Zum 125. Todestag am 27. März
Louvre Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt
Zum 125. Todestag am Freitag, 27. März, gedenkt die Wissenschaftsstadt Darmstadt dem Gründer des Johannesviertels im Darmstädter Nordwesten, Heinrich Blumenthal mit einer Kranzniederlegung an der Heinrich-Blumenthal-Gedenktafel am Johannesplatz. OB Hanno Benz dazu: „Heinrich Blumenthal hat als visionärer Stadtplaner und Johannesviertel-Gründer Weitblick bewiesen, maßgeblich zum Flair unserer Stadt beigetragen, er gehörte zu den führenden Persönlichkeiten des liberalen Darmstädter Reformjudentums und galt als einer der angesehensten Bürger unserer Stadt.“ Heinrich Blumenthal starb vor 125 Jahren, am 27. März 1901, im Alter von 76 Jahren. Er war Maschinenbaufabrikant und Bauunternehmer, aber auch Stadtverordneter der Nationalliberalen Partei und als erster Vorsitzender der liberalen jüdischen Gemeinde (Israelitischen Religionsgemeinde) zusammen mit Rabbi Julius Landsberger und Otto Wolfskehl einer der maßgeblichen Triebfedern beim Bau der Liberalen Synagoge Friedrichstraße von 1876.Blumenthal galt als führender Pionier der Darmstädter Stadtentwicklung und Vorreiter des Wohnungsbaus: Im Herbst 1871 präsentierte er den Plan zur Erweiterung des Darmstädter Nordwestens, der im Herbst des gleichen Jahres von Großherzog Ludwig III. genehmigt wurde. Zwischen 1871 und 1874 entstand dann im Nordwesten ein völlig neues Nordwest-Stadtviertel, das zunächst von 1874 bis 1893/94 den Namen seines Gründers trug – und Blumenthal-Viertel hieß. In der Folge entstanden hier zunächst fünfzig neue Wohnungen im historistischen Gründerzeit-Stil. So entstand das völlig neue Nordwest-Stadtquartier Blumenthalviertel, das erst mit der Einweihung der Evangelischen Johanneskirche seinen heutigen Namen erhielt – Johannesviertel. Als einziges Innenstadt-Quartier blieb das Johannesviertel vor den Kriegszerstörungen der Brandnacht weitgehend verschont.Blumenthal, der wahre Vater des Johannesviertels, zog in das von ihm selbst errichtete Miet-Wohnhaus am heutigen Johannesplatz, an der Ecke Alicen-/Liebig-Straße, eins der wenigen Gebäude, das von der Blumenthalgesellschaft selbst gebaut wurde (1874) und das im Volksmund „Louvre“ genannt wird. Der Entwurf stammte von den Frankfurter Architekten Linnemann und Strigler. Der neobarocke Bau nahm die gesamte Nordseite des Wilhelmsplatzes (des heutigen Johannesplatzes) ein, galt als das Vorzeigeprojekt des neuen Stadtquartiers. In dem Gebäude wohnten neben Blumenthal auch der erste hauptamtliche Darmstädter Oberbürgermeister Albrecht Ohly. Auch der preußische Gesandte Graf v. Lynar zählte zu den Bewohnern des Louvre: Von ihm ist überliefert, dass er der extrem hohen Hofdurchgangshöhe im Louvre sei Dank - nicht vom Pferd absteigen musste, wenn er zu Hause ankam. Markante Orte des ehemaligen Blumenthal- und heutigen Johannesviertels sind neben dem Wohnhaus von Blumenthal am Johannesplatz, etwa die Schulinsel (mit Justus-Liebig-Schule und Eleonorenschule), die Johanneskirche und die Viktoriastraße mit dem Viktoriaplatz.Für seine Verdienste um das städtische Gemeinwohl erhielt Blumenthal am 7. Oktober 1868 das Ritterkreuz II. Klasse des Ludewigs-Ordens, 1876 ernannte man ihn zum Kommerzienrat. Von 1871 bis zu seinem Tod 1901 wirkte er zudem als Stadtverordneter. Blumenthal zu Ehren wurde nach seinem Tod die Blumenthalstraße mitten im Herzen der Stadt eingeweiht, heute der Abschnitt der Kasinostraße in Höhe des Literaturhauses. Die Nazis löschten seinen Namen dort im Oktober 1938 für immer aus, nach 1945 wurde die Umbenennung in Taunusring nicht wieder rückgängig gemacht. Erst Jahrzehnte später widmete man Blumenthal in Kranichstein wieder eine Straße am Rande der Stadt.Blumenthals Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Bessungen in der Seekatzstraße.Im November 2015 widmete der Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt an der Nordwestseite des Johannesplatzes / Ecke Wilhelm-Leuschner-Straße Heinrich Blumenthal eine Gedenktafel, die seither an den Gründervater des Johannesviertels erinnert.