Tage des Exils: Auf Spurensuche mit der VHS

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Zwei Veranstaltungsreihen beleuchten Spannungsfeld zwischen Flucht und Zuflucht

ffm. Es geht um Vertreibung und Aufbruch, Verlust und Neubeginn: Mit rund 50 Veranstaltungen nehmen die Tage des Exils zwischen Donnerstag, 20. August, und Sonntag, 6. September, den Lebensweg von Geflüchteten in den Blick. Die Volkshochschule (VHS) Frankfurt am Main ist mit zwei Veranstaltungsreihen dabei, die sie gemeinsam mit starken Partnern entwickelt hat.

Bei der dreiteiligen Reihe „Unsichtbar? Stimmen aus dem Exil“ ist der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ (RAG Frankfurt am Main) mit im Boot. Christian Setzepfandt, Historiker, Autor und Stadtführer, gibt vergessenen und verdrängten Perspektiven Raum.

Am Dienstag, 25. August, 19 Uhr (Kursnr. 0108-44) dreht sich alles um die vor den Nazis geflohene Schriftstellerin Irmgard Keun, die 1931 durch „Gilgi – eine von uns“ schlagartig berühmt wurde, mit ihrem Roman „Nach Mitternacht“ aus dem Jahr 1937 eines der Schlüsselwerke der Exilliteratur schuf – und deren Bedeutung erst gegen Ende ihres Lebens durch die aufkommende feministische Literaturkritik erkannt wurde.

„Flucht und Zuflucht in Frankfurt für Menschen mit HIV/AIDS“, heißt es am Donnerstag, 27. August, 19 Uhr (Kursnr. 0108-45). Setzepfandt zeichnet Lebensgeschichten von Betroffenen nach, die in den 1980er- und 1990er-Jahren in Frankfurt Solidarität und neue Perspektiven fanden.

Fokus der dritten Veranstaltung am Dienstag, 1. September, 19 Uhr, sind queere Menschen aus Iran, Russland und Afghanistan, die in Frankfurt Zuflucht gesucht haben (Kursnr. 0108-46).

Alle drei Veranstaltungen finden im Stadthaus am Markt, Markt 1, statt. Die Teilnahme kostet je Veranstaltung fünf Euro. Es wird um Anmeldung unter vhs.frankfurt.de  unter Eingabe der angegebenen Kursnummer gebeten.

„‚Heimat ist da, wo man gut behandelt wird‘, lässt Irmgard Keun einen ihrer Protagonisten in ihrem 1937 erschienenen Roman ‚Nach Mitternacht‘ sagen. Das gilt auch für Menschen, die in ihrem Herkunftsland wegen ihrer queeren Lebensweise nicht mehr sicher leben können und Schutz vor politischer Entrechtung, vor Diskriminierung und Ausgrenzung gesucht und in ihrem Zufluchtsort Frankfurt nicht zuletzt neue Perspektiven und eine neue Heimat gefunden haben“, sagt Till Lieberz Groß, Sprecherin der regionalen Arbeitsgruppe Frankfurt/Rhein-Main des bundesweit agierenden Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Ausgangspunkt der zweiten Veranstaltungsreihe ist die „Bibliothek der Generationen“, ein Langzeit-Erinnerungsprojekt, das im Jahr 2000 von der Künstlerin Sigrid Sigurdsson ins Leben gerufen wurde. Sie findet in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt statt und umfasst ebenfalls drei Termine:

NS-Exil: Spurensuche (Kursnr. 0108-47), Donnerstag, 27. August, 17 bis 18.30 Uhr Frankfurt als Ort des Exils heute (Kursnr. 0108-48), Sonntag, 30. August, 15 bis 16.30 Uhr Erfahrungen von DDR-Flüchtlingen (Kursnr. 0108-49), Donnerstag, 3. September, 17 bis 18.30 Uhr

Die Teilnahme ist kostenfrei. Es wird um Anmeldung unter vhs.frankfurt.de  unter Eingabe der angegebenen Kursnummer gebeten.

„Migration ist der Normalfall der Geschichte. Das gilt umso mehr für Stadtgeschichte und ganz besonders für Frankfurt. In der Bibliothek der Generationen sammeln wir Lebensgeschichten vieler verschiedener Menschen. Einige teilen die Erfahrung des Exils, sie haben freiwillig oder unter Zwang ihr Zuhause verlassen – zu unterschiedlichen Zeiten, an verschiedenen Orten und unter anderen Bedingungen. Die Bibliothek der Generationen lädt dazu ein, die Menschen hinter den Geschichten kennenzulernen“, sagt Angela Jannelli, Kuratorin Bibliothek der Generationen, Historisches Museum Frankfurt.

„Mit den Tagen des Exils erinnern wir an das Schicksal mutiger Menschen, an ihre Lebensgeschichten und den Kampf um ihre Heimat, den sie als Geflüchtete vor Verfolgung und Terror aus der Ferne führen mussten. Viele wichtige Zeitzeugnisse sind entstanden, die uns heute den Blick auf ihre Perspektiven und das Lernen aus der Geschichte erst ermöglichen“, sagt Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen. „Ich bin der VHS dankbar, dass sie diese wichtige Erinnerungsarbeit gemeinsam mit den Veranstaltungspartnern Historisches Museum und dem Verein ‚Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.‘ leistet.“

„Bei unseren Angeboten der politischen Bildung geht es darum, Zusammenhänge zu verstehen“, sagt VHS-Direktor Danijel Dejanovic. „Das macht unsere Veranstaltungsreihen im Rahmen der ‚Tage des Exils‘ so wertvoll. Mein Dank gilt den engagierten Pädagog:innen bei uns im Haus, die gemeinsam mit starken Partnern ein perspektivenreiches Programm auf die Beine gestellt haben.“

Die Veranstaltungen finden im Rahmen der Tage des Exils Frankfurt statt, eine Initiative der Körber-Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Die Veranstaltungen sind unter Angabe der jeweiligen Kursnummern unter vhs.frankfurt.de  buchbar.

Kontakt für die Medien Annette Remy, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, Volkshochschule Frankfurt am Main, Telefon 069/212-31165 , E-Mail annette.remy.vhs@stadt-frankfurt.de