Uwe Timm erhält den Goethe-Preis 2026 der Stadt Frankfurt am Main

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Die Stadt Frankfurt am Main verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Goethe-Preis 2026 an den Schriftsteller Uwe Timm. Der Magistrat folgt damit dem Vorschlag eines Kuratoriums unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Mike Josef, der die Auszeichnung am 28. August, dem Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, in der Paulskirche überreichen wird.

Geehrt wird Uwe Timm, so die Begründung des Kuratoriums, „für sein reiches und vielfältiges Werk, das wie dasjenige Goethes von tiefster Humanität geprägt ist und weltumspannend die Möglichkeiten der Literatur auslotet, vom beseelten Kinderbuch bis zur fiktionalen wie essayistischen Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Uwe Timm ist ein profunder Geschichtenerzähler und teilnehmender Beobachter der Gegenwart, der seinen besonnen-kritischen Blick nicht zuletzt auch auf sich selbst zu richten gewillt ist.“

„Einer der großen literarischen Chronisten der Bundesrepublik Deutschland“

Oberbürgermeister Mike Josef sagt: „Uwe Timm ist ein Humanist durch und durch, der in immer neuen literarischen Versuchsanordnungen die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts durchmisst. Mit ihm zeichnet die Stadt Frankfurt am Main im Andenken an Goethe einen der großen literarischen Chronisten der Bundesrepublik Deutschland aus.“

„Ich freue mich sehr, dass Uwe Timm mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt im Jahr 2026 ausgezeichnet wird“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft. „Seine klare Haltung beeindruckt mich ebenso wie sein großes schriftstellerisches Können, das sich durch eine fein austarierte Balance aus Tiefenschärfe und Leichtigkeit auszeichnet. In seinem dritten Roman ‚Kerbels Flucht‘ hat er einen modernen Werther geschaffen, wie überhaupt Goethe eine wichtige Referenz seines umfangreichen und vielfältigen Werkes ist.“

Uwe Timm promovierte über die Absurdität bei Albert Camus

Uwe Timm wurde 1940 in Hamburg geboren und machte nach der Volksschule zunächst eine Kürschnerlehre und übernahm das Pelzgeschäft des Vaters. Anschließend besuchte er das Braunschweig-Kolleg, wo er Benno Ohnesorg kennenlernte. In München und an der Sorbonne in Paris studierte Timm Philosophie und Germanistik. Von 1967 bis 1969 war er im Sozialistischen Deutschen Studentenbund aktiv und beteiligte sich an der Besetzung der Münchener Universität. 1971 wurde er mit der Dissertation „Das Problem der Absurdität bei Albert Camus“ promoviert. 1973 wurde Uwe Timm Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), aus der er 1981 wieder austrat.

Von der Novelle bis zum Kinderbuch: Literarisches Werk vielfach ausgezeichnet

1974 erschien Timms Debütroman „Heißer Sommer“, ein literarisches Zeugnis der 68er-Revolte, das viel Aufmerksamkeit fand, ebenso wie der vier Jahre später folgende Roman „Morenga“. Große Erfolge feierte Uwe Timm Anfang der 1990er Jahre mit der Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“, die mehrfach übersetzt und 2008 verfilmt wurde. 2003 erschien die autobiografische Erzählung „Am Beispiel meines Bruders“, die eine Diskussion über die deutsche Erinnerungskultur und den Nationalsozialismus auslöste. Auf große Resonanz stieß auch die Erzählung „Der Freund und der Fremde“ aus dem Jahr 2005, in der Timm die Geschichte seiner Freundschaft zu Benno Ohnesorg verarbeitete. Anlässlich seines 80. Geburtstag erschien 2020 der Essayband „Verrückte in den Dünen. Über Utopie und Literatur“.

In seinem aktuellsten Werk „Alle meine Geister“ von 2023 schreibt Timm über seine eigene Jugend im Hamburg der 1950er Jahre; darüber, wie er als 14-Jähriger bei seinem Vater im familieneigenen Pelzgeschäft in die Kürschnerlehre ging, wie ihn besondere Freundschaften, Bücher und kuriose Erlebnisse geprägt haben und wie er als gerade mal 18-Jähriger nach dem Herzinfarkt des Vaters das überschuldete Geschäft auf Vordermann bringen sollte.

Neben zahlreichen Romanen und Erzählungen verfasste Timm auch Lyrik, Hörspiele, Filmdrehbücher sowie Kinder- und Jugendbücher. Sein Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“ wurde 1990 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 1995 verfilmt. Timm erhielt eine Vielzahl von Preisen und Ehrungen, darunter der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Heinrich-Böll-Preis, der Schillerpreis der Stadt Mannheim, der Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg und das Verdienstkreuz 1. Klasse.

Über den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main

Der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main wird alle drei Jahre am 28. August, dem Geburtstag Johann Wolfgang Goethes, verliehen – an eine Persönlichkeit, „die durch ihr Schaffen bereits zur Geltung gelangt und deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist“. Der Goethe-Preis wir in der Paulskirche durch den Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin überreicht, ist mit 50.000 Euro dotiert und einer der renommiertesten Frankfurter Auszeichnungen.

Das Kuratorium setzt sich in diesem Jahr neben den ständigen Mitgliedern aus dem Schriftsteller Eckhart Nickel, der Dichterin Nadja Küchenmeister und dem Pädagogen und Publizisten Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, zusammen.

Die letzten Preisträgerinnen und Preisträger waren 2023 Barbara Honigmann, 2020 Dževad Karahasan, 2017 Ariane Mnouchkine und 2014 Peter von Matt. Frühere Preisträger waren unter anderem Sigmund Freud (1930), Hermann Hesse (1946) und Thomas Mann (1949). Erster Preisträger war im Jahr 1927 Stefan George.

Foto Porträt des Preisträgers Uwe Timm, Copyright: Thomas Müller/MUELLER-foto.com 

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