Zum Tod von Hartmut Schmidt: Stadt Frankfurt würdigt Engagement für Erinnerungskultur

Veröffentlicht: Neuigkeiten Ort: Frankfurt

ffm. Die Stadt Frankfurt am Main trauert um Hartmut Schmidt, langjähriger Vorsitzender der Initiative Stolpersteine in Frankfurt und Träger der Ehrenplakette der Stadt. Der Journalist und Historiker ist am 15. April im Alter von 83 Jahren gestorben. Die Stadt Frankfurt spricht seiner Familie, seinen Freunden und all denjenigen, die ihm nah standen, ihre Anteilnahme aus.

„Hartmut Schmidt hat sich in vorbildlicher Weise für Erinnerung und auch Versöhnung engagiert“, sagt Oberbürgermeister Mike Josef. „Orte entsetzlicher Schicksale wurden durch die Verlegung der Stolpersteine als ewige Mahnung sichtbar gemacht. Und dennoch stehen sie auch für Versöhnung, weil man sie oft gemeinsam mit Hinterbliebenen und Angehörigen der Deportierten verlegte und sich gemeinsam erinnerte. An die Deportation, aber auch an die Menschen.“

Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, zeigt sich betroffen von der Nachricht. „Hartmut Schmidt war fast zwei Jahrzehnte lang das Gesicht der rein ehrenamtlichen Initiative. Durch sein Engagement ist sie zu einer festen Größe in der Frankfurter Erinnerungslandschaft geworden. Er war die treibende und koordinierende Kraft hinter den bis 2023 in unserer Stadt verlegten etwa 1800 Stolpersteinen, mit denen ebenso vielen Opfern des Nationalsozialismus ihre Namen zurückgegeben wurden“, sagt Hartwig. „Durch die Verlegungen sind Hunderte von Begegnungen von Nachkommen und Familienangehörigen der Opfer aus aller Welt ermöglicht worden. Und durch die kleinen quadratischen goldfarbenen Stolpersteine werden die Namen dieser Menschen dauerhaft im Stadtbild sichtbar gemacht. Dieses wohl größte dezentrale Denkmal Europas ist aus den Frankfurter Straßen nicht mehr wegzudenken und wird für immer mit Hartmut Schmidt verbunden bleiben. Seine besonnene und vermittelnde Art wird fehlen. Ich wünsche seinen Angehörigen und Freunden Trost und Kraft.“

Hartmut Schmidt hat mit seinem langjährigen Engagement für die lokale Erinnerungskultur das öffentliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt nachhaltig geprägt. Seit 2004 war er bei der Initiative Stolpersteine Frankfurt aktiv, als Koordinator und ab 2008 als Vorsitzender des eingetragenen Vereins. Die mittlerweile mehr als 2200 Stolpersteine in Frankfurt erinnern im Alltag an Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden, und machen ihre Schicksale im Stadtbild sichtbar. Damit hat Schmidt entscheidend dazu beigetragen, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Überdies leistete er mit seinem Forschungsprojekt „Der Umgang der Evangelischen Kirchen und Hessen mit den Christen jüdischer Herkunft während der NS-Zeit und nach 1945“ einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes und rückte dabei das Land Hessen und die Stadt Frankfurt besonders in den Fokus. Für sein Engagement wurde er im Jahr 2021 mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. 2023 musste Schmidt sein Ehrenamt bei der Initiative krankheitsbedingt niederlegen, sein Nachfolger ist Martin Dill.

Informationen über die Initiative Stolpersteine Stolpersteine sind Erinnerungszeichen in Form von zehn mal zehn mal zehn Zentimeter große Betonquadern, die vor mehr als 30 Jahren vom Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen wurden. Die Oberseite der Stolpersteine trägt in eine Messingplatte eingeschlagene Namen und Daten von Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden – darunter als Jüdinnen und Juden Verfolgte und Ermordete, Sinti und Roma, politisch und aus religiösen Gründen Verfolgte, Homosexuelle und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie als „asozial“ oder „Berufsverbrecher“ gebrandmarkte Menschen und Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“. Stolpersteine werden am letzten frei gewählten Wohnort der jeweiligen Person in den Boden eingelassen.

Die Frankfurter Initiative Stolpersteine besteht seit 2003 und führte seitdem mehr als 2200 Verlegungen der Stolpersteine in 36 Stadtteilen durch. Die Verlegung jedes Steins erfolgt nach tiefgründiger Recherche zum Schicksal der Person und wird aufwändig vorbereitet. Alle Frankfurter Stolpersteine sind mit Standorten und Biographien der Personen im Internet unter Stolpersteine | Stadt Frankfurt am Main  und in der Frankfurt History App unter Frankfurt History App  verzeichnet.

Foto Hartmut Schmidt wurde 2021 mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel 

Hartmut Schmidt hält bei seiner Dankesrede während der Feierlichkeiten zur Verleihung der Ehrenplakette einen Stolperstein, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel