Wo Frankfurts Wahl vorbereitet wird

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

In einer Halle im Westen der Stadt beginnt die Kommunalwahl mit Stimmzetteln, Urnen und Präzision

ffm. Wer die große Halle im Westen Frankfurts betritt, riecht es sofort: Den Geruch nach druckfrischem Papier. Von viel Papier. Jenem Material, das am Sonntag, 15. März, im Mittelpunkt stehen wird. Denn wenn an diesem Tag die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts die Stadtverordnetenversammlung, 16 Ortsbeiräte und die Kommunale Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) wählen, dann geschieht dies mit auf Umweltpapier gedruckten Stimmzetteln. Frankfurt ist bekannt für die Größe seines Stimmzettels für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung. Dieser misst diesmal 144 Zentimeter mal 60 Zentimeter und ist trotz weniger Wahlvorschläge gegenüber den Kommunalwahlen in 2021 in der Breite um 20 Zentimeter gewachsen. Maßgeblich wird die Größe durch die Spaltenbreite der Wahlvorschläge, abhängig von den längsten Namen beziehungsweise auch Künstlernamen bestimmt. Mit diesen Abmessungen gehört der Frankfurter Stimmzettel zu den Größten in Deutschland.

Auf den ersten Blick wirkt die rund 2000 Quadratmeter große Außenstelle der Geschäftsstelle Wahlen der Stadt Frankfurt wie viele Hallen auch: Betonboden, Neonlicht, Hubwagen. Doch statt langer Regalreihen stehen hier sauber gestapelte Wahlurnen, Paletten mit druckfrischen Stimmzetteln, Ordner und Gitterwagen, die mit Mobiliar für die Wahlbezirke beladen sind. „Alles, was am Wahltag gebraucht wird, ist hier. Von hier aus versorgen wir die Wahlvorstände in den Wahlbezirken, damit am 15. März nichts fehlt“, sagt Thomas Link. Er ist gemeinsam mit seiner Kollegin Dragana Firulović verantwortlich für die Logistik in der Außenstelle.

Im Dezember beginnen die Vorbereitungen

In der großen Halle des Wahlamtes stehen hunderte Wahlurnen bereit. Jede ist mit dem Stadtadler versehen und nach Wahlbezirk nummeriert. „Genauigkeit geht vor Schnelligkeit, deshalb ist es wichtig, rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen“, sagt Patrick Gebhardt von der Geschäftsstelle Wahlen im Bürgeramts, Statistik und Wahlen. Gebhardt ist in der Geschäftsstelle für die Durchführung und Organisation jeder Wahl zuständig und koordiniert gemeinsam mit weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die Abläufe in der Außenstelle. Bereits seit Dezember arbeiten die Beschäftigten täglich acht bis neun Stunden an der Vorbereitung, die keine Nachlässigkeit erlaubt. Jeder Karton, jede Kiste folgt einem Plan. Die Halle ist zweigeteilt: Auf der einen Seite befinden sich die Materialien für die Wahllokale, die andere Hälfte ist für die Briefwahl reserviert. Rosafarbene Umschläge, fein sortiert nach Briefwahlbezirken, stapeln sich im Posteingang. Jeder eingehende Wahlbrief wird hier geprüft und in die richtige Urne eingeworfen. Bis zum Wahltag bleiben sie verschlossen. „Erst nach 18 Uhr, wenn auch die Wahllokale schließen, beginnt die Auszählung der Stimmen“, sagt Firulović, die mit vier weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Hallenhälfte für die Briefwahl verantwortet.

Sechs Lkw beliefern eine Woche lang alle 378 Wahlbezirke

Geduld und Sorgfalt bestimmen die Arbeit. „Der Respekt für einen reibungslosen Ablauf rund um den Wahltag ist ein hohes Gut. Es sind viele Feinheiten zu beachten, dafür haben wir klare Regeln und feste Abläufe“, sagt Gebhardt. „378 Wahlbezirke erhalten jeweils drei Wahlurnen – für die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung, den Ortsbeiräten und die KAV. Das sind für die ganze Stadt insgesamt 1134 Urnen, hinzu kommen die Stimmzettel, die auf rund 90 Europaletten angeliefert wurden.

Zudem erhält jeder Wahlbezirk eine schwarze Stehmappe. Darin befinden sich Stifte, Umschläge, Siegelstreifen, Straßenverzeichnisse, Musterstimmzettel und weitere Aushänge – das Arbeitsmaterial für einen Tag, an dem alles ineinandergreifen muss.

7000 Menschen sorgen für einen reibungslosen Ablauf

Eine Woche vor der Wahl beginnt die Verteilung all dieser Dinge: Von Montag bis Freitag fahren dann täglich sechs Lkw von der Halle in die einzelnen Wahlgebäude. Das Material wird vorbereitend in der Halle so aufgestellt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau wissen, was in welchen Lastwagen kommen muss. Für Ordnung sorgen auch Aufkleber mit den Wahlbezirksnummern auf dem Boden der Halle. Thomas Link, der seit 25 Jahren mit den Abläufen betraut ist, hat hier im Laufe der Zeit ein effektives und kraftsparendes System entwickelt. „Die Lkws fahren an die Rampen der Halle heran, alle wissen, was genau in welchen Lastwagen kommt. Dabei stehen die Transporter unter Aufsicht. Am Ziel angekommen wird alles vor Ort bis zum Morgen des 15. März verschlossen aufbewahrt“, erklärt Link.

Für ihn sind die Wochen vor der Wahl die entscheidende Phase, in der sich zeigt, ob das Zusammenspiel funktioniert. Link spricht ruhig, beinahe nüchtern, während sein Blick durch die Halle wandert, über Paletten, Urnen und Markierungen auf dem Boden. Vieles hier folgt einer Ordnung, die sich über Jahre – dank seiner Expertise – entwickelt hat. Improvisation ist für ihn keine Option.

Während sich die Beschäftigten bereits Wochen vorher in der Halle um die Vorbereitung der Kommunalwahl kümmern, werden am 15. März sowie in der Woche ab dem 16. März rund 7000 ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Einsatz sein. Davon sind rund 4000 städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In jedem Wahlbezirk werden bis zu neun Personen tätig sein. Dazu gehören eine Wahlvorsteherin oder ein Wahlvorsteher, eine Stellvertreterin oder ein Stellvertreter, eine schriftführende Person und bis zu fünf Beisitzerinnen oder Beisitzer. Für das endgültige Wahlergebnis werden dann rund 2000 städtische Beschäftigte in der Woche nach dem 15. März die Stimmen auszählen.

Der Weg zum endgültigen Wahlergebnis

Am Wahlabend wird zunächst ein Trendergebnis bekannt gegeben, das der allgemeine Wahlvorstand im Wahllokal ermittelt. Dafür werden bei der Stadtverordnetenwahl und der Ortsbeiratswahl nur die unverändert abgegebenen Stimmzettel gezählt, die also nur eine Kennzeichnung in der Kopfleiste (Listenstimmen) aufweisen.

„Der zweite Teil der Ergebnisermittlung erfolgt ab dem Montag nach der Wahl durch die Auszählungswahlvorstände. Hier geht es um die Ermittlung der sogenannten veränderten Stimmzettel, wenn Wählerinnen und Wähler kumuliert oder panaschiert, also Personenkennzeichnungen vergeben haben. Ebenso läuft die Auszählung der Briefwahl“, erklärt Gebhardt.

Dank der ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, des Teams in der Außenstelle sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle Wahlen des Bürgeramts, Statistik und Wahlen wird das aufeinander abgestimmte Vorgehen am 15. März für einen reibungslosen Ablauf sorgen – und 38 Lastwagen. Letztere holen am Montagmorgen die 1134 Urnen in den Wahllokalen ab, wenn die Arbeit beendet ist, und bringen sie zu städtischen Liegenschaften. Anschließend machen sich 193 Auszählungsvorstände an die Arbeit, um das endgültige Wahlergebnis zu ermitteln. Und auch da wird knapp eine Woche lang gelten: Genauigkeit vor Schnelligkeit. Das vorläufige Endergebnis wird dann im Laufe der Woche im Internet unter wahlen.frankfurt.de  verfügbar sein.

Und was passiert mit dann mit den ganzen Stimmzetteln? Wenn das endgültige Ergebnis der Wahlen durch den Gemeindewahlausschuss am 27. März festgestellt ist, dann werden alle Stimmzettel in der Halle bis zur nächsten Wahl aufbewahrt – so wie die Stimmzettel zur Europawahl, Bundestagswahl, Landtagswahl oder der OB-Wahl. So bleibt der Geruch nach Papier, nach viel Papier, in der Halle im Westen der Stadt stets erhalten.

Weitere Informationen Zur Erläuterung der verschiedenen Möglichkeiten der Stimmabgabe ist auf der Website frankfurt.de/wahlen  unter der Rubrik Kommunalwahlen und Ausländerbeiratswahl / Wahlrecht und Wahlberechtigung ein Erklärvideo verfügbar. In diesem werden die verschiedenen Stimmabgabemöglichkeiten anschaulich dargestellt.

Text: Pelin Abuzahra

Fotos Alles bereit für den 15. März: Die Urnen für die Wahlbezirke warten auf ihren Transport in die Wahlbezirke, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Gehört zu den größten Stimmzetteln in Deutschland: Patrick Gebhardt (links) und Thomas Link zeigen einen Musterstimmzettel für die Wahl der Stadtverordnetenversammlung, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Die Stehmappen sind gepackt: Stifte, Umschläge, Siegelstreifen, Straßenverzeichnisse, Musterstimmzettel und weitere Aushänge für die Wahlbezirke, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Eine Hälfte der Halle gehört der Briefwahl: Eingehende Wahlbriefe werden geprüft und in die richtige Urne eingeworfen, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Die Stimmzettel werden bis zur nächsten Wahl der gleichen Art archiviert (1), Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes 

Die Stimmzettel werden bis zur nächsten Wahl der gleichen Art archiviert (2), Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Chris Christes