Von Europa nach Kenia: Der Zoo Frankfurt beteiligt sich an Wiederansiedlungsprogramm für Bongo-Antilopen
ffm. Östliche Bongos, auch Bergbongos genannt, gehören zu den am
stärksten gefährdeten Antilopen der Welt. Der Europäische Zooverband
und seine Partner stemmen sich gegen das Verschwinden dieser
Bongo-Unterart. Aktuell werden in Zoos gezüchtete Bongo-Bullen,
darunter der in Frankfurt geborene Fitz, im Safari Park Dvůr Králové
in Tschechien für ihre Reise nach Kenia vorbereitet. Die Tiere sind
Teil eines Zucht- und Wiederansiedlungsprogramms in Kooperation mit dem
Kenya Wildlife Service und der Mount Kenya Wildlife Conservancy.
Östliche Bongos sind in der Natur nahezu ausgestorben. Im Mount Kenya Nationalpark, einem angestammten Lebensraum der Antilopen, kommen aktuell keine freilebenden Bongos mehr vor. Zusammen mit dem Kenya Wildlife Service (KWS) und der Mount Kenya Wildlife Conservancy (MKWC) arbeitet der Europäische Zooverband (EAZA) an einem aufwändigen Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm, mit dem Ziel, im Mount Kenya Nationalpark eines Tages wieder Bongos anzusiedeln. Die MKWC liegt am Rand des Nationalparks. Dort leben derzeit 100 Bongos in einer gemanagten Population in menschlicher Obhut. Vier Bullen aus Europa sollen nach einer Eingewöhnungszeit in das dortige Zuchtprogramm integriert werden und den Genpool auffrischen.
„Ich bin stolz darauf, dass der in Frankfurt geborene Fitz Teil dieses wichtigen internationalen Artenschutzprojektes ist. Die Bongo-Rückführung nach Kenia zeigt, dass der sogenannte One-Plan-Approach oder Ein-Plan-Ansatz der Weltnaturschutzunion IUCN greift. Dieser zielt darauf ab, alle relevanten Akteure – Regierungen, Zoos, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – an einen Tisch zu bringen und sich für die Erhaltung der Biodiversität stark zu machen. In diesem Fall mit dem Ziel, dass wieder Bongos durch den Mount Kenya Nationalpark streifen können“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.
Die EAZA und ihre Mitgliedszoos koordinieren die Zucht der vom Aussterben bedrohten Bongo-Unterart. Das EAZA Ex-situ Programm (EEP) umfasst eine gesunde und genetisch robuste Population von 172 Tieren in 46 europäischen Zoos. „Der Zoo Frankfurt hält seit 1970 Östliche Bongos. 1973 kam das erste in Europa geborene Kalb in Frankfurt zur Welt – insgesamt waren es bislang 29“, erklärt Zoodirektorin Dr. Christina Geiger. „Östliche Bongos sind in der Natur bereits an einigen Orten ausgestorben. Die Zeit drängt also und es ist daher großartig, dass sich frühzeitig viele Partner zusammengetan haben, um sich mit vereinten Kräften gegen das vollständige Aussterben dieser eindrucksvollen Tiere zu stemmen. So haben wir die Chance, die Tiere in einem nächsten Schritt wieder in ihrem angestammten Lebensraum anzusiedeln“, sagt Geiger.
Insgesamt fünf europäische Bongo-Bullen wurden nach strengen Kriterien unter anderem hinsichtlich Alter und Genetik für das Programm ausgewählt. Die Vorbereitungen für die Rückführung sind umfangreich und komplex. So durchlief zum Beispiel jedes Tier bereits in seinem Ursprungszoo umfassende veterinärmedizinische Untersuchungen.
Die Reise der Bongos nach Afrika führt über den Safari Park Dvůr Králové in Tschechien. Am 20. März war es für den drei Jahre alte Frankfurter Bongo Fitz soweit. Vier weitere Bullen kamen aus dem Zoo Berlin sowie Zoos in Tschechien, der Slowakei und Dänemark nach Dvůr Králové. Der Safari Park hat langjährige Erfahrungen mit dem Transport großer Huftiere nach Afrika. Nach der vorgeschriebenen Quarantänezeit werden die vier geeignetsten Bullen ausgewählt und noch einmal untersucht, bevor es für sie weiter nach Kenia geht.
„Die Rückführung der Bongos nach Kenia ist das Ergebnis jahrelanger, sorgfältiger Planung im Rahmen des EAZA-Programms“, so das EAZA Executive Office, „Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie gut gemanagte Ex-situ-Populationen den In-situ-Artenschutz sinnvoll unterstützen können. Durch die Rückführung wird die genetische Variabilität dort gesteigert, wo sie am dringendsten benötigt wird, während gleichzeitig eine stabile und nachhaltige Zoopopulation erhalten wird.“
Nach ihrer Ankunft in Nairobi werden die Bongos vom KWS, einer staatlichen Organisation zu deren Aufgaben der Betrieb der kenianischen Nationalparks gehört, in Empfang genommen.
Dr. Erustus Kanga, Generaldirektor des KWS, sagt: „Dieses Projekt zeigt, wie stark sich Kenia für die Wiederansiedlung und den Schutz bedrohter Arten engagiert. Möglich wurde die Rückführung durch die enge Zusammenarbeit mit dem EAZA Ex-situ Programm und weiteren Artenschutzpartnern – gestützt auf wissenschaftliches Populationsmanagement und nachhaltigen Habitatsschutz. So sollen wieder stabile, sich selbst erhaltende Populationen des Bergbongos aufgebaut werden. Als eine endemische Art in Kenia hat die erfolgreiche Erholung der Population eine hohe Priorität im Rahmen der umfassenden Agenda des KWS zur Wiederansiedlung von Arten und zum Schutz der biologischen Vielfalt.“
In der MKWC, einer vom Staat unterstützen privaten Einrichtung, angekommen, können sich die Tiere zunächst akklimatisieren, bevor sie schrittweise in das etablierte Zuchtprogramm integriert werden.
Dr. Robert Aruho, Leiter der MKWC, sagt: „Die Bullen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Renaturierungsprogramms. Nachdem wir den Meilenstein von 100 Östlichen Bongos in der Mount Kenya Wildlife Conservancy erreicht haben, konzentrieren wir uns nun auf ein nachhaltiges Wachstum der Population mit dem langfristigen Ziel, bis 2050 eine Population von mindestens 750 Tieren aufzubauen. Die Einführung dieser genetisch wertvollen Bullen wird unsere Zuchtstruktur stärken und eine wesentliche Rolle beim Aufbau einer widerstandsfähigen Bongopopulation in den kenianischen Wäldern spielen.“
Schrittweise werden die Nachkommen der vier Bongo-Bullen dann in die Wildnis überführt. Die Gehege werden immer größer, die Betreuung durch Menschen immer weiter reduziert und es wird nicht mehr zugefüttert. Irgendwann werden die Gatter geöffnet und es soll sie wieder geben: freilebende Bongos im Mount Kenya Nationalpark.
Foto Bongo Fitz, Copyright: Zoo Frankfurt, Foto: Detlef Möbius
Die Nutzung des angefügten Fotos im Rahmen der Veröffentlichung zum Wiederansiedlungsprogramm für Bongo-Antilopen ist kostenfrei gestattet. Jede weitere Verwendung muss im Vorfeld vom Zoo Frankfurt genehmigt werden. Eine Weitergabe des Fotos an Dritte ist nicht erlaubt. Der Name des Bildautors ist in angemessener Weise zu nennen.
Kontakt für die Medien Caroline Liefke, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Zoo Frankfurt, Telefon 069/212-33729, E-Mail
caroline.liefke@stadt-frankfurt.de
Östliche Bongos sind in der Natur nahezu ausgestorben. Im Mount Kenya Nationalpark, einem angestammten Lebensraum der Antilopen, kommen aktuell keine freilebenden Bongos mehr vor. Zusammen mit dem Kenya Wildlife Service (KWS) und der Mount Kenya Wildlife Conservancy (MKWC) arbeitet der Europäische Zooverband (EAZA) an einem aufwändigen Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm, mit dem Ziel, im Mount Kenya Nationalpark eines Tages wieder Bongos anzusiedeln. Die MKWC liegt am Rand des Nationalparks. Dort leben derzeit 100 Bongos in einer gemanagten Population in menschlicher Obhut. Vier Bullen aus Europa sollen nach einer Eingewöhnungszeit in das dortige Zuchtprogramm integriert werden und den Genpool auffrischen.
„Ich bin stolz darauf, dass der in Frankfurt geborene Fitz Teil dieses wichtigen internationalen Artenschutzprojektes ist. Die Bongo-Rückführung nach Kenia zeigt, dass der sogenannte One-Plan-Approach oder Ein-Plan-Ansatz der Weltnaturschutzunion IUCN greift. Dieser zielt darauf ab, alle relevanten Akteure – Regierungen, Zoos, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – an einen Tisch zu bringen und sich für die Erhaltung der Biodiversität stark zu machen. In diesem Fall mit dem Ziel, dass wieder Bongos durch den Mount Kenya Nationalpark streifen können“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.
Die EAZA und ihre Mitgliedszoos koordinieren die Zucht der vom Aussterben bedrohten Bongo-Unterart. Das EAZA Ex-situ Programm (EEP) umfasst eine gesunde und genetisch robuste Population von 172 Tieren in 46 europäischen Zoos. „Der Zoo Frankfurt hält seit 1970 Östliche Bongos. 1973 kam das erste in Europa geborene Kalb in Frankfurt zur Welt – insgesamt waren es bislang 29“, erklärt Zoodirektorin Dr. Christina Geiger. „Östliche Bongos sind in der Natur bereits an einigen Orten ausgestorben. Die Zeit drängt also und es ist daher großartig, dass sich frühzeitig viele Partner zusammengetan haben, um sich mit vereinten Kräften gegen das vollständige Aussterben dieser eindrucksvollen Tiere zu stemmen. So haben wir die Chance, die Tiere in einem nächsten Schritt wieder in ihrem angestammten Lebensraum anzusiedeln“, sagt Geiger.
Insgesamt fünf europäische Bongo-Bullen wurden nach strengen Kriterien unter anderem hinsichtlich Alter und Genetik für das Programm ausgewählt. Die Vorbereitungen für die Rückführung sind umfangreich und komplex. So durchlief zum Beispiel jedes Tier bereits in seinem Ursprungszoo umfassende veterinärmedizinische Untersuchungen.
Die Reise der Bongos nach Afrika führt über den Safari Park Dvůr Králové in Tschechien. Am 20. März war es für den drei Jahre alte Frankfurter Bongo Fitz soweit. Vier weitere Bullen kamen aus dem Zoo Berlin sowie Zoos in Tschechien, der Slowakei und Dänemark nach Dvůr Králové. Der Safari Park hat langjährige Erfahrungen mit dem Transport großer Huftiere nach Afrika. Nach der vorgeschriebenen Quarantänezeit werden die vier geeignetsten Bullen ausgewählt und noch einmal untersucht, bevor es für sie weiter nach Kenia geht.
„Die Rückführung der Bongos nach Kenia ist das Ergebnis jahrelanger, sorgfältiger Planung im Rahmen des EAZA-Programms“, so das EAZA Executive Office, „Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie gut gemanagte Ex-situ-Populationen den In-situ-Artenschutz sinnvoll unterstützen können. Durch die Rückführung wird die genetische Variabilität dort gesteigert, wo sie am dringendsten benötigt wird, während gleichzeitig eine stabile und nachhaltige Zoopopulation erhalten wird.“
Nach ihrer Ankunft in Nairobi werden die Bongos vom KWS, einer staatlichen Organisation zu deren Aufgaben der Betrieb der kenianischen Nationalparks gehört, in Empfang genommen.
Dr. Erustus Kanga, Generaldirektor des KWS, sagt: „Dieses Projekt zeigt, wie stark sich Kenia für die Wiederansiedlung und den Schutz bedrohter Arten engagiert. Möglich wurde die Rückführung durch die enge Zusammenarbeit mit dem EAZA Ex-situ Programm und weiteren Artenschutzpartnern – gestützt auf wissenschaftliches Populationsmanagement und nachhaltigen Habitatsschutz. So sollen wieder stabile, sich selbst erhaltende Populationen des Bergbongos aufgebaut werden. Als eine endemische Art in Kenia hat die erfolgreiche Erholung der Population eine hohe Priorität im Rahmen der umfassenden Agenda des KWS zur Wiederansiedlung von Arten und zum Schutz der biologischen Vielfalt.“
In der MKWC, einer vom Staat unterstützen privaten Einrichtung, angekommen, können sich die Tiere zunächst akklimatisieren, bevor sie schrittweise in das etablierte Zuchtprogramm integriert werden.
Dr. Robert Aruho, Leiter der MKWC, sagt: „Die Bullen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Renaturierungsprogramms. Nachdem wir den Meilenstein von 100 Östlichen Bongos in der Mount Kenya Wildlife Conservancy erreicht haben, konzentrieren wir uns nun auf ein nachhaltiges Wachstum der Population mit dem langfristigen Ziel, bis 2050 eine Population von mindestens 750 Tieren aufzubauen. Die Einführung dieser genetisch wertvollen Bullen wird unsere Zuchtstruktur stärken und eine wesentliche Rolle beim Aufbau einer widerstandsfähigen Bongopopulation in den kenianischen Wäldern spielen.“
Schrittweise werden die Nachkommen der vier Bongo-Bullen dann in die Wildnis überführt. Die Gehege werden immer größer, die Betreuung durch Menschen immer weiter reduziert und es wird nicht mehr zugefüttert. Irgendwann werden die Gatter geöffnet und es soll sie wieder geben: freilebende Bongos im Mount Kenya Nationalpark.
Foto Bongo Fitz, Copyright: Zoo Frankfurt, Foto: Detlef Möbius
Die Nutzung des angefügten Fotos im Rahmen der Veröffentlichung zum Wiederansiedlungsprogramm für Bongo-Antilopen ist kostenfrei gestattet. Jede weitere Verwendung muss im Vorfeld vom Zoo Frankfurt genehmigt werden. Eine Weitergabe des Fotos an Dritte ist nicht erlaubt. Der Name des Bildautors ist in angemessener Weise zu nennen.
Kontakt für die Medien Caroline Liefke, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Zoo Frankfurt, Telefon 069/212-33729