„Weniger, aber besser“: Neueinrichtung des „Dieter Rams Stilraums“ im Museum Angewandte Kunst

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Das Museum Angewandte Kunst hat zum Anlass des 94. Geburtstags des Industriegestalters Dieter Rams den „Dieter Rams Stilraum“ neu eingerichtet.

Die Ausstellung im Museum Angewandte Kunst zeigt ab Mittwoch, 20. Mai, vor allem die Entwicklung und Weiterentwicklung von Gerätetypen, beispielhaft an den Radio-Phono-Kombinationen und am Weltempfänger „T 1000“. Neben Entwurfsskizzen wird erstmals das rekonstruierte Modell einer Entwurfsvariante gezeigt, die Rams eigentlich bevorzugt hätte. Weitere Beispiele sind gestalterische Metamorphosen von Blitzgeräten, Diaprojektoren, Filmkameras oder Hi-Fi-Receivern.

Dieter Rams wird auch mit seinen kämpferischen Zitaten aus seinem 2011 in Hong Kong gehaltenen Vortrag „Design für eine humanere Umwelt“ präsent sein:

„Das Wort Design wird immer mehr mit einer wachstumsorientierten Konsumgesellschaft in Verbindung gebracht. Ich wünsche mir hingegen, dass der Designbegriff nicht zum Lifestylebegriff degradiert, sondern dass der Begriff Design für etwas steht, das den Menschen wirklich hilft, in ihrer jeweils eigenen Welt zurechtzukommen und dabei auch miteinander zurechtzukommen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung eben dieser Welt leistet. Dazu gehört auch die dringend notwendige Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung! Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. Zurück zum Puren, zum Einfachen! Die Einfachheit ist der Schlüssel zur Brillanz!!“

Und weiter:

„Was ist zu tun? Meine Formel für eine nachhaltige Produktion lautet: Weniger, aber besser! Sehr viel weniger, aber sehr viel besser. So, wie das Design durch eine „Kaufanreiz-Kosmetik“ dazu beigetragen hat und immer noch dazu beiträgt, dass die Flut der Produkte steigt und steigt, kann und muss das Design auch dazu beitragen, dass die Flut der Produkte wieder fällt.

Die Forderungen für die Zukunft müssen daher lauten: Weniger und weniger von solchen Produktionen, durch deren Herstellung oder durch deren Gebrauch Ressourcen vergeudet und die Umwelt belastet werden. Weniger und weniger von solchen Produktionen, die nichts als modisch sind und mit dem Ende der jeweiligen Mode obsolet werden. Dafür aber mehr und mehr Produktionen, die wirklich das sind und das leisten, was die Benutzer von ihnen erhoffen sollten: Erleichterung, Erweiterung, Intensivierung des Lebens.“

Der Gestalter Dieter Rams hat sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, verfolgt aber nach wie vor das Designgeschehen weltweit und ist Vorsitzender des Kuratoriums der gemeinnützigen Stiftung, die er vor mehr als 30 Jahren zusammen mit seiner Frau Ingeborg ins Leben gerufen hatte. Seit gut drei Jahren ist die Stiftung breiter aufgestellt, betreibt das Rams Archiv im Frankfurter Museum Angewandte Kunst, zeigt seit ebenfalls drei Jahren eine Wanderausstellung über seine Designhaltung in den USA, in Italien, der Türkei und auf mehreren Stationen in China. Im September wird die Ausstellung an der TAMA University, der bedeutendsten japanischen Designhochschule, in Tokio zu sehen sein. Darüber hinaus betreibt die Stiftung eine umfangreiche Webseite, die nicht nur die Tätigkeit des Ehepaares Rams dokumentiert, sondern mit Interviews und Essays Stellung zum aktuellen Designgeschehen nimmt.

Kontakt für die Medien Natali-Lina Pitzer, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Museum Angewandte Kunst, Telefon 069/212-75339 , E-Mail natali-lina.pitzer@stadt-frankfurt.de