Wissenschaftsstadt Darmstadt will Teil des Gemeindezentrums der Andreasgemeinde übernehmen
Andreasgemeinde in Darmstadt. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt – Vermessungsamt
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt will einen Großteil des bisherigen Gemeindezentrums der evangelischen Andreasgemeinde übernehmen. Das Anwesen liegt östlich der Heidelberger Straße und nördlich der Radrennbahn. Der Magistrat hat sich kürzlich mit dem Vorhaben befasst und die Verwaltung beauftragt, die weiteren Schritte für die Übernahme im Wege eines Erbbaurechts vorzubereiten.Hintergrund ist, dass die evangelische Kirche für das Gebäude in seiner bisherigen Form keine eigene Verwendungsmöglichkeit mehr sieht. Deshalb wurde der Stadt ein Großteil des Gemeindehauses angeboten. Nicht Teil der Übernahme sind die Wohnung und das Pfarrbüro im östlichen Bereich des Anwesens; sie verbleiben bei der Andreasgemeinde. Der übrige Teil des Grundstücks soll vermessen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt für 50 Jahre im Erbbaurecht übertragen werden.Oberbürgermeister Hanno Benz: „Mit der geplanten Übernahme können wir einen bestehenden Standort für wichtige soziale und gemeinschaftliche Nutzungen erhalten. Gleichzeitig schaffen wir eine Perspektive für Vereine, die dringend Räume benötigen, und gehen verantwortungsvoll mit vorhandener Bausubstanz um.“Bei der Prüfung des Angebots wurden allerdings auch Herausforderungen deutlich. So befindet sich die Heizung für die künftigen städtischen Räume auf dem Grundstücksteil, der bei der Kirche verbleibt. Dafür ist eine vertragliche Lösung vorgesehen, etwa über entsprechende Rechte und ergänzende Vereinbarungen. Zudem wurden Nässeschäden festgestellt. Wegen des Alters der Gebäude ist außerdem in den kommenden Jahren mit weiterem Sanierungsbedarf zu rechnen.Damit die vorgesehenen Nutzungen möglich werden, sind Investitionen in Gebäude und Ausstattung nötig. Derzeit wird allein für die Erneuerung und Instandsetzung unter anderem von Beleuchtung, Verteilern, Sicherheitsbeleuchtung, Steckdosen und Blitzschutz mit rund 100.000 Euro netto gerechnet. Hinzu kommt ein Risikoaufschlag, sodass insgesamt derzeit von etwa 150.000 Euro netto auszugehen ist.Stadtkämmerer André Schellenberg erklärt dazu: „Die Übernahme ist mit Kosten und baulichen Risiken verbunden. Deshalb ist es richtig, die finanziellen Auswirkungen von Anfang an transparent darzustellen und die notwendigen vertraglichen Regelungen sauber abzusichern.“Vorgesehen ist, dass die Grundstückseigentümerin beziehungsweise ihre Rechtsnachfolger das im Erbbaurecht überlassene Gebäude weiterhin unentgeltlich für Gottesdienste sowie kirchliche, diakonische, ökumenische und andere Veranstaltungen im Rahmen des Gemeindelebens nutzen können. Diese Nutzung umfasst auch Betriebs- und Nebenkosten. Die Verkehrssicherungspflicht für das Gebäude liegt bei der Stadt. Das Nutzungsrecht der Kirche soll über eine Dienstbarkeit im Grundbuch gesichert werden.Grundsätzlich ist der Umfang der Nutzung mit der Stadt abzustimmen. Wenn die Stadt ein berechtigtes eigenes Interesse an der Nutzung hat, geht dieses vor. Ausgenommen davon sind bis zu 30 Gottesdienste pro Jahr im Gemeindesaal, die von der Grundstückseigentümerin im Voraus festgelegt und der Stadt rechtzeitig mitgeteilt werden. Diese Termine haben Vorrang.Konkret soll die Andreasgemeinde auch künftig zwei von sieben Räumen des Gemeindezentrums, den Gemeindesaal, den Innenhof sowie anteilig zwei Kellerräume mit bis zu 50 Prozent für die Gemeindearbeit weiter nutzen können. Die übrigen Räume kann die Wissenschaftsstadt Darmstadt selbst nutzen oder anderen Vereinen zur Verfügung stellen. Geplant ist insbesondere, dort zwei Frauenvereine unterzubringen, deren bisherige Räume nicht mehr zur Verfügung stehen.Darmstadts Sozial- und Frauendezernentin, Bürgermeisterin Barbara Akdeniz: „Mit der geplanten Nutzung wollen wir bewährte Gemeindearbeit ermöglichen und zugleich konkrete Unterstützung für Frauenvereine leisten, die neue Räume brauchen. So entsteht ein Ort, der verschiedenen Bedarfen in der Stadt zugutekommt. Mit dem Umzug der Frauenvereine aus den Räumen der Kyritzschule, die für schulische Belange gebraucht werden, wird weiterhin ein Frauenzentrum für Darmstädterinnen zur Verfügung stehen. Das ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten.“Mit dem Beschluss schafft die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Voraussetzung, um die Verhandlungen und die vertragliche Ausgestaltung weiter voranzubringen. Ziel ist es, den Standort langfristig für Gemeinwesenarbeit und soziale Angebote zu sichern.