Wo traurige Tiergeschichten ein glückliches Ende nehmen

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

Das Team vom Kobelt Zoo sucht Unterstützung und stellt sich auf der Ehrenamtsmesse am 12. September vor

ffm. Für Sylvia Schwind ist der Kobelt Zoo in Schwanheim der Ort ihrer Kindheit. Ihr Großvater, ein Schreiner, trug sie hier schon auf seinen Schultern über die Waldwege, setzte sie als Baby auf die Ponys oder nahm sie mit zu den Ziegen. Die Spuren seines handwerklichen Geschicks finden sich noch heute auf dem Gelände. „Hier steckt mein ganzes Herzblut drin“, sagt die 36-Jährige, mittlerweile Geschäftsführerin des Kobelt Zoos.

Durch die Wipfel der alten Laubbäume, die mit Schwind gewachsen und groß geworden sind, dringt Sonnenlicht und wirft flüchtige Schatten auf die Wege. Ein lauer Sommerwind weht Gerüche von Waldboden, Heu und Stall herüber. Ein Papagei antwortet auf das Krähen eines Hahns mit einem schrillen Krächzen, Schafe blöken und eine Ziege meckert – es zwitschert, gurrt und grunzt aus allen Richtungen.

Rund 200 Tiere haben im Kobelt Zoo ein Zuhause gefunden. Viele von ihnen bringen traurige Geschichten und eine schwierige Vergangenheit mit. Häufig kommen sie nach Beschlagnahmungen durch das Veterinäramt in den Zoo – vollkommen verängstigt, entkräftet und verstört.

So zum Beispiel zwei Nandus, die unter Artenschutz stehen und zuvor von einem Privatmann in einem dunklen Keller gehalten wurden. „Diese Laufvögel kannten keinen Auslauf, kein Tageslicht, kein Draußensein, keine Natur, bis sie zu uns kamen“, erzählt Schwind. Sechs Jahre sind sie nun schon hier. „Es ist wundervoll zu sehen, wie sich die Tiere dann langsam erholen, sich entwickeln und sogar zutraulich werden. Bei vielen ihrer Geschichten bekomme ich immer noch Gänsehaut.“

Der Kobelt Zoo ist ein Ort, an dem traurige Tiergeschichten neu geschrieben werden können. Für viele Tiere gibt es hier ein unverhofftes Happy End. Damit das auch in Zukunft möglich bleibt, braucht es Menschen, die mithelfen. Und genau die möchte das Team vom Kobelt Zoo in diesem Jahr erstmals auf der Ehrenamtsmesse im Rathaus Römer am Samstag, 12. September, erreichen.

Dringend gesucht: Menschen, die mithelfen möchten

Die Tiere im Kobelt Zoo werden von rund 20 Menschen, die sich dort ehrenamtlich engagieren, versorgt. Das sind zu wenige: „Wir brauchen dringend mehr Unterstützung und suchen händeringend nach Helferinnen und Helfern“, betont Schwind.

Die Möglichkeiten, sich einzubringen, sind vielfältig. Unterstützung wird bei der Versorgung der Tiere ebenso gebraucht wie bei handwerklichen Arbeiten, bei der Instandhaltung des Geländes, bei Führungen für Schulklassen oder bei der Organisation von Festen. Auch beim zeitlichen Umfang gibt es Spielraum: Ob regelmäßig, nur einmal im Monat oder punktuell bei einzelnen Veranstaltungen – vieles ist möglich. „Jeder kann sich hier einbringen und einen kleinen Teil dazu beitragen, dass dieser wertvolle Ort für Mensch und Tier erhalten bleibt“, sagt Schwind. Auch für das große Halloween-Fest im Oktober werden noch Menschen gesucht, die als Waldgeister kleine und große Zoogäste erschrecken möchten. „Geister bitte melden“, sagt Schwind. Wer wenig Zeit hat, aber trotzdem helfen möchte, kann den Zoo auch mit Geld- oder Futterspenden unterstützen oder eine Tierpatenschaft übernehmen.

Ein Begegnungsort, der allen offensteht – unabhängig vom Geldbeutel

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Zoos ist, dass der Eintritt im Kobelt Zoo kostenlos ist. Damit können auch Familien und Menschen mit geringem Einkommen den Zoo besuchen. Auch kostenlose Führungen für Schulklassen werden angeboten und sind sehr beliebt. Der soziale Gedanke hat Tradition. Bereits der Namensgeber des Zoos, Prof. Dr. Wilhelm Kobelt, der 1869 als erster Arzt nach Schwanheim kam, kümmerte sich neben seiner Praxis um sozial benachteiligte Menschen. Später gab er dann auch seine Tätigkeit als Arzt auf, um sich ganz seinen naturwissenschaftlichen Forschungen zu widmen.

„Wir möchten, dass dieser wertvolle Ort für alle Menschen zugänglich ist, unabhängig davon, wie viel Geld sie haben. Jeder soll die Möglichkeit haben, Natur und Tiere zu erleben“, sagt Schwind. Damit das so bleibt, sind die Geschäftsführerin und ihr Team auf Menschen angewiesen, die sich ehrenamtlich für den Kobelt Zoo einsetzen.

„Ehrenamtsmesse? Wir wussten erst gar nicht, dass es so etwas gibt“

Auf die Ehrenamtsmesse aufmerksam geworden ist das Team des Kobelt Zoos durch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef. Bei einem Besuch im Zoo entwickelte sich ein Gespräch darüber, wie die Stadt den ehrenamtlich getragenen Zoo unterstützen könne. In diesem Zusammenhang fragte Josef, ob sich Schwind und ihr Team bereits für die Ehrenamtsmesse im Rathaus Römer angemeldet hätten. „Wir wussten gar nicht, dass es so etwas gibt“, erzählt Schwind. In diesem Jahr ist der Kobelt Zoo nun erstmals mit dabei. Das Team hofft, dort viele weitere Menschen auf seine Arbeit aufmerksam zu machen und für ein Engagement zu gewinnen.

Schwind und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind überzeugt, dass es Orte wie den Kobelt Zoo braucht – für die Tiere ebenso wie für die Menschen, die hier Natur erleben und miteinander in Kontakt kommen können. Für die Zukunft wünschen sie sich vor allem mehr Menschen, die ihre Arbeit unterstützen und mit anpacken möchten. Denn ob die Tore des Kobelt Zoos auch künftig für alle offenstehen können, hängt wesentlich von den Menschen ab, die bereit sind, ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihre Begeisterung einzubringen.

Wer sich ehrenamtlich beim Kobelt Zoo engagieren möchte, kann sich dort per E-Mail an kobelt-zoo@web.de  melden.

Die 19. Ehrenamtsmesse am 12. September Die 19. Ehrenamtsmesse findet am Samstag, 12. September, von 11 bis 16 Uhr im Rathaus Römer statt. Alle Interessierten sind eingeladen, mit den Menschen hinter den über 100 teilnehmenden Projekten in diesem Jahr ins Gespräch zu kommen und die vielfältigen Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Natur- und Umweltschutz, zivilgesellschaftlichem Engagement und vielen mehr kennenzulernen. Der Eintritt ist kostenfrei. Auch zu den kostenlosen Workshops, Coachings und Vorträgen kann man sich noch unter Workshop für Engagierte  anmelden. Mehr Informationen zur diesjährigen Ehrenamtsmesse finden sich auch unter Die 19. Frankfurter Ehrenamtsmesse findet am 12. September 2026 statt! | Stadt Frankfurt am Main .

Text: Lily Gaines

Fotos

Der Nandu lässt sich das frische Obst aus Nanny Brodmanns Händen schmecken, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß 

Ein glücklicher Nandu balanciert Trauben im Mund, Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß 

Sylvia Schwind (links) und Nanny Brodmann (rechts) kümmern sich um die Esel Max, Moritz, Mikel und Merlin im Kobelt Zoo, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß 

Die Geschäftsführerin Sylvia Schwind bei der Fütterung der Esel im Kobelt Zoo, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß