernentin für Wirtschaft, Recht und Stadtmarketing, sagt über die Studienergebnisse: „Rechenzentren sind nicht nur ein technisches Rückgrat der Digitalisierung, sondern ein hochproduktiver Wirtschaftsfaktor für Frankfurt und die gesamte Region. Mit ihren Wertschöpfungs- und Innovationseffekten stärken sie unseren Standort im internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig wird deutlich, dass jetzt die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um Wachstum, Flächeneffizienz und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Für uns bedeutet das, im Austausch mit Region und Wirtschaft zu bleiben. Denn unser gemeinsames Ziel ist es, Frankfurt und die Region weiterhin als der ‚Prozessor‘ des digitalen Ökosystems zu positionieren – und dabei neue Wachstumspotentiale, insbesondere auch in den Zukunftsthemen Künstliche Intelligenz und Quantentechnologie zu erschließen.“

Marcus Gwechenberger, Dezernent für Planen und Wohnen, sagt: „Die Studie liefert eine fundierte Grundlage, wie sich Rechenzentren regionalökonomisch auswirken und welche Chancen und Herausforderungen sich für Kommunen in FrankfurtRheinMain ergeben. Für Frankfurt ist klar: Der hohe und weiter steigende Bedarf an Flächen und Energie verlangt eine vorausschauende Steuerung. Mit unserem Beschluss, das Wachstum der Rechenzentren innerhalb der Gewerbe- und Industrieflächen gezielt zu lenken, haben wir diesen Weg frühzeitig eingeschlagen. Damit geben wir der Branche Planungssicherheit und sorgen gleichzeitig für eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur, indem wir auch anderen Branchen Entwicklungsperspektiven bieten. Entscheidend ist, die Standortvorteile des Internetknotens für die gesamte Entwicklung von Stadt und Region zu nutzen. Digitale Unternehmen, digitale Produktion und innovative Start-ups sollen daher in Frankfurt am Main auch in Kombination mit Rechenzentren etabliert werden.“

Rouven Kötter, Erster Beigeordneter des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain, ergänzt: „Als Regionalverband unterstützen wir die Kommunen dabei, Rechenzentren nachhaltig zu planen und anzusiedeln – mit Informationen, Beratung und gezielter Vernetzung. Mit der vorliegenden Studie tragen wir dazu bei, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Rechenzentren in der Region besser zu verstehen. Sie liefert fundierte Grundlagen für alle Kommunen, die sich mit möglichen Ansiedlungen befassen. Die Ergebnisse zeigen: Rechenzentren bieten große Chancen für die Zukunftsfähigkeit unserer Region und die Stärkung des Digitalstandorts. Gleichzeitig gilt es, den hohen Flächen- und Energiebedarf verantwortungsvoll zu gestalten. Je besser wir die regionalen Zusammenhänge kennen, desto erfolgreicher können wir Chancen und Herausforderungen in Einklang bringen.“

Vertiefter Einblick

Die vollständige Studie „Rechenzentren in Frankfurt am Main und der Region: Standort- und regionalökonomische Wirkungszusammenhänge“ sowie eine Kurzzusammenfassung sind unter Rechenzentren in Frankfurt am Main und der Region  nachzulesen.

Hinweis an die Redaktionen Die Ergebnisse der Studie werden am Montag, 8. Dezermber, um 11.30 Uhr im Presseraum des Presse- und Informationsamtes, Römerberg 32, vorgestellt und aus Sicht der Stadt Frankfurt eingeordnet.

Kontakt für die Medien Oliver Reul, Unternehmenskommunikation, Wirtschaftsförderung Frankfurt Main, Telefon 069/212-35075 , E-Mail or@frankfurt-business.net 

René de Ridder, Leiter Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing, Regionalverband FrankfurtRheinMain, Telefon 069/25771635 , E-Mail ridder@region-frankfurt.de